27 Jahre altes Rätsel: ZDF-Sendung widmet sich Doppelmord in Ober-Roden
Stand: 18.07.2026, 06:15 Uhr
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Ein Ehepaar wurde 1999 in Ober-Roden ermordet. Die Polizei hat zwar DNA vom mutmaßlichen Täter – doch rechtliche Vorgaben bremsen die Ermittler.
Ober-Roden – „Ein mysteriöses Gewaltverbrechen im Breidert mit zwei Toten stellt die Polizei vor ein Rätsel“, hat Redakteur Michael Löw am 26. März 1999 über den Doppelmord am Ehepaar Lange in der Offenbach-Post geschrieben. „Ein rätselhafter Fall“, sagt Stefan Racic, Erster Kriminalhauptkommissar beim Polizeipräsidium in Offenbach, als er sich dieser Tage mit einem Filmteam für die ZDF-Sendung „Hallo Deutschland“ im Breidert trifft.

Das Rätsel, das seit 27 Jahren ungelöst bleibt, soll in den kommenden Wochen erneut einem Millionenpublikum präsentiert werden – mehrmals ist dies auch schon in der Sendung „Aktenzeichen XY“ geschehen. Wer sich mit einem Filmteam in dem ruhigen Wohngebiet in Ober-Roden bewegt, stellt sich schnell die Frage, die auch Racic bis heute nur schwer begreifen kann: Wie konnte der Täter dort nicht auffallen, als er sich dem Lange‘schen Haus erst genähert und es nach den Morden wieder verlassen hat? Der Kommissar, der 1999 bereits Teil der rasch eingerichteten Soko geworden war, berichtet unter Rückgriff auf die verdeckten Ermittlungen im Umfeld nach der Tat: „Man fällt als Fremder innerhalb von einer Minute auf, wenn man hierherkommt.“ Im Fachjargon ausgedrückt: Eine Tatmöglichkeit ist nur schwer zu finden. Und doch ist es dem Täter damals gelungen.
Doppelmord am Ehepaar Lange
Am 25. März 1999, einem Donnerstag, wurden Zohre und Claus Lange brutal in ihrem Haus in der Potsdamer Straße ermordet. Am nächsten Morgen entdeckte ihre Reinigungskraft die Leichen. Beide wiesen etliche massive Verletzungen durch stumpfe und scharfe Gewalt im Kopf- und Oberkörperbereich auf, die jede für sich genommen schon tödlich gewesen wäre. Der oder die Täter hatten unter anderem auch mehrere Gegenstände, die nach wie vor verschwunden sind, mitgenommen: Brillen der Opfer, eine Chopard-Damenarmbanduhr, eine dreifach gelegte Damengoldkette, ein brauner Herren-Kamelhaarmantel. Aufrufe bezüglich der Gegenstände in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ und mit Flyern vor gut fünf Jahren führten die Ermittler nicht zum Erfolg. Die Kriminalpolizei bittet darum, dass sich jede Person bei ihr meldet, die irgendwelche Feststellungen oder Beobachtungen gemacht hat – auch in jüngster Zeit. Dabei könne jeder noch so kleine oder unwichtig erscheinende Hinweis wichtig sein. Hinweise nimmt die Kripo unter der Rufnummer 069/8098-1234 entgegen.
Der Ausstrahlungstermin des Falls bei „Hallo Deutschland“ im ZDF steht noch nicht fest. Auf ihn wird an dieser Stelle nochmals gesondert hingewiesen.
Was macht Hoffnung, den Cold Case aus Rödermark nach all den Jahren noch zu lösen? 2011 war es einer Analystin gelungen, aus den am Körper der Ermordeten gesammelten Spuren die DNA von einem nach wie vor unbekannten Mann zu isolieren. Sie gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Täter. Das zeigt zweierlei: Einerseits, wie technologischer Fortschritt die Ermittler der Lösung eines Falls näherbringen kann – die Auswertung von DNA-Spuren war 1999 noch in den Kinderschuhen. Und andererseits, dass es einen sehr konkreten Anhaltspunkt im Mordfall Lange gibt. Deshalb bedauert Stefan Racic auch, dass der Datenschutz in Deutschland den Ermittlern viele Möglichkeiten nimmt.

Heutzutage technisch mögliche Untersuchungen – etwa eine Phänotypisierung, die Aufschluss über die Herkunft des Mannes geben könnte, dessen DNA-Spur noch nicht zugeordnet werden konnte – sind hierzulande rechtlich nicht erlaubt. „Unsere Nachbarländer dürfen da mehr, was aus kriminalistischer Sicht sehr wertvoll sein kann“, erläutert der Kriminalhauptkommissar. Auch die 2.500 damaligen Proben der DNA-Massenuntersuchung dürften heute nur noch mit Einschränkungen erneut abgeglichen werden. Ein Abgleich vor einigen Jahren hatte aber zu einem negativen Ergebnis geführt.
Wir drehen mittlerweile keine Steine mehr, sondern Sandkörner um.
Dreimal hat sich eine operative Fallanalyse des Doppelmordes schon angenommen. Zuletzt vor drei Jahren. Dabei widmen sich speziell geschulte Kriminalbeamte und Psychologen den gesammelten Erkenntnissen. Die operative Fallanalyse ist eine eigene Dienststelle, die ausschließlich dieser Tätigkeit nachgeht. So werden die Ermittlungsergebnisse regelmäßig aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. „Wir drehen mittlerweile keine Steine, sondern Sandkörner um“, fasst Stefan Racic den Aufwand der Polizei zusammen. Hier und da gebe es auch schon ein „Bild“. „So ein Fall ist wie ein sehr großes, kleinteiliges Puzzle. Manchmal fehlt ein winziges Teil, um ein Bild zu erhalten.“ Deshalb sei jeder noch so kleine Hinweis wichtig.

„Man ist es den Opfern und ihren Angehörigen schuldig“, sagt der Kommissar zu seiner Motivation, warum er sich auch fast 30 Jahre später noch für den Fall vor die Kamera stellt. Das erledigt er schon fast routiniert: Keine blendende Sonne, keine Fliege im Gesicht und auch kein Geschrei vom Kampf zweier Katzen in der Nachbarschaft bringen ihn aus dem Konzept. Er hat den Fall so präsent, dass jeder neue Anlauf sitzt. Für ihn ist die offene Täterfrage „sehr frustrierend“. Ein bisschen so, wie wenn man beim Fernseh-Krimi vor der Auflösung einschläft, erklärt er die Gefühlslage. Für das Interview mit dem TV-Team fährt Racic weiter ins Offenbacher Präsidium. In der Hoffnung, dass der Beitrag am Ende doch noch zur Auflösung führt. (David Knies)