19-Jähriger in Nonnweiler: Rashid droht die Abschiebung – trotz perfekter Integration

19-Jähriger in Nonnweiler Rashid droht die Abschiebung – trotz perfekter Integration

Bierfeld · Mit 15 Jahren floh Abdirashid Ahmed Adam aus Somalia nach Deutschland. In Bierfeld in der Gemeinde Nonnweiler fand er eine neue Heimat, machte seinen Schulabschluss und wurde zum großen Bruder für acht Mitbewohner. Jetzt kämpft er darum, bleiben zu dürfen.

15.07.2026 , 07:01 Uhr

„Rashid“ aus Somalia hat in Bierfeld eine neue Heimat gefunden.

Foto: Margit Stark

Für seine acht Mitbewohner der Wohngruppe in Bierfeld im Landkreis St. Wendel ist Abdirashid Ahmed Adam längst der große Bruder, zu dem sie mit allen großen und kleinen Kümmernissen kommen. „Ich bin stolz, dass sie mir vertrauen“, sagt der 19-Jährige, der von allen nur liebevoll Rashid genannt wird.

Dass der junge Somalier sein Zuhause, das er in der Einrichtung der Gemeinnützigen Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit (GPS) in dem Nonnweiler Ortsteil fand, bald verlassen muss, fällt dem sympathischen Mann sehr schwer. Der Grund für seinen Umzug: Nach dem erfolgreichen Abschluss des mittleren Bildungsabschlusses steht nun der nächste Schritt in Form einer Berufsausbildung bevor. Er gehört zum engeren Kreis von Bewerbern um einen Ausbildungsplatz, den ein Unternehmen in Saarbrücken ausgeschrieben hat.

Vor gut drei Jahren fand er nach seiner Flucht aus seinem Heimatland Aufnahme in dem ehemaligen Bauernhaus – eine von vielen Adressen, an denen die GPS Kindern und Jugendlichen eine Heimat bietet, die aus verschiedenen Gründen nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können. „Ich werde meine Leute im Hochwald so oft wie möglich besuchen“, sagt Rashid, der tadellos Deutsch spricht. Allerdings: Mehr als die Angst vor der Trennung von den Leuten, die ihm ans Herz gewachsen sind, hat sich die Furcht vor einer drohenden Abschiebung in sein ehemaliges Heimatland eingebrannt.

Das Land am Horn von Afrika, dem er als 15-Jähriger den Rücken gekehrt hat, leidet unter einer riesigen humanitären Krise. Gründe dafür sind jahrelange Konflikte, Terrorismus und Wetterextreme wie Dürren und Überschwemmungen, die immer wiederkehren. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen und Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. Unterstützt von den Fachkräften der GPS sowie einem Anwalt kämpft er darum, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Bislang waren die Bemühungen nicht erfolgreich. Sein Asylantrag wurde abgelehnt und die Klage gegen die Ablehnung vom Verwaltungsgericht abgewiesen. Jetzt läuft das Berufungsverfahren.

„Ich würde so gerne im Saarland bleiben“

„Ich würde so gerne im Saarland bleiben“, verrät der 19-Jährige seinen innigsten Wunsch. „Ich will eine Lehre absolvieren und Geld verdienen, um unabhängig zu sein und für mich selbst zu sorgen.“ Anderen Leuten auf der Tasche zu liegen, ist ihm nach seinen Worten ein Gräuel. Anfang 2023 hat Rashid mit gerade einmal 15 Jahren Deutschland zum ersten Mal betreten – als „unbegleiteter minderjähriger Ausländer“, wie die Kinder und Jugendlichen, die alleine reisen, im deutschen Verwaltungs- und Sozialrecht genannt werden.

Die einzige Bezugsperson in dem für ihn fremden Land war seine Tante, die in Idar-Oberstein lebt und zu der er immer noch engen Kontakt hält. „Zunächst habe ich vier Monate in Trier gelebt“, erzählt Rashid, bevor er in dem Nonnweiler Ortsteil eine neue Heimat fand.

Um in Deutschland für immer Fuß fassen zu können, hat er nach den Worten von Jan Berrens, Mitglied der Bereichsleitung in der GPS, viel auf sich genommen. Neben seinem Pensum für die Schule, das Rashid mit Bravour absolviert hat, habe er alles daran gesetzt, die deutsche Sprache zu erlernen. „Seine Bemühungen waren von Erfolg gekrönt. Denn er beherrscht perfekt die deutsche Sprache und hat seine Mittlere Reife in der Tasche“, sagt Berrens.

„Mehr als das, was Rashid hier geleistet hat, kann man als Jugendlicher in einer solch prekären Situation nicht leisten“, lobt er seinen Schützling und nennt ihn ein Paradebeispiel für gelungene Integration. Neben seinen schulischen Erfolgen sei er auch eine Bereicherung für die Wohngruppe. Denn er sei sozial engagiert, habe stets ein offenes Ohr für seine Mitbewohner und helfe ihnen, wo er nur kann, nennt der Sozialpädagoge weitere Details über den Somalier, der in seiner Freizeit auch gerne Biografien liest.

Außerdem habe er sich längst einen guten Namen als Fußballer bei der SG Peterberg gemacht. „Er gehört zum Kader der Aktiven und ist für seine Dynamik auf dem Platz bekannt“, heißt es im Internet über den Mittelfeldspieler, der immer ein freundliches Lächeln im Gesicht hat.

Am Montag hat Rashid einen weiteren Schritt Richtung Unabhängigkeit gewagt. Er hat eine Probeschicht in dem Saarbrücker Unternehmen gearbeitet, das ihm möglicherweise einen Ausbildungsvertrag anbietet. Er kann sich seine berufliche Zukunft im IT-Bereich vorstellen.

Er würde sich nach eigenen Angaben freuen, wenn es weitere Betriebe gebe, die einen Auszubildenden suchen und ihn auf seinem Weg zu mehr Selbstständigkeit zu unterstützen. Jetzt fehle ihm nur noch eine Wohnung in Saarbrücken, damit er nicht Tag für Tag zwischen dem Hochwald und der Landeshauptstadt pendeln muss. Noch mehr am Herzen liegt ihm der Wunsch, dass das Saarland für immer seine Heimat bleibt. „Seinen Anteil dafür hat er längst erfüllt“, wie sein Vertrauter Berrens sagt. (sil/skm)

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