20 Geschichten, die Angst nehmen: Sabine Westermaiers Kinderbuch über Freiheit und Freiräume
Stand: 26.09.2026, 19:11 Uhr
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Sabine Westermaier hat ihre BR-Betthupferl-Geschichten zu einem Buch für Schulanfänger erweitert. 20 Geschichten gehören zu „Ich bin Ida“.
Wolfratshausen – „Das ist zumindest die Lebensrealität in der Großstadt“, sagt Sabine Westermaier. Die Großstadt: Das ist für sie Berlin, wo sie seit über 20 Jahren lebt. Jetzt sitzt sie aber in einem Wolfratshauser Biergarten mit Blick auf die Loisach, vor sich eine Johannisbeer-Schorle. Westermaier (55), geboren in München, ist hier aufgewachsen und besucht regelmäßig ihren Vater. „Ein bisschen bei der Gartenarbeit helfen.“ Gartenarbeit macht ihr Spaß, sagt sie, Rasen mähen, Büsche zurecht schneiden. „Finde ich sehr entspannend.“

Wenn Westermaier nicht gerade Unkraut jätet, arbeitet sie als Drehbuchautorin, Lektorin und Autorin. Sie verfasst regelmäßig Kindergeschichten für das „Betthupferl“ des Bayerischen Rundfunks. Diese Geschichten hat sie jetzt für ein Kinderbuch zusammengefasst. „Ich bin Ida – Mit Herzklopfen in die erste Klasse“ (Thienemann-Esslinger Verlag, Stuttgart) heißt die kurzweilige Anekdotensammlung, womit man schnell wieder bei der „Lebensrealität in der Großstadt“ ist. Es geht hier nebenbei auch um zeitgemäße Sozialisationen und Familienformen: Die sechsjährige Ida lebt mit zwei Vätern, manche Mitschüler haben türkische Namen. „Das ist heute doch normal“, sagt Westermaier und scheint etwas verwundert bei dem Einwand, hier wirke das Progressive vielleicht etwas zu dick aufgetragen.

Kinder zum Lesen animieren und Angst vor Neuem nehmen
Andererseits: Je länger man in diese 20 Geschichten eintaucht, desto egaler wirken irgendwelche Familienkonstellationen. Gewohnheit macht die Normalität, ein beiläufiges Selbstverständlichsein stellt sich bei der Lektüre ein. „Ich bin Ida“ soll Eltern zum Vorlesen anregen und Kinder zum Lesen animieren, sagt Sabine Westermaier. Ein Buch für den Schulanfang, das die Angst vor dem Neuen nehmen kann, weshalb es auch mit der Einschulung Idas beginnt.
Kinder sind sehr direkt und spüren, wenn jemand nicht authentisch ist.
Entstanden ist es eher zufällig: „Der Verlag hatte bei mir angefragt und ich habe hier die Möglichkeit gehabt, meine Betthupferl-Geschichten etwas zu erweitern“, erklärt Sabine Westermaier, selbst Mutter eines erwachsenen Sohnes. Sie konnte hier die Radio-Geschichten aufpeppen, etwa neue Dialoge einfügen. Wieviel Westermaier steckt in Ida? „Ich war zumindest ein vorlautes Kind.“ Und: „Ida lässt sich nichts vorschreiben“, beschreibt Westermaier ihre Figur. Ihrem Sohn habe sie selber viel vorgelesen. „Kinder sind ja sehr direkt und spüren, wenn jemand nicht authentisch ist“, sagt sie. Und ja: „Mit dem Eintritt in die Schule verändert sich auch für die Eltern viel, sie haben plötzlich weniger Autorität über ihre Kinder.“
20 Geschichten, die Angst nehmen: Sabine Westermaiers Kinderbuch über Freiheit und Freiräume
Sabine Westermaier saß als Kind stundenlang in der hiesigen Stadtbibliothek. „Ich habe quasi die ganze Jugendbuchabteilung durchgelesen.“ Pippi Langstrumpf, Räuber Hotzenplotz, das kleine Gespenst – es geht hier immer auch um Fantasie und Freiräume, um Freundschaften und kleine Alltagsabenteuer.
Das Schöne an „Ich bin Ida“ ist auch: Sabine Westermaier hat damit wohl eher unbeabsichtigt ein Buch über Toleranz vorgelegt, ohne dass dieses Wort nur einmal darin vorkommt. Sie selbst sagt, es ginge um Freiheit, Freiräume. Auf seine Art ist es deshalb auch ein wichtiges Buch, ein leiser Gegenentwurf zu rechtspopulistischen Vorstellungen. Und möglicherweise ist es gerade deshalb zur richtigen Zeit erschienen. Übrigens: Die ersten fünf Ida-Geschichten werden ab dem 21. September beim Bayerischen Rundfunk in der „Betthupferl“-Reihe wiederholt.