20.000 Missbrauchs-Bilder auf Handy und Laptop: Ehefrau zeigt eigenen Mann (45) an
Stand: 26.09.2026, 07:48 Uhr
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Ein 45-jähriger Familienvater aus Kirchseeon wurde wegen des Besitzes von Kinder- und Jugendpornografie zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Seine Ehefrau hatte ihn angezeigt, nachdem sie inkriminierte Bilder auf seinem Handy gefunden hatte.
Kirchseeon – Nervös rutscht der Mittvierziger mit dem Dreitagebart und den grau melierten Haaren auf dem knallgrünen Sitzkissen der Anklagebank herum, fieselt fast unaufhörlich an seinen Fingernägeln – und ringt mit den Worten. Es ist ein unangenehmes Thema, mit dem sich der Kirchseeoner an diesem Herbstmorgen im Sitzungssaal des Ebersberger Amtsgerichts auseinandersetzen muss.
Knapp drei Jahre ist es her, als seine Ehefrau auf seinem Smartphone kinderpornografische Bilder entdeckte und ihn bei der Polizei anzeigte. Kurz darauf standen schon Kriminalbeamte samt Durchsuchungsbeschluss vor der Wohnungstür der Familie – und deckten damit erst das ganze Ausmaß an Missbrauchs-Dateien auf, die der Familienvater heimlich hortete: Über 20.000 kinder- und jugendpornografische Bilder wurden auf diversen Handys und einem Laptop sichergestellt, schildert der Staatsanwalt in der Anklage. Darunter fanden sich Bilder von „schwerstem sexuellem Missbrauch“ sowie dutzende Videos mit einer Gesamtlaufzeit von fast drei Tagen.
Einsicht und Reue: Angeklagter lädt Dateien als „Beifang“ herunter
Vor dem Amtsgericht zeigt sich der 45-jährige Kirchseeoner, selbst Vater zweier Mädchen, jetzt zugleich reueerfüllt und beschämt. So beschämt, dass er über seine Taten in der dritten Person statt in der Ich-Perspektive spricht. „Man ist da reingerutscht“, sagt er etwa über seine Abwärtsspirale auf jener Internet-Webseite. Herumgetrieben habe er sich dort anfangs noch wegen Reparaturanleitungen für Autos, Musik und Filmen. „Dann hat man halt gemerkt, dass es da auch andere Sachen gibt.“ Gemeint ist Erwachsenenpornografie, die seine besondere Vorliebe für Frauen in Nylonstrümpfen beinhaltet, ergänzt sein Verteidiger und schiebt gleich nach: „Er hat kein pädophiles Interesse. Es war eher wie eine Routine, das perfekte Bild zu finden.“ So seien die inkriminierten Bilder in den heruntergeladenen „Paketen“ mit teils 400 Dateien als Beifang hineingeraten. Beifang, den sein Mandant „gesehen und ausgeblendet hat“.
Natürlich war einem klar, dass dahinter echte Missbrauchsszenen stehen. Es tut mir unglaublich leid.
„Natürlich war einem klar, dass dahinter echte Missbrauchsszenen stehen. Es tut mir unglaublich leid“, betont der Kirchseeoner mit brüchiger Stimme. Die Wohnungsdurchsuchung habe er als regelrechte Erlösung empfunden und sich eigenständig therapeutische Hilfe gesucht. Seine Tat habe er dort in den vergangenen Jahren aufarbeiten und reflektieren können. Unterstützung bekommt er dabei von seiner Frau, die sich mittlerweile zwar getrennt hat, den Prozess aber dennoch aus dem Zuschauerraum des Sitzungssaals verfolgt.
Richter Frank Gellhaus erkennt diese „vorbildlichen Therapiebemühungen“ in seinem Urteil hoch an. Er sagt aber auch: „Sie sind wie ein Staubsauger durchs Internet gegangen.“ Wegen der Kinder- und Jugendpornografien verurteilt er den Familienvater zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Zusätzlich muss der 45-Jährige eine Geldauflage in Höhe von 2400 Euro begleichen und seine Therapie fortsetzen.