Warum Novartis an der Börse unter die Räder gekommen ist
24 Milliarden Aktienwert futsch
Novartis-Boss Vas Narasimhan erlebt schlimmste Börsenwoche
Diese Woche gab es einen grossen Rückschlag für die erfolgsverwöhnten Novartis-Aktionäre. Professionelle Anleger verkauften viele Aktien des Basler Pharmakonzerns. Blick fragte bei Fachleuten nach, was Kleinanleger nun tun sollten und wie Novartis generell dasteht.
Publiziert: 00:46 Uhr
Darum gehts
KI-generiert, redaktionell geprüft
- Novartis-Aktie bricht um über 10 Prozent ein, SMI fällt stark
- 24 Milliarden Franken Börsenwert allein am 8. September vernichtet
- Medikamentenpipeline mit Umsatzpotenzial von 30 bis 40 Milliarden Franken belastet
Ulrich RotzingerWirtschaftschef
Es ist eine Woche zum Vergessen für Vas Narasimhan (50). Sie dürfte sogar zu den schlechtesten gehören, die der Amerikaner als Chef von Novartis seit Amtsantritt im Februar 2018 erlebt hat. Ist für ihn der Zeitpunkt zum Abtauchen gekommen? Offenbar nicht. «Keine Änderung meiner Pläne»: Ende Juli bei der Verkündung der Halbjahreszahlen sah der US-Amerikaner sich gezwungen, Rückzugsspekulationen vom Tisch zu wischen. Er wolle den Basler Pharmakonzern durch die nächste Wachstumsphase führen, versicherte er.
Wenn nicht Narasimhan selbst, dann taucht die Aktie: Ein Kurseinbruch von über 10 Prozent schreckte am Dienstag die Märkte auf. Weil Novartis im SMI ein Schwergewicht ist, riss der Pharma-Riese den wichtigsten Schweizer Leitindex mit in die Tiefe. Tags darauf verliert die Aktie weiter, der SMI fällt erstmals seit Mitte Juni unter 14'000 Punkte. Laut der Finanzplattform cash.ch sind über 24 Milliarden Franken an Novartis-Börsenwert vernichtet worden – allein am Dienstag! Das ist mehr als bei den Kursstürzen nach dem Aus des Euro-Mindestkurses oder während des Corona-Crashs.
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Misserfolge bei potenziellen Milliarden-Medikamenten
Zwei grössere Rückschläge in Folge in der Pipeline zukünftiger Milliarden-Medikamente lassen gegenwärtig das Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens wanken.
Zum einen meldete Novartis einen Misserfolg bei einer Cholesterin-Studie. «Der Fehlschlag ist ein Schock für die Pharmabranche», schreibt Raiffeisen in einem Börsenkommentar. Dem Präparat sei ein Spitzenumsatz zwischen 1,3 und 2,0 Milliarden Dollar zugetraut worden. Die Bank Vontobel spricht gar von bis 3 Milliarden Dollar Umsatzpotenzial. Zum anderen gabs einen Rückschlag bei einem Produktkandidaten zur Behandlung einer seltenen Muskelerkrankung. Ebenfalls ein mögliches Milliarden-Medikament.
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«Das Ungewöhnliche war, dass die beiden Studienresultate innerhalb von fünf Tagen bekanntgegeben wurden»
ZKB-Analyst Urban Fritsche
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Ein Grund zur Sorge? Novartis-Chef Narasimhan muss ums Investorenvertrauen kämpfen. Die Prognose der jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 5 Prozent bis 6 Prozent bis zum Jahr 2030 hat er diese Woche darum bekräftigt.
Müssen sich Kleinanleger Sorgen machen?
ZKB-Analyst Urban Fritsche sieht «keinen Grund für grundsätzliche Sorgen» ob den Medi-Misserfolgen. «Das Ungewöhnliche war, dass die beiden Studienresultate innerhalb von fünf Tagen bekanntgegeben wurden.» Laut dem Experten sei das aber reiner Zufall gewesen.
Dennoch: Die Anleger wurden auf dem falschen Fuss erwischt. Der Basler Pharmakonzern gehört zu den am stärksten in Fonds und ETFs vertretenen Aktien Europas. Weil Novartis in der globalen Gesundheitsbranche einen Spitzenplatz einnimmt, ist das Unternehmen ein Basisinvestment in Hunderten diversifizierten Portfolios.
«Wie bei allen Einzelaktien-Investitionen ist es weise, nicht alles auf eine Karte zu setzen und eine Vielzahl von Titeln zu investieren», erklärt ZKB-Analyst Fritsche. Viele professionell verwaltete Fonds und Portfolios haben laut ihm strikte Richtlinien, wie gross eine Aktienposition maximal sein darf, um Klumpenrisiken zu verhindern. «Und um Anlegerinnen und Anleger zu schützen», so Fritsche. Ein gewisses Risiko spiele bei Aktienanlagen aber immer mit.
Experten: Novartis-Aktien nicht blind verkaufen
Laut der ZKB ist die Novartis-Aktie auch nach der Kurskorrektur fair bewertet. Andere Pharmaanalysten sagen ebenfalls, dass es derzeit nicht ratsam sei, Novartis-Titel blind zu verkaufen. Die meisten empfehlen Anlegern, die Papiere zu behalten. Sie halten die Medikamenten-Pipeline des Konzerns trotz Misserfolgen für breit abgestützt. Deren genauen Wert zu beziffern, ist schwer.
Die Schätzungen bewegen sich zwischen 30 und mehr als 40 Milliarden Franken Umsatzpotenzial, falls alle Produktkandidaten erfolgreich an den Markt gebracht werden können. Novartis hat im letzten Jahr über 44 Milliarden Franken Umsatz erzielt, und unter dem Strich 14 Milliarden Gewinn eingefahren.
Kein Wunder kletterte die Novartis-Aktie in diesem Jahr, Anfang September gar auf eine Rekordhöhe von 132,68 Franken. Am Ende dieser Woche waren es noch rund 113 Franken. CEO Vas Narasimhan dürfte die letzten Tage schon abgehakt haben. Der Erfolgsdruck bleibt.
Keine Empfehlung für Anleger
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
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