EFG Aircraft: 20 Jahre wurde an dieser Drohne in Feldkirchen getüftelt | Kleine Zeitung

Die Firma EFG Aircraft, unter dem Kirchbacher Matthias Viertler, entwickelte zwei Jahrzehnte lang eine 25 Kilo schwere Lastendrohne. Der Prototyp fliegt, nun sucht man einen Käufer.

„Die Mutter aller Dinge ist eine Konstruktionszeichnung und eine Berechnung“, sagt Matthias Viertler über eines seiner Lebenswerke. Mit zwei Partnern arbeitete er 20 Jahre an einem Unmanned Aerial Vehicle (UAV) der EFG Aircraft.

Eine Scheibe, ein Propeller in der Mitte und zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten: Das Fluggerät könnte etwa zur Verkehrsüberwachung, Transportflüge, als Schwerlastdrohne und zur Videonahbeobachtung im Schwebeflug eingesetzt werden. Könnte – da die Flugscheibe bisher nicht in die Massenproduktion ging. Alles begann mit der Feldkirchner EFG Turbinenbau. Viertler war 1984 deren erster Mitarbeiter und wirkte maßgeblich am Aufbau des auf Wasserturbinen spezialisierten Unternehmens mit, das heute 50 Mitarbeiter zählt. 2020 ging er als Prokurist und Technischer Leiter in Pension.

Die Drohne kann fliegen – das wurde bewiesen

© EFG Aircraft

Die Drohne kann fliegen – das wurde bewiesen

„Wir haben von Beginn an neben dem Tagesgeschäft an der Drohne gearbeitet“, erzählt Viertler. Mit dem Erfinder, dem verstorbenen Benno Buchelt, und seinem Kollegen Helmut Kirsch unternahm er erste Versuche zum „Ducted Fan“, einem ummantelten Propeller. Private Investoren ermöglichten die Gründung der EFG Aircraft und sicherten die Entwicklung finanziell ab. Das Ziel: eine senkrecht startende Drohne mit einem Rotor. Das Ingenieurstrio machte es sich zur Aufgabe, die Fachliteratur für den Schwebeflug neu zu definieren.

Matthias Viertler von EFG Aircraft

© Theny

Matthias Viertler von EFG Aircraft

„Für ein bestimmtes Abfluggewicht braucht man eine bestimmte Antriebsleistung. Wie viele Kilogramm kann ich mit einem Kilowatt heben?“ Die erhöhten Auftriebskräfte hängen von der Einlaufgeometrie ab – davon, wie die Luft von oben nach unten durch die Drohne strömt. Die Ergebnisse widersprechen der gängigen Luftfahrtliteratur. Bei Unternehmen sei daher viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit nötig – trotz bestätigter Versuche und eines fliegenden Prototyps, erklärt Viertler, der in Kirchbach im Gailtal lebt.

Die größte Hürde war es, neben der Arbeit im Turbinenbau einen funktionsfähigen Prototypen zu konstruieren. Die Konstruktion des Rotorkopfes für hohe Drehzahlen, die Fertigung hochpräziser Teile und der im Flugzeugbau unerlässliche Leichtbau nahmen Jahre in Anspruch. Ebenso langwierig war die Entwicklung eines komplexen Regelungs- und Steuerungssystems für Einrotor-Drohnen.

KI-generiertes Foto von der Drohne und ihren Einsatzmöglichkeiten

© EFG Aircraft

KI-generiertes Foto von der Drohne und ihren Einsatzmöglichkeiten

Weihnachten 2013 war die Drohne zwar flugbereit, aber kaum steuerbar. Drei Jahre voller Tests und Fehlschläge mussten vergehen, ehe ein mathematisches Modell ihre Reaktionen vorhersagen konnte. Am 18. November 2018 gelang der erste erfolgreiche Flug der Saturn BV70 am Flugplatz Feldkirchen. „Es war wie der siebte Himmel. Es war gigantisch – wenn so etwas abhebt und in der Luft steht“, erinnert sich Viertler.

Mit dem erfolgreichen Flug waren Zweifel an der Flugfähigkeit ausgeräumt. Weitere Testflüge folgten und lieferten Daten für Weiterentwicklungen. Der Elektroantrieb wurde durch einen Kolbenmotor ersetzt, um längere Flugzeiten als mit Batterieantrieb zu erreichen. Für Notlandungen kann ein Fallschirm angebracht und ausgelöst werden. Bis zu drei Kilometer hoch kann die Drohne steigen, 130 km/h soll sie erreichen und sechs bis acht Kilogramm transportieren. Sie fliegt, das wurde bewiesen, doch wie geht es weiter?

Die Drohne ist 25 Kilo schwer

© RBMH

Die Drohne ist 25 Kilo schwer

„Wenn man sagt, wir machen eine Serienproduktion, brauchen wir sehr viel Geld. Wir sind eine Entwicklungsfirma.“ Daher sucht man auf internationalen Messen Kooperationen, Investoren oder Käufer. „Wir haben bereits einen Partner in England, der uns hilft, das Business Development international voranzutreiben.“ Mit entsprechender Unterstützung könnte die Drohne kommerziell genutzt werden.

2024 präsentierte EFG Aircraft die Saturn BV70 im Rahmen der österreichischen Wirtschaftskammer auf der Luftfahrtmesse FIA in Farnborough (Großbritannien). Vor wenigen Wochen wurden erneut Kontakte geknüpft. „Technisch haben wir großes Interesse und Aufsehen erweckt“, freut sich Viertler. Die Vermarktung bleibt auf dem spezialisierten internationalen Luftfahrtmarkt schwierig. Ob Paketzustellung, fliegender Kran oder sogar Airtaxi: Die Möglichkeiten sind vielseitig. Wohin der Flug der Saturn gehen wird, bleibt abzuwarten.

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