361 Projekte, fünf Millionen Euro: Hessens Kulturkoffer feiert zehn Jahre

Stand: 11.09.2026, 20:24 Uhr

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Der Kulturkoffer wird 10. Netzwerk Seilerei Frankfurt, Offenbacher Landstraße 190, 60599 Frankfurt10.09.2026copyright boeckheler 2026

Den Kulturkoffer gibt es nun seit zehn Jahren. © Christoph Boeckheler

Das Förderprogramm Kulturkoffer bringt kulturelle Bildung zu Kindern von drei bis 27 Jahren – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Ein umgebauter Bus besucht dafür sogar Kindergruppen im ländlichen Raum.

Das Motto lautet: „Wir feiern forschend, ästhetisch und kreativ.“ Es steht für die Zehn-Jahres-Feier des Kulturkoffers, eines einzigartigen Förderprogramms in Hessen. Um die 40 Feiernden haben sich zu diesem Anlass im Netzwerk Seilerei versammelt. Es gibt gefüllte Champignons, Schnittlauchbrot und Sekt. Der Höhepunkt: eine Hüpfburg des Theaters „Grüne Sosse“ als Teil einer didaktischen Inszenierung.

Antrag

Die Kriterien für einen Projektantrag sind online einsehbar. Antragsberechtigt sind unter anderem gemeinnützige Einrichtungen mit Sitz in Hessen.

Der Antrag soll bei der Landesvereinigung Kulturelle Bildung sowie per E-Mail an
[email protected] eingereicht werden.

Barrierefreie Bildung als Ziel

Zehn Jahre voller Vielfalt, in denen das Projekt mit dem Ziel, kulturelle Bildung barrierefrei an Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 27 Jahren unabhängig von deren sozioökonomischen Verhältnissen zu vermitteln, an seinen Aufgaben gewachsen ist, betont Lothar Behounek.

Er ist Vorsitzender der Landesvereinigung Kulturelle Bildung e.V. (LKB), des Dachverbandes für kulturelle Bildung in Hessen. Während seines Bestehens habe sich der Kulturkoffer an gesellschaftliche Entwicklungen wie die Corona-Krise angepasst. „Unser Programm ist breit gefächert“, betont Steffen Wachter, Vorsitzender des hessischen Volkshochschulverbandes. Er trägt einen Anstecker der „Opas gegen rechts“.

361 Projekte von 525 Kooperationspartner:innen wurden bisher mit rund fünf Millionen Euro vom hessischen Ministerium gefördert. Ein Hauptaugenmerk liegt auf migrantischen und inklusiven Communities sowie dem ländlichen Raum in Hessen. Wie die Projekte sind auch ihre Träger:innen divers: Neben etablierten Kultureinrichtungen und -vereinen zählen immer mehr soziale Organisationen von Menschen, die Diskriminierung oder strukturellen Ausschluss erfahren, zu den Antragsteller:innen.

„Durch meine frühkindliche kulturelle Bildung habe ich gemerkt, dass meine Stimme wirkmächtig ist“, erklärt Nana Melling, Pressesprecherin des Kulturkoffers. Diese Erfahrung möchte sie weiterreichen und Kindern und Jugendlichen ein Gefühl von Selbstwirksamkeit vermitteln. Ein besonderes Projekt fand für sie in einem Friseursalon statt. Dort konnten Kinder Modellen die Haare schneiden. Solche kleinen Momente sind es für Melling, die deutlich werden lassen, wie wichtig dritte Orte, also jene außerhalb der Sozialisationsinstanzen Familie und Schule, für das Lernen von Kindern und Jugendlichen sind.

Ein Projektträger erzählt von einem Hip-Hop-Tanztheater: „Die Jugendlichen kannten sich vorher nicht. Jetzt sind sie eine Gang.“ Ein anderes Beispiel ist das Konzept „Bulliwood“, bei dem ein umgebauter Bus Kindergruppen im ländlichen Raum besucht und mit ihnen partizipative Filme produziert. „Wir verzeichnen eine Erfolgsgeschichte“, ist sich Behounek sicher. Auch ein Wasserrohrbruch konnte den Bildungsenthusiasten nicht davon abhalten, die Eröffnungsrede für die Jubiläumsfeier zu schwingen. Ursprünglich aus der Musik- und Theaterpädagogik kommend, hält er es speziell für unsere heutige Gesellschaft, die sich gegen Autokratisierungstendenzen wehren muss, für wichtig, Bildung zu vermitteln, die kritisches Hinterfragen und sozialen Zusammenhalt lehrt.