137 Zoll aus dem Sideboard: Dieser Bugatti-Fernseher entfaltet sich in 45 Sekunden
FERNSEHER & SMART-TVS
45 Sekunden Verwandlung, sechsstelliger Preis: C SEED und Bugatti zeigen den N1 - ein 137-Zoll-Sideboard-TV, der teurer als 100 gewöhnliche Riesen-TVs sein soll.
Ein niedriges, geschwungenes Möbelstück steht im Raum - auf Knopfdruck fährt es aus, schiebt sich auseinander und wird binnen 45 Sekunden zu einem 137 Zoll großen 4K-MicroLED-Bildschirm. Genau das haben C SEED und Bugatti mit dem N1 auf der Monterey Car Week gezeigt, und zwar nicht als Konzept, sondern als real existierendes, kaufbares Gerät. Das Automagazin Road & Track hat die Verwandlung live miterlebt und beschreibt sie als noch eindrucksvoller, als es die bisherigen Pressefotos vermuten ließen.
Die Verwandlung: Vom Sideboard zum Riesenscreen
Der Ablauf läuft laut TechEBlog als stiller, mehrstufiger Vorgang ab, der exakt 45 Sekunden dauert. Ein einziger Knopfdruck genügt, dann beginnt die Choreografie. Was als niedriges, geschwungenes Möbelstück beginnt, hebt sich, verschiebt sich und faltet sich zu einem 110 oder 137 Zoll großen 4K-MicroLED-Display auf. Dabei trennen sich die einzelnen Panels zunächst sichtbar voneinander, bevor sie sich am Ende so präzise zusammenschieben, dass die Übergänge dank des hauseigenen Adaptive-Gap-Calibration-Systems praktisch unsichtbar werden. Parallel dazu fahren die Lautsprecher von Wisdom Audio aus ihrem Versteck und verschwinden beim Einklappen wieder spurlos im Gehäuse.
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Genau dieser Moment ist der Grund, warum das Gerät gerade jetzt die Runde macht. Denn die Monterey Car Week gilt als Bühne für automobile Extravaganz, und ein Möbelstück, das sich wie ein Gadget in einen Riesenfernseher verwandelt, ist dort ein gefundenes Fressen für jede Kamera.
Technische Daten: Was hinter der MicroLED-Wand steckt
Für die eigentliche Bildqualität sorgt C SEEDs MicroLED-in-Package-Technologie (MiP), die bei beiden Varianten 4K-Auflösung liefert. Die Eckdaten im Überblick:
- Helligkeit und Kontrast: bis zu 1.000 Nits Spitzenhelligkeit bei einem nativen Kontrastverhältnis von 30.000:1
- Pixelabstand: 0,7 mm beim 137-Zoll-Panel, 0,6 mm bei der 110-Zoll-Variante
- Farbdarstellung: 16 Bit pro Kanal, was theoretisch 64 Milliarden Farben ermöglicht
- Bildwiederholrate: 3.840 Hz, was für ein besonders ruhiges, flackerfreies Bild sorgen soll - auch wenn der Content selbst nicht mit dieser Frequenz läuft, dazu HDR10+
- Leistungsaufnahme: bis zu 2,6 kW Spitzenverbrauch beim 137-Zoll-Modell, im Schnitt rund 0,9 kW
- Lebensdauer: bis zu 100.000 Betriebsstunden für die LEDs
Beim Sound setzt C SEED auf planar-magnetische Treiber von Wisdom Audio. Zum Soundsystem zählen sechs 12-Watt-Speaker plus ein 200-Watt-Subwoofer beim großen Modell sowie eine kleinere Vierer-Konfiguration mit ebenfalls 200-Watt-Subwoofer bei der 110-Zoll-Version. Bei den Anschlüssen bleibt es überschaubar: drei HDMI-2.0-Ports mit HDCP 2.2, zwei USB-Anschlüsse und ein RJ45-Netzwerkport. Einen TV-Tuner gibt es nicht.
Im geschlossenen Zustand ist das 137-Zoll-Modell rund 235 Zentimeter lang, 47 Zentimeter tief und 65 Zentimeter hoch und bringt etwa 680 Kilogramm auf die Waage. Die 110-Zoll-Variante fällt mit rund 188 Zentimetern Länge und etwa 480 Kilogramm Gewicht etwas kompakter aus. Beide Versionen lassen sich um 180 Grad drehen, optional gibt es eine mittig verschiebbbare Bildschirmvariante, wodurch das Gerät also nicht zwingend an der Wand stehen muss.
Preis: Was man für das Geld sonst bekommt
Einen offiziellen Preis nennt Bugatti nicht. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass die 110-Zoll-Version über 400.000 US-Dollar kostet, während die 137-Zoll-Variante je nach Ausstattung und Finish deutlich höher liegt und oft die 500.000-Dollar-Marke erreichen soll. Beim aktuellen Kurs landet man damit ungefähr bei 360.000 bis über 450.000 Euro. Das ist in jedem Fall eine Hausnummer, aber kein bestätigter Preis.
Zum Vergleich: Ein 98-Zoll-Fernseher aus dem deutschen Elektronikhandel liegt meist im Bereich von 3.000 bis 5.000 Euro. Selbst am unteren Ende der Bugatti-Schätzung ließen sich davon also gut 80 bis über 100 klassische Riesenfernseher kaufen - nur eben ohne Faltmechanik, ohne Bugatti-Logo und ohne den Sideboard-Trick.
C SEED und Bugatti: kein Konzept, sondern Serienprodukt
C SEED baut seit Jahren faltbare Riesenbildschirme, darunter auch ausfahrbare Outdoor-Fernseher und Speziallösungen für Superyachten. Der N1 ist damit kein einmaliges Experiment, sondern reiht sich in ein bestehendes Produktportfolio ein, das von Indoor- über Outdoor- bis zu Marine-Anwendungen reicht. Bugatti steuert bei der N1-Kooperation vor allem Design und Markenname bei. Die geschlossene Hülle orientiert sich an der Formensprache des Bugatti Tourbillon, mit dem charakteristischen C-Profil an der Seite und Materialien wie Luftfahrt-Aluminium und Carbonfaser-Geflecht. Erhältlich ist das Gerät in vier Farboptionen oder als individuelle Sonderanfertigung.
Gebaut wird der N1 in Österreich, verkauft ausschließlich über ein exklusives Netzwerk von C-SEED-Partnern und autorisierten Bugatti-Händlern. Es gibt kein Onlineshop und keine Serienfertigung im klassischen Sinn. Offen bleibt bislang, wann genau die ersten Geräte an Kunden ausgeliefert werden und ob beziehungsweise über welche Händler das Gerät in Deutschland überhaupt bestellbar sein wird.
Für wen das überhaupt gedacht ist
Realistisch betrachtet ist der N1 kein Gerät für den Wohnzimmerschrank von nebenan, sondern für eine Klientel, die ohnehin schon Superyachten, Villen oder mehrstellige Autosammlungen besitzt. Für alle anderen bleibt die Frage spannend, was aktuell die größten und besten Fernseher für normales Geld sind. Dazu haben wir eine laufend aktualisierte TV-Bestenliste mit den besten Modellen ab 65 Zoll.
Technisch interessant bleibt der N1 trotzdem, weil er zeigt, was MicroLED kann, was OLED und klassisches LCD nicht können. Weil MicroLED-Bildschirme aus einzelnen, unabhängig ansteuerbaren Modulen zusammengesetzt werden statt aus einer durchgehenden Panel-Schicht, lassen sie sich modular verbauen, biegen, falten und sogar in Segmenten bewegen. Das macht erst Geräte wie den N1 möglich. Wie die Technologie funktioniert, welche weiteren Ansätze dahinterstecken und warum die Bildschirme der Zukunft auch abseits von Luxusfernsehern spannend werden, erklären wir in unserem verlinkten Artikel.
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