1,5 Millionen D-Mark Kredit mit 26: Hainburger Kabelanbieter Schnabel schließt nach 35 Jahren

Stand: 27.09.2026, 08:24 Uhr

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Mit gerade einmal 26 Jahren hat Wolfgang Schnabel all seinen Mut zusammen genommen und das Familienunternehmen Schnabel Team gegründet. 35 Jahre lang versorgte die Familie unter anderem Hainburg mit Kabelanschlüssen.

Mit 26 Jahren hat Wolfgang Schnabel all seinen Mut zusammen genommen und das Familienunternehmen Schnabel Team gegründet. 35 Jahre lang versorgte die Familie unter anderem Hainburg mit Kabelanschlüssen. © p/Schnabel

Das Team rund um Wolfgang Schnabel versorgte die Region jahrzehntelang mit TV und Internet – zuletzt noch 600 Kunden. Am 30. September ist Schluss.

Hainburg – Wenn am 30. September beim Schnabel-Team in Hainburg die Lichter ausgehen, endet nicht einfach nur der Betrieb eines lokalen Kabelanbieters. Es endet ein Stück Familiengeschichte. Eine Geschichte, die mit einem kleinen Ladengeschäft begann, über Jahrzehnte mit den technischen Entwicklungen mitwuchs und nun, nach mehr als 35 Jahren Kabelgeschäft, zu Ende geht.

Vom Techniker zum Kabelpionier

Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht Wolfgang Schnabel. Als gelernter Radio- und Fernsehtechnikermeister machte er sich 1982 selbstständig. Zunächst mit einer Werkstatt und einem kleinen Ladengeschäft. Dann entdeckte er eine Geschäftsidee, die damals gerade erst anlief: Kabelnetze.

1987/88 erhielt er von der Gemeinde einen Zuschlag und verkabelte Klein-Krotzenburg. „Da ging es ganz einfach los mit zehn Programmen“, erzählt Wolfgang Schnabels Sohn Erik. Für heutige Verhältnisse klingt das bescheiden. Damals aber war es ein kleines Stück Zukunft. Wo über die Hausantenne oft nur ARD und ZDF zu empfangen waren, eröffnete das Kabel eine ganz neue Fernsehwelt.

1989 gründete sein Vater gemeinsam mit seiner Frau und seinem Bruder die WMB-Kabelservice GmbH. Es folgten Froschhausen, Heusenstamm, Rembrücken und Großkrotzenburg. 1990 kam ein Elektrofachgeschäft hinzu. Die Familie arbeitete zusammen, baute das Unternehmen auf und wuchs mit ihm.

Für Erik Schnabel war das Unternehmen deshalb nie einfach nur ein Arbeitsplatz. Es war der Ort, an dem er mit seinem Vater, seiner Mutter und seinem Bruder einen großen Teil seines Lebens verbrachte. Die Arbeit war Teil des Familienalltags und jeder Familienfeier: „Da war das Thema natürlich immer die Firma“, sagt er lächelnd.

Währenddessen veränderte sich die Welt rasant. Aus zehn Fernsehprogrammen wurden plötzlich Hunderte. 2007 kam in Froschhausen das Internet hinzu und damit auch die Telefonie. Mit zunächst acht Megabit pro Sekunde war das damals ein großer Schritt, vor allem, weil die Telekom in Froschhausen keine vergleichbare Leistung anbieten konnte.

In den besten Jahren hatte das Unternehmen rund 4.000 Fernsehkunden und etwa 500 Internetkunden. Zeitweise arbeiteten 10 bis 15 Menschen im Betrieb. Doch irgendwann wurde aus dem technischen Fortschritt Konkurrenz. Große Anbieter bauten Glasfasernetze, Preise sanken, Streaming veränderte das Fernsehen. Ohne große Investoren im Hintergrund und mit einer vergleichsweise kleinen Mannschaft wurde das Unternehmen immer wieder an neue technische Entwicklungen angepasst. Als die Deutsche Glasfaser 2018 in Froschhausen ausbaute, bekam Erik Schnabel sogar zu hören, dass das Schnabel-Team ohnehin bald pleitegehen würde. Heute blickt er mit einem gewissen Schmunzeln darauf zurück: Auch die Deutsche Glasfaser geriet später selbst in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, wurde aber von ihren Eigentümern unterstützt. Für einen kleinen Familienbetrieb gab es solche Möglichkeiten nicht. „Wenn die Großen kommen, hat man am Ende keine Chance“, sagt Erik Schnabel.

Zuletzt hatte das Schnabel-Team noch rund 600 Kabelkunden und etwa 150 Internetkunden. Gleichzeitig wurde die Belastung für die kleine Mannschaft immer größer. Wenn das Internet ausfiel, klingelte das Telefon auch sonntags, nachts oder an Feiertagen. Urlaub wurde verschoben, Freizeit wurde zur Nebensache.

Besonders bleiben die Kunden im Gedächtnis. Menschen, die dem Unternehmen teilweise 30 Jahre treu waren. Ältere Kunden, die einen Techniker nicht einfach als Dienstleister empfingen, sondern ihm einen Kaffee anboten und sich freuten, dass jemand persönlich vorbeikam. „Es gab ganz, ganz viele tolle Kunden“, sagt Erik Schnabel. „Herzensgute Menschen.“

Druck der großen Konkurrenz

Und dann ist da sein Vater. Einer, der offenbar genau wusste, was er wollte, und sich etwas traute, das Erik Schnabel heute selbst bewundert. Mit gerade einmal 26 Jahren nahm er 1,5 Millionen D-Mark Kredit auf, bei 15 Prozent Zinsen. Vier Jahre später war der Kredit getilgt. „Das hätte ich mich niemals getraut“, sagt der Sohn.

Lebendig wird die Erinnerung an seinen Vater bei den großen Störungen. Einmal war eine Glasfaserleitung durchtrennt worden, ein ganzer Ort war ohne Empfang. Das Telefon stand nicht still. Und Wolfgang Schnabel? Der saß ausgerechnet an seinem Geburtstag in einem Kabelschacht und versuchte, die Adern wieder zusammenzubringen.

„Er hat wirklich gelebt für die Firma“, sagt Erik Schnabel. Vielleicht sind es genau diese Geschichten, die zum Abschied bleiben: nicht die Zahl der Anschlüsse oder die Geschwindigkeit der Leitungen. Sondern ein Vater, der etwas aufgebaut hat, das seine Familie über Jahrzehnte getragen hat – und ein Sohn, der heute mit Stolz darauf zurückblickt.

Nun endet dieses Kapitel. Ein bisschen Wehmut ist dabei. Aber auch Erleichterung. Denn der permanente Druck, jederzeit erreichbar sein zu müssen, fällt weg. Was bleibt, ist die Geschichte eines kleinen Familienunternehmens, das über Jahrzehnte dafür sorgte, dass Menschen in der Region verbunden blieben – und eines Vaters, dessen Lebenswerk seine Familie bis heute prägt.