45.000 Solaranlagen installiert – jetzt ist einer der größten Anbieter insolvent

Stand: 03.10.2026, 07:45 Uhr

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Mehr als 45.000 Solaranlagen, bundesweit über 15 Standorte und ein finanzstarker Eigentümer: Trotzdem ist einem der großen Anbieter nun das Geld ausgegangen.

München – Mehr als 45.000 Solaranlagen auf deutschen Dächern – und trotzdem reicht das Geld nicht mehr: Die Energiekonzepte Deutschland GmbH (EKD) hat Insolvenz angemeldet. Das Leipziger Unternehmen gehörte zu den größeren Anbietern von Solaranlagen für Privathaushalte in Deutschland. Rund 400 Beschäftigte sind nach Unternehmensangaben von der finanziellen Schieflage betroffen.

Energiekonzepte Deutschland (EKD): Der Leipziger Solaranbieter hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 45.000 Solaranlagen installiert. (Symbolbild)

Energiekonzepte Deutschland (EKD): Der Leipziger Solaranbieter hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 45.000 Solaranlagen installiert. (Symbolbild) © Rainer Jensen/dpa

Den Insolvenzantrag stellte EKD am 2. Oktober beim Amtsgericht Leipzig. „Die Energiekonzepte Deutschland GmbH hat am 2. Oktober beim Amtsgericht Leipzig einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt“, bestätigte Unternehmenssprecherin Julia Neuer. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst uneingeschränkt weiterlaufen. Die Beschäftigten waren bereits zuvor über die finanzielle Lage informiert worden.

Investor Pemberton stoppt weitere Finanzierung von EKD

Unmittelbarer Auslöser für den Insolvenzantrag ist eine Entscheidung des Eigentümers. Das Londoner Investmenthaus Pemberton will EKD keine weiteren Finanzierungsmittel zur Verfügung stellen. Von Pemberton beratene Fonds hatten die Übernahme des Solaranbieters Ende 2024 vereinbart, abgeschlossen wurde die Transaktion 2025.

Danach versuchte der Investor, das Unternehmen neu aufzustellen. Nach Angaben Pembertons wurden eine neue Führung eingesetzt und umfangreiche operative Restrukturierungsmaßnahmen gestartet. Im vergangenen Jahr waren zudem bereits Stellen weggefallen. Christian Arnold übernahm die Führung des Unternehmens.

EKDEckdaten
Gründung2018
StartZwei Mitarbeiter
nstallierte Solaranlagenmehr als 45.000
nstallationen zuletztmehr als 1.000/Monat
Standortemehr als 15
Beschäftigte laut EKDrund 400
nsolvenzantrag2. Oktober 2026

Die Maßnahmen reichten nach Einschätzung des Eigentümers nicht aus. Angesichts des anhaltenden Rückgangs im wichtigen Geschäft mit privaten Photovoltaikanlagen sei deutlich geworden, dass das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig sei, erklärte Pemberton. Das Investitionskomitee entschied deshalb, kein weiteres Kapital bereitzustellen.

Nach Informationen des „Handelsblatts“ sollen insgesamt sieben Gesellschaften der EKD-Gruppe von Insolvenzanträgen betroffen sein.

Vom Zwei-Mann-Betrieb zu 45.000 Solaranlagen

Die Entwicklung von EKD war lange eine der großen Wachstumsgeschichten der deutschen Solarbranche. Gründer Mathias Hammer startete das Unternehmen 2018 in Leipzig mit lediglich zwei Mitarbeitern. Schon zwei Jahre später war die 1.000. Solaranlage installiert, anschließend beschleunigte sich das Wachstum erheblich.

2022 beschäftigte EKD bereits mehr als 100 festangestellte Mitarbeiter und arbeitete mit Tausenden Handelsvertretern zusammen. Das Unternehmen beteiligte sich zudem an Firmen aus den Bereichen Wechselrichter, Stromspeicher und Wärmepumpen und baute bundesweit neue Vertriebsstandorte auf.

Nach eigenen Angaben hat EKD seit der Gründung mehr als 45.000 Solaranlagen realisiert. Zuletzt war das Unternehmen an mehr als 15 Standorten vertreten und installierte nach eigenen Angaben monatlich mehr als 1.000 Anlagen. Das Angebot reichte inzwischen von Photovoltaik und Stromspeichern über Wallboxen und Wärmepumpen bis hin zu eigenen Energiemanagement-Lösungen.

Krise trifft vor allem Geschäft mit privaten Solaranlagen

Der Fall EKD zeigt zugleich, wie stark sich der deutsche Photovoltaikmarkt innerhalb weniger Jahre verändert hat. Während des Solarbooms wuchs die Nachfrage nach Anlagen für Einfamilienhäuser rasant. Inzwischen hat sich der Wettbewerb deutlich verschärft, zugleich ist die Nachfrage in diesem Segment gegenüber den Boomjahren zurückgegangen.

2025 sank der Zubau von Solaranlagen auf Gebäuden spürbar. Im wichtigen Eigenheimsegment lag die Nachfrage zeitweise rund 28 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Gerade Anbieter, die stark vom Verkauf kompletter Solarsysteme an private Hausbesitzer abhängig sind, stehen deshalb unter erheblichem Preis- und Kostendruck.

Von einer allgemeinen Krise des gesamten Photovoltaikmarkts kann allerdings nicht gesprochen werden. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die insgesamt neu installierte Solarleistung in Deutschland sogar um rund neun Prozent. Ein großer Teil des Wachstums entfällt inzwischen jedoch auf Freiflächen- und größere Anlagen, während sich das Geschäft mit privaten Dachanlagen deutlich schwieriger entwickelt hat.

Rund 400 Beschäftigte von EKD-Insolvenz betroffen

Für die Belegschaft beginnt mit dem Insolvenzantrag eine Phase der Unsicherheit. EKD spricht von rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Andere Berichte nennen rund 340 Beschäftigte. Nach Angaben des Unternehmens sind die Löhne und Gehälter zunächst über das Insolvenzgeld abgesichert.

„Ziel der Geschäftsführung ist es, gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter einen Weg zur Sanierung des Unternehmens zu finden“, erklärte Sprecherin Neuer. In den kommenden Wochen sollen deshalb verschiedene Möglichkeiten geprüft werden, wie EKD oder Teile des Unternehmens fortgeführt werden können.

Der Insolvenzantrag bedeutet damit noch nicht automatisch das Ende des Solaranbieters. Zunächst soll der Geschäftsbetrieb weiterlaufen, während geprüft wird, ob ein Investor, eine Restrukturierung oder der Verkauf einzelner Unternehmensteile eine Zukunft ermöglichen kann. (Quellen: Energiekonzepte Deutschland, Bild, MDR) (mare)