2030 oder 2033?: Welche Auswirkungen ein späterer Kohleausstieg auf den Tagebau Garzweiler hätte

2030 oder 2033? Welche Auswirkungen ein späterer Kohleausstieg auf den Tagebau Garzweiler hätte

23.08.2026 · 18:56 Uhr

Noch ist nicht geklärt, wie lange die Braunkohle aus Garzweiler noch verfeuert wird.

Noch ist nicht geklärt, wie lange die Braunkohle aus Garzweiler noch verfeuert wird.

Erkelenz · Die Debatte um das endgültige Datum für den Kohleausstieg sorgt auch im Rheinischen Revier wieder für Fragen. Was RWE zu den Auswirkungen auf den Tagebau Garzweiler sagt und wie der aktuelle Zeitplan aussieht.

Nachdem das Bundeswirtschaftsministerium einen Revisionsbericht nicht rechtzeitig liefern konnte, wird in Deutschland so offen wie lange nicht mehr über das Datum des Ausstiegs aus der Braunkohle diskutiert. Ende 2022 hatte der Bundestag beschlossen, dass das Ende der Kohleverstromung in Nordrhein-Westfalen bereits 2030 erfolgen soll – mit einer Option, die betroffenen Kraftwerksblöcke bei Bedarf noch drei weitere Jahre als Reserve am Netz zu lassen.

Für den Tagebau Garzweiler und insbesondere Erkelenz hatte diese Entscheidung damals gravierende, positive Folgen: Die fünf Dörfer Keyenberg, Kuckum, Berverath, Ober- und Unterwestrich sind gerettet, ihre Wiederbelebung hat begonnen. Und auch darüber hinaus sind durch die Verkleinerung der Abbaufläche viele Quadratkilometer Erkelenzer Land gesichert worden.

Nach den jüngsten Diskussionen um den Kohleausstieg wächst darum auch in der Region wieder die Unsicherheit: Was würde ein auf 2033 verschobener Kohleausstieg für den Tagebauverlauf und die Dörfer bedeuten?

RWE sieht Tagebauplanung nicht gefährdet

Auf Nachfrage macht Tagebaubetreiber RWE klar, dass sich am geplanten Abbaugebiet auch dann nichts verändern wird, wenn drei weitere Jahre gebaggert werden sollte. „Sollte eine solche Reserve notwendig werden, ist dafür keine Änderung der Tagebauplanung mehr notwendig und auch die ab 2030 laufende Rekultivierung wird unverändert fortgeführt“, teilt das Unternehmen mit. Diese Planung bestehe bereits seit den politischen Beschlüssen von 2022 und habe sich seitdem auch nicht verändert. RWE plant im Fall eines verspäteten Kohleausstiegs, zwei Braunkohleblöcke in Neurath und einen in Niederaußem länger zu betreiben. Sie würden dann auch mit zusätzlicher Kohle aus Garzweiler befeuert werden – diese kann offenbar aber aus der bis dahin bereits vorhandenen Grube ausgehoben werden.

Dass allerdings auch das nicht folgenlos für die Zukunft der Region ist, befürchtet unter anderem das Erkelenzer Bündnis „Alle Dörfer bleiben“, das seit vielen Jahren für mehr Klimaschutz und gegen den Tagebau kämpft. Vor wenigen Tagen hatte „Alle Dörfer bleiben“ gemeinsam mit „Fridays for Future“ am Düsseldorfer Rheinufer für ein Festhalten am Kohleausstieg 2030 demonstriert. Eine Verlängerung des Kohleabbaus habe laut dem Bündnis „massive Folgen“ für die Region: „Um die Kraftwerke länger laufen zu lassen, müsste der Tagebau tiefer gegraben werden. Für die anschließende Befüllung der Tagebaue würde RWE Power wiederum mehr Wasser benötigen. Woher dieses Wasser kommen soll, ist bis heute nicht glaubhaft geklärt.“

Diese Einschätzung teilt RWE wiederum nicht. Die Vorbereitungen für den Bau der Rheinwassertransportleitung, mit der die Tagebaue Garzweiler und Hambach jahrzehntelang geflutet werden sollen, sind weit fortgeschritten. Ob der Kohleausstieg nun 2030 oder 2033 erfolgt, soll am Plan, ab 2035 Rheinwasser einzuleiten, nichts verändern. RWE selbst hat derweil erklärt, weiter am geplanten Kohleausstieg 2030 festzuhalten. Dahinter dürfte freilich taktisches Kalkül stecken: Einen Weiterbetrieb der Kraftwerke will sich das Unternehmen gut bezahlen lassen.

Keine Auswirkungen auf Renatuierung

Gelassen bleibt derweil der Zweckverband Landfolge Garzweiler, der für die vom Tagebau betroffenen Kommunen die zukünftige Renaturierung der Seelandschaft plant. Ein verspäteter Kohleausstieg werde auf die Renaturierung und auch auf die im Jahr 2037 bevorstehende Internationale Gartenausstellung keine Auswirkungen haben, teilt der Zweckverband mit.

So oder so wird zum Zeitpunkt der Ausstellung, bei der bis zu zwei Millionen Besucher in der Region erwartet werden, die Wassereinleitung in das Garzweiler-Restloch gerade erst begonnen haben. Wie lange die Befüllung dann wirklich dauern wird, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt ohnehin noch nicht seriös beziffern. Bisherige Prognosen rechnen mit den Jahren 2065 oder 2070. Nutzbar wird der See aber voraussichtlich auch schon deutlich früher sein.

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