15-Jährige liegt seit Wochen in Klinik: Familie sammelt Spenden für Mias Heimkehr
Stand: 01.10.2026, 08:00 Uhr
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Mia Schnabel aus Oppenrod kämpft seit Ende August mit einer Wundinfektion, die zweimal wöchentlich unter Vollnarkose operiert werden muss. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Geräte nicht, die sie nach ihrer Rückkehr aus Sicht der Eltern braucht.
Buseck – Ein Esszimmertisch mit weißer Decke darauf. Drumherum sechs Stühle. Auf einem sitzt Michael Schnabel und erzählt. Von seiner Familie. Von der schweren Zeit, die diese gerade durchmacht. Und von einer Spendenaktion, die er und seine Frau Ruth vor gut zwei Wochen gestartet haben. Tränen treten dem 56-Jährigen in die Augen, als er von der großen Anteilnahme berichtet, die ihnen zuteil geworden sei. Von Familie, Freunden und Bekannten, aber auch von völlig fremden Menschen. „Das haben wir so nicht erwartet“, sagt Michael Schnabel.

Er und seine Frau hatten Anfang September nach langer Überlegung über eine Internetplattform, über die größere Geldsummen nach dem Crowdfunding-Prinzip gesammelt werden, um finanzielle Unterstützung für einen professionellen Arm- und Beintrainer und ein Tandem für ihre Tochter Mia gebeten. Ein 15-jähriges, geistig und körperlich eingeschränktes Mädchen, deren Alltag sich infolge einer Hüftoperation im März 2025 beziehungsweise eines Sturzes im darauffolgenden November massiv verändert hat.
Tiefe Dankbarkeit
Rund 17.000 Euro benötigen die Schnabels für Spezial-Tandem sowie Arm- und Beintrainer, mehr als 20.000 Euro sind in wenigen Tagen über den Spendenaufruf zusammengekommen. „Die Unterstützung war überwältigend und erfüllt uns mit tiefer Dankbarkeit“, sagen Ruth und Michael Schnabel.
Ständige Schmerzen, Arztbesuche und Untersuchungen, mehrere Krankenhausaufenthalte samt weiterer operativer Eingriffe, Anschlussheilbehandlungen – eine Odyssee, die nach wie vor andauert. Denn seit Ende August kämpft Mia in einer Münchener Klinik mit einer Wundinfektion, die mehrmals wöchentlich unter Vollnarkose operativ behandelt werden muss. Ein Ende der Therapie – nicht absehbar.
„Mia hatte eine Hüftdysplasie“, erzählt ihre Mutter, die aus der Klinik in der bayerischen Landeshauptstadt über Handy ins heimische Esszimmer geschaltet ist. Also eine Fehlstellung, bei der die Hüftpfanne den Oberschenkelknochen nicht richtig umschließt. „Sie konnte noch nie besonders lange laufen“, ergänzt der Vater. „Und sie hatte Schmerzen dabei.“ Deshalb entschieden sich die Schnabels für eine operative Korrektur der Fehlstellung.
Ich zerreiße mich. Und trotzdem fällt immer irgendwas hinten runter.
Alles lief gut, Gangbild und Haltung verbesserten sich deutlich. Doch dann stürzte Mia auf einer Treppe und litt fortan dauerhaft unter Schmerzen. Die im Zuge der Operation im Oberschenkel – hier war Knochen entnommen und in der Hüfte eingesetzt worden – montierten Schrauben und Platte wurden mit dem Ziel einer Besserung der Situation operativ entfernt, allerdings ohne den erhofften Erfolg.
Stattdessen verschlimmerte sich die Situation in der Folgezeit zunehmend, Mia konnte nicht mehr stehen und nach einem diagnostizierten Oberschenkelhalsbruch wurden Platte und Schrauben wieder eingesetzt. Doch während der sich anschließenden Reha-Maßnahme entzündete sich die Wunde. Ende August kam die Jugendliche erneut ins Krankenhaus und liegt dort nach wie vor, begleitet von ihrer Mutter.
Mit Klinikaufenthalten und Operationen hat die Familie Erfahrung, denn Mia leidet zeit ihres Lebens an einem Hydrocephalus, einer krankhaften Erweiterung der flüssigkeitsgefüllten Hohlräume im Gehirn, die durch einen Stau des Nervenwassers entsteht, und an den Folgen. Die Jugendliche hat körperliche und geistige Einschränkungen, muss regelmäßig untersucht und wegen einer Schlafapnoe nachts überwacht werden. Sie benötigt wöchentlich Ergo- und Physiotherapie, seit der Hüftoperation auch Lymphdrainagen. Kurzum: Mia braucht deutlich mehr Aufmerksamkeit und Betreuung als andere Kinder.
All das mit Job und Alltag unter einen Hut zu bekommen und dabei auch den beiden anderen Kindern gerecht zu werden – neben Mia gehören der 13-jährige Henri und der 20-jährige Noah zur Familie – sei eine riesige Herausforderung, erzählt Ruth Schnabel. Nicht zu vergessen: das Thema Bürokratie. Denn um etwa Zuzahlungen für medizinische Hilfsmittel oder andere Unterstützung für Mia zu bekommen, müssen viele E-Mails geschrieben und Telefonate geführt werden. Ruth Schnabel: „Ich zerreiße mich. Und trotzdem fällt immer irgendwas hinten runter.“
Als Erstes die Bedürfnisse der Eltern selbst. Hobbys etwa. Die seien als Ausgleich unglaublich wichtig, weiß die 46-Jährige. „Um Kraft für die Herausforderungen des Alltags zu schöpfen.“ Aber anstatt sich Zeit für sich selbst zu nehmen, geben sie und ihr Mann meist anderen Dingen den Vorzug. Der Haus- und Gartenarbeit, die liegengeblieben ist, und anderem mehr. „Wenn abends alles erledigt ist, bin ich einfach nur froh, wenn ich mich aufs Sofa legen kann“, sagt Michael Schnabel.
Seit Mias Sturz ist die Situation für die Schnabels noch belastender. Ein Familienleben findet nicht mehr statt. „Ich habe meine Jungs wochenlang nicht gesehen“, sagt Ruth Schnabel, die ihre Tochter begleitet. Und auch an der 15-Jährigen geht das Ganze nicht spurlos vorbei. „Mia ist eigentlich eine absolute Frohnatur“, erzählt Ruth Schnabel. „Aber die vielen Eingriffe hinterlassen körperliche und seelische Spuren.“
Wenn Mia nach Hause kommt, möchten die Eltern ihr einen möglichst schnellen Wiedereinstieg in ihr bisheriges Leben ermöglichen. Ein wichtiger Punkt dabei ist die Mobilität. Doch durch das Liegen der vergangenen Monate hat das Mädchen viel Fettgewebe angesetzt. Um dieses ab- und Muskelgewebe aufzubauen, braucht es Unterstützung in Form besagter Geräte. Weil die Krankenkasse die Kosten nicht übernehme, haben sich die Schnabels für den Spendenaufruf entschieden. Michael Schnabel: „Unser Ziel ist es, dass Mia schnellstmöglich wieder so leben kann wie vor dem Sturz.“