Linux wird 35: Gaming-Durchbruch mit einer offenen Baustelle

Das Jubiläum fällt in ein Jahr, in dem das freie Betriebssystem erstmals auf fertiger Wohnzimmer-Hardware im Handel steht. Zudem liefert Valve seit Ende Juni die neue Steam Machine (PCGH-Test) aus, und Proton hat im Sommer eine neue Hauptversion erhalten, welche weiter Jagd auf Microsoft und Windows macht.

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  • Für PC-Spieler ist Linux mit Proton und SteamOS inzwischen eine ernsthafte Windows-Alternative, solange die gewünschten Spiele keine inkompatiblen Anti-Cheat-Systeme voraussetzen.
  • Bei Titeln wie Fortnite, Valorant oder Battlefield 6 bleibt Linux außen vor, weil die entscheidende Freigabe derzeit bei Publishern und Anti-Cheat-Anbietern liegt.
  • Für Hardware-Käufer wird Linux-Gaming zugänglicher, da erstmals fertige SteamOS-PCs möglich sind und SteamOS 3.8 offiziell auf Gaming-PCs mit Radeon-Grafikkarten installiert werden kann.

1991: Der Usenet-Post, aus dem ein Betriebssystem wurde

Linux-Schöpfer Linus Torvalds hat am 25. August 1991 um 20:57 UTC eine Nachricht an die Usenet-Gruppe comp.os.minix geschickt und darin um Rückmeldungen zu einem freien Betriebssystem für 386- und 486-Rechner gebeten.

Der Informatikstudent hielt das ganze Vorhaben für ein Hobby-Projekt, das nie so groß und professionell werden würde wie GNU. Bash 1.08 und GCC 1.40 liefen zu diesem Zeitpunkt bereits. Portabel sollte das System ausdrücklich nicht werden:

Andere Laufwerke als AT-Festplatten werde es vermutlich nie unterstützen, schrieb Torvalds in seinem Beitrag.

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Für Spieler und Hardware-Enthusiasten beginnt die interessante Hälfte dieser Geschichte erst rund 25 Jahre später. Als Spieleplattform ist Linux heute weitgehend fertig: Proton deckt den Steam-Katalog breit ab, SteamOS läuft auch auf fremden Rechnern, und der Kernel bringt eigene Vorkehrungen für Windows-Spiele mit.

Was fehlt, ist kein Treiber und kein Kernel-Feature, sondern die Freigabe durch Publisher und Anbieter der Anti-Cheat-Systeme. Ansonsten ist Linux inzwischen in vielerlei Hinsicht ein besseres (Gaming-)Betriebssystem als Windows.

Von Linux 0.01 bis Kernel 7.2: 35 Jahre in Zahlen

Linux 0.01 erschien im September 1991 mit rund 10.000 Zeilen Code. Für Kernel 7.0 verarbeiteten die Entwickler im Frühjahr 2026 allein 14.251 Commits in einem einzigen Zyklus.

Dazwischen liegen die Wegmarken, die das Projekt aus der Universität herausgeführt haben: die Umstellung auf die GNU General Public License Anfang 1992, Version 1.0 im Jahr 1994, der Pinguin Tux als Maskottchen ab 1996 und Ubuntu 2004, das Linux erstmals für Anwender ohne Compiler-Kenntnisse aufbereitete.

2008 erschien Android auf Basis des Kernels und machte dessen Codebasis zur meistgenutzten der Welt, ohne dass die Nutzer den Namen je zu Gesicht bekamen.

Die Hauptversion 7.0 hat Torvalds im April 2026 vergeben, weil ihm nach 19 Ausgaben der 6er-Reihe erneut die Finger und Zehen zum Abzählen ausgingen. Ein technischer Bruch steckt nicht dahinter.

Kernel 7.2 vom 16. August 2026 bringt mit Cache Aware Scheduling und der Unterstützung für Large Folios unter Btrfs zwei Änderungen, die auf Latenzen und Ladezeiten zielen.

Rust im Kernel, KI im Patch-Eingang

Der Kernel erlaubt seit April 2026 offiziell KI-gestützte Code-Beiträge, sofern Entwickler die neuen Transparenzregeln aus der Dokumentation einhalten. Torvalds bezeichnete die dadurch stark gestiegene Zahl kleiner Fehlerfunde als mögliches "new normal".

Die Rust-Unterstützung gilt seit der 7er-Reihe als stabilisiert. Für den Fall, dass Torvalds ausfällt, gibt es inzwischen zudem ein dokumentiertes Nachfolgeverfahren namens Konklave.

Gaming unter Linux: Von Doom 1994 bis Proton 11

Linux-Gaming begann als Freizeitprojekt: Der id-Programmierer Dave D. Taylor portierte Doom 1994 nebenbei auf das freie System. Verteilt wurde die Shareware-Fassung anschließend auf Linux-CDs und in Beilagen von Fachbüchern.

Vier Jahre später gründete Scott Draeker mit Loki Software den ersten Publisher, der Windows-Spiele gezielt umsetzte: Civilization: Call to Power, Quake III Arena, Sid Meier's Alpha Centauri und SimCity 3000.

Loki meldete im Januar 2002 Insolvenz an und hinterließ die Bibliothek SDL sowie die Audio-Schnittstelle OpenAL, die bis heute im Einsatz sind. Danach folgte ein Jahrzehnt, in dem Spieler auf Wine und dessen kommerzielle Ableger angewiesen waren.

Valve stieg 2012 mit einem Steam-Client für Ubuntu ein, kündigte 2013 SteamOS an und scheiterte mit der ersten Steam-Machine-Generation von 2015, die 2018 eingestellt wurde. Die technische Wende brachte Vulkan: Die Khronos Group veröffentlichte die Grafikschnittstelle im Februar 2016, zwei Jahre später übersetzte DXVK Direct3D 11 erstmals brauchbar auf Vulkan.

2018: Proton macht die Windows-Fassung zum Standard

Valve hat Proton im August 2018 veröffentlicht, zunächst mit 27 freigegebenen Titeln. Die gemeinsam mit CodeWeavers entwickelte Kompatibilitätsschicht baut auf Wine auf und setzt Direct3D 11 und 12 auf Vulkan um. 2021 kamen die Laufzeitumgebungen für Easy Anti-Cheat und BattlEye hinzu.

Den wichtigsten Unterbau lieferte anschließend nicht Valve, sondern Kernel 6.14 im März 2025 mit dem NTSync-Treiber, der die Synchronisierungsprimitive von Windows NT nachbildet. Proton 11.0-1 erschien am 8. Juli 2026 auf Wine-11-Basis, die Pflegeversion 11.0-2 folgte am 21. August.

SteamOS verlässt das Steam Deck

Das Steam Deck erschien am 25. Februar 2022 und hat den Linux-Anteil auf Steam dauerhaft angehoben. Zuvor lag er jahrelang bei rund einem Prozent. Am 22. Juni 2026 gab Valve die Installation von SteamOS 3.8 auf gewöhnlichen Gaming-PCs mit Radeon-Grafikkarten frei.

Eine Woche später begann die Auslieferung der neuen Steam Machine ab 1.039 Euro. Fertige SteamOS-Rechner kommen mittlerweile auch von Drittanbietern, etwa die Steamroller von MetaPCs für 1.299 US-Dollar.

Linux auf Steam: Vier Prozent und ein Problem, das kein Kernel löst

Die Steam-Umfrage vom Juli 2026 weist für Linux 4,01 Prozent aus, den Rekord hält der März 2026 mit 5,33 Prozent. Windows kommt auf 93,67 Prozent. Größter Einzelposten innerhalb des Linux-Blocks ist SteamOS Holo, das System des Steam Deck.

Wer deutlich höhere Werte liest, sollte die Quelle prüfen: Statcounter wies zuletzt über sieben Prozent Desktop-Anteil aus, zählt aber Seitenaufrufe statt Geräte. Ein erheblicher Teil des Zuwachses geht zudem auf KI-Bots zurück.

Bleibt die Lücke, an der sich seit Jahren wenig ändert. Easy Anti-Cheat läuft seit 2021 offiziell unter Linux, die Freigabe für das einzelne Spiel treffen jedoch die Studios, und die meisten verzichten darauf. Fortnite, Valorant und Battlefield 6 bleiben gesperrt. Beim Shooter von DICE liegt es am System Javelin, das auf Kernel-Ebene arbeitet und Secure Boot voraussetzt.

Epic-Chef Tim Sweeney knüpfte offiziellen Support 2023 an "zig Millionen" SteamOS-Nutzer. Gesucht wird inzwischen immerhin Personal für das Thema. Der limitierende Faktor ist 2026 keine Technik mehr, sondern eine Freigabeentscheidung der Publisher.

Offiziell gefeiert wird im Oktober: Die Linux Foundation stellt den Open Source Summit Europe in Prag unter das Thema 35 Jahre Linux, Torvalds wird dort erwartet. Ein Hobby ist sein Betriebssystem geblieben, nur eben für einige Millionen Leute gleichzeitig.


Warum heißt Linux nicht Freax?

Torvalds favorisierte zunächst den Namen Freax, eine Mischung aus "free", "freak" und "Unix". Ari Lemmke, der an der Technischen Universität Helsinki den FTP-Server für die Veröffentlichung betreute, legte dort stattdessen ein Verzeichnis namens linux an. Unter diesem Namen erschien im September 1991 die Version 0.01.

Was ist der Unterschied zwischen dem Linux-Kernel und einer Distribution?

Der Kernel ist ausschließlich der Systemkern, der Hardware, Speicher und Prozesse verwaltet. Eine Distribution wie Ubuntu, Arch oder SteamOS bündelt ihn mit Systemwerkzeugen, Paketverwaltung, Treiberpaketen und Desktop-Oberfläche zu einem installierbaren Betriebssystem.

Muss es für Gaming zwingend SteamOS sein?

Nein, Proton läuft auf jeder Distribution mit aktuellem Steam-Client. SteamOS liefert zusätzlich die konsolenähnliche Bedienoberfläche und den passenden Kernel im Auslieferungszustand. Einzelne Multiplayer-Titel schalten ihre Anti-Cheat-Freigabe zudem nur für SteamOS frei, nicht für Fedora oder Ubuntu.

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