(+) 100.000 warten: Warum SAGA-Wohnungen kaum frei werden
Hamburg
100.000 warten auf SAGA-Wohnung: Kaum Chancen für Normalverdiener
Die Warteliste reicht bis zum Horizont – aber ohne Wohnberechtigungsschein sieht es schlecht aus
Rund 100.000 Interessenten stehen auf der Warteliste für eine städtische Wohnung – aber die wenigen frei werdenden SAGA-Wohnungen gehen zumeist an Bedürftige mit Dringlichkeitsschein. Normalverdiener haben nur geringe Chancen, und die Lage entspannt sich nicht.
Die gigantische Zahl der Interessenten hat das Unternehmen auf seiner Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben. Eines der Probleme: Der Markt der SAGA-Wohnungen steht quasi still. Heißt: Wer eine der gut 140.000 günstigen SAGA-Wohnungen ergattert hat, zieht nicht mehr aus: Die Fluktuation lag im vergangenen Jahr bei 4,5 Prozent. Heißt: Von 200 Mietern ziehen pro Jahr nur neun um. Tendenz: sinkend. Im Jahr 2020 wurden noch 8093 SAGA-Wohnungen wiedervermietet, im Jahr 2025 nur noch 5800. Im ersten Halbjahr 2026 liegt die Zahl der Wiedervermietungen bei 3688.
Und der Neubau? Ein winziges Tröpfchen auf dem glühend heißen Stein: Im vergangenen Jahr stellte die SAGA 501 Neubauwohnungen fertig.
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SAGA: Ohne Berechtigungsschein wird es schwierig
Was ebenfalls sinkt: der Anteil der „sonstigen Bewerber“, also der Normalverdiener ohne Anspruch auf eine Sozialwohnung und ohne Dringlichkeitsschein. Im Jahr 2020 zählte noch fast jeder zweite Haushalt (45 Prozent), der neu in eine SAGA-Wohnung Gezogenen zu dieser Gruppe. Das geht aus der Senatsantwort auf eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Anke Frieling hervor.
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Im ersten Halbjahr 2026 ist der Anteil der Normalverdiener unter den Umziehern auf 29 Prozent gesunken: Von den 3688 Wohnungen, die auf den Markt kamen, gingen 2635 an Bedürftige. Zu diesen Gruppen zählen etwa Alleinstehende mit 28.500 Euro brutto Jahresgehalt oder Zweipersonenhaushalte mit maximal 42.200 Euro brutto im Jahr. Damit hat man Anspruch auf eine Sozialwohnung mit 7,85 Euro Miete pro Quadratmeter.
Bedürftige Gruppen: Das sind die Voraussetzungen
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Die zweite Gruppe sind vordringlich Wohnungssuchende mit Dringlichkeitsschein, etwa Menschen mit Behinderungen, Gewaltopfer, große Familien oder von Obdachlosigkeit bedrohte Personen.
Seit ein paar Jahren lässt die SAGA ihre Wohnungen über das Portal „Immomio“ vermakeln, bei dem Interessenten sich alle drei Monate neu bewerben müssen. Der Frust über ausbleibende Angebote oder binnen Sekunden ausgebuchte Besichtigungstermine ist groß.
Besonders ausgeprägt wird diese Praxis im Bezirk Mitte ausgeübt, wo von den knapp 1100 freigewordenen SAGA-Wohnungen in diesem Jahr fast 80 Prozent an Bedürftige gingen. Den höchsten Anteil an „sonstigen Bewerbern“ wies im laufenden Jahr Altona auf, wo von den 606 freien SAGA-Wohnungen immerhin 247 an Normalverdiener vermietet wurden.
Wie kann es sein, dass es für Hamburger Familien mit durchschnittlichem Einkommen so schwer ist, beim städtischen Wohnungsbauunternehmen ein Dach über dem Kopf zu finden? In der Senatsantwort heißt es dazu nur, dass die SAGA verpflichtet ist, sich besonders um Mieter zu kümmern, die es auf dem Wohnungsmarkt noch schwerer haben als andere: Jedes Jahr müssen 3500 bedürftige Haushalte aus dem SAGA-Bestand bedient werden – und je weniger Wohnungen überhaupt verfügbar sind, desto geringer die Chancen der Normalverdiener.