25 Jahre Haft für Kosovos Ex-Präsident Thaçi
Der frühere Präsident des Kosovo, Hashim Thaçi, ist wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Das Kosovo-Sondertribunal im niederländischen Den Haag befand Thaçi unter anderem des Mordes, der Folter, der rechtswidrigen Festnahme und der grausamen Behandlung für schuldig.
Zur Begründung hieß es, Thaçi habe sich aktiv an den Verbrechen beteiligt und diese unterstützt. In 96 Fällen sei er für die Ermordung politischer Gegner sowie mutmaßlicher Kollaborateure der serbischen Sicherheitskräfte verantwortlich gewesen, in 303 Fällen für Folter, in 385 für willkürliche Inhaftierung und in 50 für die grausame Behandlung von Menschen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Anklage wollte 45 Jahre Gefängnis
Die Anklage hatte für Thaçi und drei mitangeklagte Kommandeure der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK 45 Jahre Haft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kosovo-Krieges verlangt. Die Verteidigung forderte Freisprüche. Alle Angeklagten hatten auf nicht schuldig plädiert.

Noch vor der Urteilsverkündung hatte der zuständige Richter erklärt, die Zeugen in dem Verfahren, das seit 2023 lief, hätten bei ihren Aussagen "großen Mut und Entschlossenheit" bewiesen. Viele von ihnen litten bis heute unter Schmerzen, schlaflosen Nächten und Depressionen.
Buhrufe in Priština
Im Kosovo, wo viele UÇK-Kämpfer noch immer als Helden verehrt werden, verfolgten Tausende Menschen die live übertragene Urteilsverkündung auf größeren Plätzen. In der Hauptstadt Priština gab es Buhrufe gegen die Richter und Solidaritätsbekundungen für den 58-jährigen Thaçi.

Etliche der Versammelten trugen UÇK-Flaggen und Schilder mit der Aufschrift "Freiheit für die Befreier". Auch vor dem Gerichtsgebäude in Den Hag kamen Unterstützer der Angeklagten zusammen. Das Sondergericht stößt in dem Westbalkanstaat auf breite Ablehnung.
Die albanisch-kosovarische UÇK hatte 1998 und 1999 gegen die jugoslawische beziehungsweise serbische Zentralmacht gekämpft. Der Kosovo-Krieg wurde 1999 durch eine Intervention der NATO beendet. 2008 erklärte das Kosovo seine Unabhängigkeit.
Thaçi hatte zunächst der Führungsriege der UÇK angehört. Er war später erster kosovarischer Ministerpräsident und von 2016 bis 2020 Staatsoberhaupt. Schließlich trat er von seinem Amt zurück, um sich dem Gericht in Den Haag zu stellen. Die Folgen des Kosovo-Konflikts sorgen weiterhin für Spannungen zwischen Kosovo-Albanern und Serben.
jj/pgr (dpa, afp, rtr, kna)