37 Tore gegen den Deutschen Meister: MT Melsungen schlägt den SC Magdeburg
Stand: 20.09.2026, 20:02 Uhr
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Das ist ein dickes Ausrufezeichen: Handball-Bundesligist MT Melsungen hat den SC Magdeburg zuhause geschlagen. Und das nicht nur irgendwie – die Nordhessen schickten den Deutschen Meister mit einem 37:34 (19:14) auf die Heimreise.
Kassel – Es war ein durch die Bank weg starker und enorm energiegeladener Auftritt der MT, die am Dienstag im DHB-Pokal an selber Stelle mit breiter Brust gegen die Rhein-Neckar Löwen antreten kann (19 Uhr).
Hatten die Melsunger im ersten Topspiel der Saison am ersten Spieltag in Berlin die erste Hälfte komplett verschlafen, waren sie gegen Magdeburg von der ersten Sekunde an hellwach. Angepeitscht von einer mit 4118 Zuschauern besetzten Rothenbach-Halle machte Erik Balenciaga den Anfang, brachte die Nordhessen 2:0 nach vorn (2.). Bis zur fünften Minute erhöhten Reynir Thor Stefansson, Johannes Golla und Dimitri Ignatow auf 5:1. Die Abwehr arbeitete überragend, auch in einer späteren Unterzahl. Trainer Roberto Garcia Parrondo stellte in dieser um, brachte Olle Forsell Schefvert als Mann im Zentrum und Stefansson sowie David Mandic für die Halbpositionen. Der Deutsche Meister kam mit seinem gefürchteten Eins-gegen-eins gegen die MT-Defensive nicht so zur Geltung, wie man es gewohnt ist.
Klar, Gisli Kristjansson zog Siebenmeter. Das kann wohl kein Team verhindern. Nach zwei erfolgreichen Versuchen scheiterte Matthias Musche aber zunächst an der Latte, dann an Kristof Palasics. In der 23. Minute nahm Magdeburgs Coach Bennet Wiegert bereits seine zweite Auszeit, sein Team lag da 8:13 zurück. Die Folge: zwei Ballverluste. Ignatow und Mandic erhöhten auf 15:8 ins leere Gehäuse.
Bei der MT klappte bis dahin fast alles. Dazu gehörte, dass sie kaum unnötige Ballverluste hatte. Und das Parrondo-Team paarte starke Abwehrarbeit mit Tempospiel. Eine Kombination, die für die Magdeburger enorm schmerzhaft war. Champions League hatten beide Mannschaften am Donnerstag gespielt. Während der SCM klar gewonnen hatte, hatten die Melsunger in Plock deutlich mehr Kraft gelassen und trotzdem verloren. Davon war in den ersten 30 Minuten nichts zu spüren.
Wiegert zog in diesen alle Mittel, die ihm bleiben. Zwei Auszeiten, Torwartwechsel, taktische Veränderungen. Dennoch: Eine Minute vor der Pause lag die MT 18:13 vorn und hatte den Ball in der Hand. Golla holte einen Siebenmeter heraus, Florian Drosten verwandelte sicher. Auf der Gegenseite sah dann Dariel Garcia allerdings seine zweite Zeitstrafe, Felix Claar verkürzte mit seinem siebten Treffer bei 100-Prozent-Quote auf 19:14. 19 Tore in einer Halbzeit gegen Magdeburg – das schafft kaum eine Mannschaft. Und während bei den Gästen bis dahin fünf Spieler für alle Tore verantwortlich waren, waren es bei den Melsungern zehn Akteure. Diese Breite ist bei den Nordhessen mittlerweile eine regelmäßige Stärke.
Aber klar: Es waren noch 30 Minuten zu spielen. Der Gegner hieß immer noch Magdeburg. Es brauchte also noch eine zweite Hälfte dieser Qualität, um den Gästen wirklich die erste Niederlage der Saison zuzufügen – und Kreisläufer Ruben Marchan nebenbei ein Geburtstagsgeschenk zu machen. Der Spanier wurde am Sonntag 32 Jahre alt.
Durch einen kleinen Zwischenspurt kamen die Magdeburger erst mal auf 20:17 aus MT-Sicht heran (34.). Dann aber kam die 37. Minute. Dann kam Nebojsa Simic. Bei allem, was so gut geklappt hatte: Ein Spiel des Montenegriners war es bis dahin nicht gewesen, die Gäste hatten zur Pause sogar doppelt so viele Paraden (sechs zu drei). Doch in dieser 37. Minute hielt Simic spektakulär doppelt gegen Claar und Musche – und zündete die Rothenbach-Halle noch mal so richtig an. In der 38. Minute lagen die Melsunger 26:19 vorn. Langsam durfte man träumen.
Bei allem durfte man ja nicht vergessen, dass mit Dainis Kristopans und Nikolaj Enderleit beide Linkshänder im Rückraum fehlten. Mit Stefansson spielte ein Rechtshänder positionsfremd auf der rechten Seite. Dass er das ganz gut hinbekommt, hatte er bereits in Plock bewiesen.
Die letzten Zweifel an diesem Heimsieg, daran, die erste Mannschaft zu sein, die Magdeburg in dieser Saison schlägt, Balenciaga wischte sie in der 49. Minute weg, als er unwiderstehlich zum 33:25 erfolgreich war und zudem die Zeitstrafe gegen Magnus Saugstrup zog.
Es zeugt von Klasse, dass sich die Magdeburger dennoch nie aufgaben. Die MT blieb zwischen der 51. und 57. Minute ohne Tor, der SCM verkürzte von 34:25 auf 34:31, ehe Drosten per Siebenmeter erfolgreich war. So sah das Ergebnis auf Gästesicht freilich angenehmer aus. Für die MT bleibt es aber dennoch ein großer Erfolg. (Maximilian Bülau)