Frankreich in der Schuldenkrise: Politiker will Milliarden-Schulden einfach streichen lassen

3.500 Milliarden Euro Schulden: Politiker will Frankreichs Staatsschulden einfach streichen lassen

Stand: 18.09.2026, 14:09 Uhr

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Frankreichs Schuldenberg wächst unaufhaltsam – und bedroht die Stabilität der gesamten Eurozone. Nun sorgt ein Vorschlag von Jean-Luc Mélenchon für Kritik bei EZB und Notenbank.

Paris – Eines der wichtigsten EU-Länder gerät immer tiefer in die Schuldenspirale. Frankreich gibt seit Jahren mehr aus, als der Staat einnimmt. Seit 2019 hat sich die Verschuldung jedoch noch einmal deutlich beschleunigt. Das Haushaltsdefizit wird zunehmend durch neue Schulden finanziert. Die Konsequenz: Unter Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sind die französischen Staatsschulden auf mehr als 3.500 Milliarden Euro gestiegen.

Die Trikolore weht in Paris

3500 Milliarden Euro Schulden: Mélenchons umstrittener Plan für Frankreich. (Symbolbild) © Rachel Sommer/dpa

Zuletzt lag die jährliche Neuverschuldung bei mehr als fünf Prozent der Wirtschaftsleistung. Nach den Fiskalregeln der Eurozone sind eigentlich höchstens drei Prozent vorgesehen – der wachsende Schuldenberg wird zunehmend zum Problem. Mitte August lagen die Renditen französischer Staatsanleihen zwischen 4,04 und 4,14 Prozent. Deutsche Bundesanleihen kamen dagegen auf 3,20 bis 3,26 Prozent, griechische Staatsanleihen auf 3,82 bis 3,93 Prozent, berichtet ntv.

3500 Milliarden Euro Schulden: Wie sehr belasten Frankreichs Schulden die EU – und Deutschland?

Frankreich muss als zweitgrößte Volkswirtschaft Europas also höhere Zinsen zahlen als Griechenland, das lange als Sorgenkind der Eurozone galt. Erst im Juni dieses Jahres wurde Griechenland nach 16 Jahren von der Liste der EU-Länder mit makroökonomischen Ungleichgewichten gestrichen. Frankreich steht weiterhin auf dieser Liste. Die Probleme der französischen Staatsfinanzen könnten Auswirkungen auf die gesamte Währungsunion haben. Frankreich hat immerhin 3,5 Billionen Euro Schulden, mehr als jedes andere EU‑Land.

Gibt ein Staat dauerhaft mehr Geld aus, als er einnimmt, wächst auch sein Schuldenberg Jahr für Jahr. Die Schuldenquote zeigt, wie hoch die Staatsschulden im Verhältnis zur jährlichen Wirtschaftsleistung sind. In Frankreich lag sie im ersten Quartal dieses Jahres laut Eurostat bei 117,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Staatsschulden sind damit höher als die gesamte Wirtschaftsleistung eines Jahres.

Das Problem: Die Zinsen für die Schulden müssen aus dem laufenden Staatshaushalt bezahlt werden. Dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle – etwa für Schulen, Schienen oder die Verteidigung. Frankreich muss in diesem Jahr rund 59 Milliarden Euro allein für Zinsen aufbringen. Damit übersteigen die Zinsausgaben sogar den gesamten Verteidigungshaushalt. Das Ziel, die Neuverschuldung auf fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken, sei „keine Option mehr“, wird der französische Wirtschaftsminister Roland Lescureer von der SZ zitiert. Für den Haushalt 2027 plant die Regierung deshalb bereits Einsparungen von rund 30 Milliarden Euro.

Vorstoß vor der Wahl 2027: Könnte Frankreich seine Schulden einfach wegstreichen?

Rund sieben Monate vor dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl am 18. April 2027 werden die hohen Staatsschulden auch zu einem Thema im Wahlkampf – mit teils kreativen Vorschlägen. Der Gründer der Partei La France insoumise, Jean-Luc Mélenchon, fordert etwa, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Staatsschulden einfach streichen soll. Mélenchon landete bei den letzten französischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2022 auf dem dritten Platz.

So sollen 600 bis 700 Milliarden Euro der französischen Staatsschulden erlassen werden, die von der Banque de France im Auftrag der EZB gehalten werden. Der Staat schulde sich das Geld damit quasi selbst, so Mélenchons Argumentation. Deshalb würde es „niemand merken, dass es verschwindet“. Seine Idee stößt jedoch auf deutliche Kritik: Frankreichs Notenbankchef Emmanuel Moulin bezeichnete sie als „illegal, gefährlich und nutzlos“. Auch EZB-Chefin Christine Lagarde hat sich gegen einen solchen Schuldenerlass ausgesprochen und bezeichnete ihn laut Handelsblatt als „finanziell gefährlich“. Wenn ein Kreditnehmer die Rückzahlung verweigere und dann eine neue Finanzierung suche, werde sie ihm keinen Kredit geben, so Lagarde. Sie würde stattdessen „den Zinssatz deutlich erhöhen“ – letztlich müsste Frankreich sogar noch mehr für seine neuen Schulden bezahlen. (Quelle: ntv, SZ, Eurostat, Handelsblatt)