Militärkolonnen in Hamburg: Das steckt hinter der Übung

Hamburg

500 Soldaten, Militärkolonnen, Hubschrauber: Hamburg probt den Ernstfall

Rund 500 Soldatinnen und Soldaten beteiligten sich im vergangenen Jahr an der Militärübung „Red Storm Bravo“ in Hamburg.
Bodo Marks/dpa

Bundeswehr und zivile Einsatzkräfte proben gemeinsam die Reaktion auf einen Konflikt an der NATO-Ostgrenze. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu „Red Storm Charlie“.

Militärfahrzeuge auf den Straßen, Hubschrauber über der Stadt und Kolonnen in Richtung Osten: Hamburg wird ab Donnerstag zum dritten Mal Schauplatz einer Bundeswehrübung. Der Name in diesem Jahr: „Red Storm Charlie“.

Rund 500 Soldatinnen und Soldaten sowie zahlreiche zivile Helfer und Unternehmen sind dabei. Drei Tage lang wird geprobt, was im Ernstfall passieren könnte. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum gibt es die Übung?

Die Bundeswehr will die Zusammenarbeit mit zivilen Stellen für mögliche Krisen- und Sicherheitslagen trainieren. Dabei geht es vor allem darum, gemeinsame Abläufe zu üben und die Handlungsfähigkeit aller Beteiligten zu verbessern.

Was wird konkret geübt?

Grundlage ist der sogenannte Operationsplan Deutschland. Er legt fest, wie militärische Maßnahmen mit zivilen Unterstützungsleistungen koordiniert werden. Für Hamburg ist der Plan wegen des Hafens, des Flughafens, des Schienenverkehrs und wichtiger Straßen besonders relevant.

Bundeswehrsoldaten stehen neben Militärfahrzeugen im Hamburger Hafen bei der Übung «Red Storm Bravo».
Bundeswehrsoldaten im Hamburger Hafen bei der dreitägigen Militärübung „Red Storm Bravo“ 2025.
Marcus Golejewski/dpa

Was ist das Szenario?

„Wie auch im vergangenen Jahr bei ‚Red Storm Bravo‘ trainieren wir bei ‚Red Storm Charlie‘ die Verlegung von Truppen und Material an die Ostflanke des Bündnisgebiets“, sagte der Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, Kapitän zur See Kurt Leonards. Verbündete Streitkräfte sollen in Hamburg ankommen, aufgenommen und anschließend über Straßen und Autobahnen Richtung Osten weitertransportiert werden. Erstmals werden dafür auch Kolonnen aus anderen Bundesländern nach Hamburg verlegt.

Wo wird geübt – und was bekommt die Bevölkerung davon mit?

Schwerpunkt ist der Hamburger Hafen. Darüber hinaus werden Truppenbewegungen und Kolonnenfahrten im Stadtgebiet geübt. Dadurch kann es zeitweise zu Verkehrsbehinderungen kommen. Viele Fahrten sollen deshalb nachts stattfinden. Mit mehr Lärm, etwa durch Hubschrauber, ist zu rechnen.

Wer macht mit bei „Red Storm Charlie“?

Neben der Bundeswehr sind bei dieser dritten Resilienzstärkungs- und Verteidigungsübung nach „Red Storm Alpha“ (2024) und „Red Storm Bravo“ (2025) auch Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk dabei. Außerdem beteiligen sich Landesbehörden, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sowie Unternehmen wie Airbus, HHLA und HPA. Edeka und Netto haben zudem einen Notfallrucksack mit Ausrüstung wie Kurbelradio, Taschenkocher und Solar-Powerbank im Angebot.

Mehrere rote Feuerwehrfahrzeuge stehen im Hamburger Hafen für die Übung „Red Storm Bravo“ bereit.
Die Feuerwehr Hamburg musste bei der Übung „Red Storm Bravo“ im vergangenen Jahr das Sinken einer Schute im Hafen verhindern.
Marcus Golejewski/dpa

Gibt es Proteste gegen die Bundeswehr-Übung?

Ja. Das Bündnis „Kein NATO Hafen“ hat für Samstag zu einer Demonstration unter dem Motto „NEIN zum Kriegsmanöver Red Storm Charlie – JA zu sozialem Fortschritt!“ aufgerufen. Unterstützt wird das Bündnis unter anderem von Initiativen der Friedensbewegung, Jugendverbänden, Gewerkschaftern und NGOs.

Der Protestzug soll ab 14 Uhr vom Jungfernstieg zu den Landungsbrücken führen. Bereits am Donnerstag ist am Jungfernstieg ein Konzert für den Frieden geplant.

Die Kritiker werfen der Übung unter anderem vor, auch die zivile Bevölkerung auf einen möglichen Krieg auszurichten. Das Bündnis kündigte zudem dezentrale Aktionen an, um das Manöver zu stören. (dpa/mp)