130 Interessierte kamen zur ersten Infoveranstaltung

Stand: 10.08.2026, 06:01 Uhr

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Ein Vorstandsbild aus der Anfangszeit: Mitbegründerin Karin Schulze ist in der vorderen Reihe als Zweite von links zu sehen, rechts neben ihr der erste Vorsitzende Alfred Lorenz. Hinten (Dritter von links) steht der junge Martin Salomon, der jahrzehntelang die Seniorenarbeit in Langen prägte.

Ein Vorstandsbild aus der Anfangszeit: Mitbegründerin Karin Schulze ist in der vorderen Reihe als Zweite von links zu sehen, rechts neben ihr der erste Vorsitzende Alfred Lorenz. Hinten (Dritter von links) steht der junge Martin Salomon, der jahrzehntelang die Seniorenarbeit in Langen prägte. © Archivfoto: Marc Strohfeldt

Die Seniorenhilfe Langen feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Gründungsmitglied Karin Schulze erzählt, wie sie 1996 nach einer Fahrradtour in Dietzenbach den Anstoß gab – und warum in ihren Kalendern fast jeden Tag „SHL" stand.

Langen – Karin Schulze hat ihre alten Kalender von damals hervorgekramt. Als sie durch die Wochen und Monate blättert, entdeckt sie an beinahe jedem Datum eine handschriftliche Notiz mit denselben drei Buchstaben: „SHL“, kurz für Seniorenhilfe Langen. Fast jeden Tag ein Termin. „Wie bei einem Generaldirektor“, sagt Schulze und lächelt verschmitzt. „Aber es hat mir einfach so viel Spaß gemacht.“

Denkt gern an die Anfangszeit zurück: Karin Schulze war von 2001 bis 2007 SHL-Vorsitzende.

Denkt gern an die Anfangszeit zurück: Karin Schulze war von 2001 bis 2007 SHL-Vorsitzende. © Manuel Schubert

Die Seniorenhilfe gibt es in Langen seit 30 Jahren. Wer könnte besser von den Anfängen erzählen als Schulze, die bei der Gründung eine der treibenden Kräfte war und den Verein in der Anfangszeit sechs Jahre lang als Vorsitzende nachhaltig mitgestaltete? Die heute 85-Jährige sitzt an ihrem Wohnzimmertisch in Oberlinden. Ihr Gesicht beginnt zu leuchten, als sie an die Ursprünge des Vereins zurückdenkt. „Wir haben damals alle an einem Strang gezogen“, betont sie, „es war eine tolle Zeit.“

Tag der offenen Tür

Die Seniorenhilfe Langen und Egelsbach feiert ihr 30-jähriges Bestehen am Sonntag, 27. September, mit einem Tag der offenen Tür im Zenja-Garten, Zimmerstraße 3. Zwischen 12 und 18 Uhr können sich die Besucher auf einen musikalischen Frühschoppen, eine Kaffeetafel, Spiel und Spaß für Jung und Alt sowie ein Überraschungsprogramm freuen. Am Morgen findet zudem eine akademische Feier nur für geladene Gäste statt. Weitere Infos auf www.zenja-langen.de.

Mitte der 90er-Jahre fängt bei einer Fahrradtour alles an. In Dietzenbach entdeckt Karin Schulze ein Plakat zu einem Vortrag der dortigen Seniorenhilfe – damals die erste in Hessen. Spontan geht sie hin und ist begeistert. „Der Vorsitzende hieß Herr Thüring, er brannte vor lauter Begeisterung für das Projekt“, weiß die Seniorin noch genau. Zurück in Langen kontaktiert sie Martin Salomon, der erst kurz zuvor als Verantwortlicher für die Seniorenarbeit bei der Stadt angefangen hat. Gemeinsam beschließen sie, eine Nachbarschaftshilfe auch in der Sterzbachkommune auf die Beine zu stellen. „Ich habe mit Besuchen bei einer alten Dame gestartet. Wir haben uns jahrelang getroffen und einfach geplaudert“, schildert Schulze.

Salomon treibt mit Alfred Lorenz und Wolf-Dieter Kranich zwei ältere Herren auf, die Interesse am Projekt haben und bereit sind, im Vorstand Verantwortung zu übernehmen. „Ich wollte das nicht, weil ich noch berufstätig war“, erinnert sich Schulze. „Für Frauen war es damals eh noch nicht so üblich, solch eine Sache selbst in die Hand zu nehmen.“ So gründet die Runde am 25. Juli 1996 die Seniorenhilfe Langen, mit Lorenz als Vorsitzendem und Kranich als dessen Stellvertreter. Im August stellt sich der neue Verein den Bürgern vor. Zu einer Infoveranstaltung im Seniorentreff Nordendstraße kommen 130 Interessierte, viele treten direkt bei. Erstes offizielles Mitglied wird der kürzlich verstorbene SPD-Bürgermeister Dieter Pitthan.

Büro in Pavillon auf Bahnstraße

Die SHL wächst rasant, im Juni 1997 zählt sie schon 500 Mitglieder. Neben der Nachbarschaftshilfe – Einkäufe, Arztbesuche und Fahrten ins Krankenhaus – kommen immer mehr Angebote hinzu: von Schwimm-, Handarbeits- und Scherenschnittkursen über einen Singkreis bis hin zur Demenzgruppe. Das Motto: „Heute helfen Sie uns, morgen helfen wir Ihnen.“ Auch Karin Schulze bringt sich tatkräftig ein, leitet jahrelang die Fahrradgruppe (die übrigens bis heute besteht), kümmert sich um den Kontakt zur Stadt und den Zeitungen und übernimmt einen Tag pro Woche den Bürodienst. Die ersten zehn Jahre ist die Seniorenhilfe im Pavillon auf der Bahnstraße zu finden.

Als aus Altersgründen Veränderungen im Vorstand anstehen, wird Karin Schulze 2001 zur Vorsitzenden gewählt und bleibt es bis 2007. „Ich fand das so spannend“, schwärmt sie. Der Verein wächst zeitweise auf bis zu 1.300 Mitglieder an. Immer wieder reist sie mit Delegationen der Stadt ins Ausland, um andere Nachbarschaftshilfen zu treffen, nach Italien, Österreich und Litauen. Einmal geht es mit dem Bus ins niedersächsische Salzgitter, um ein großes Mehrgenerationenhaus unter die Lupe zu nehmen. Denn schon damals gibt es Pläne für die Errichtung des Zenja (Zentrum für Jung und Alt), gemeinsam mit dem Mütterzentrum. 2006 werden sie Realität, zur Einweihung des Neubaus kommt sogar Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Ein Meilenstein für die Seniorenhilfe und der Höhepunkt von Schulzes Amtszeit. Die Vorsitzende verpasst den Termin jedoch: Sie liegt mit 40 Grad Fieber und einer Lungenentzündung im Bett.

„Wir hatten in Langen viele Unterstützer“, blickt die gebürtige Baden-Badenerin heute zurück. Es gab aber auch Gegenwind, vor allem am Anfang: „Die Taxifahrer und auch die Sportvereine dachten, wir nehmen ihnen die Arbeit weg.“ Längst hat sich das gelegt.

Nach Sorgenzeit wieder gut aufgestellt

Die Seniorenhilfe zählt mit immer noch 1.000 Mitgliedern zu den größten Vereinen der Stadt, bietet zahlreiche Kurse und Gruppenaktivitäten an. Die Nachbarschaftshilfe ist immer noch ein zentraler Baustein. Zudem sendet die SHL, die seit 2023 auch Egelsbachern offensteht, Lesepaten an die Grundschulen. Als sich Ende 2024 keine Nachfolger für den Vereinsvorsitz finden, macht sich auch Karin Schulze große Sorgen um „ihre“ Seniorenhilfe. Mit Bianca Jung und Katja Bernhard ist der Kernvorstand mittlerweile aber wieder stabil aufgestellt. „Die beiden machen das richtig gut. Sie sind unheimlich ideenreich“, ist die Vorgängerin begeistert.

Schulze selbst besucht heute ab und zu das Sonntagscafé im Zenja und die Jahreshauptversammlungen. Sie ist stolz, dass die von ihr mitbegründete Seniorenhilfe immer noch Bestand hat: „Wir haben damals etwas Nachhaltiges für Langen geschaffen.“