51 Prozent AfD hier, 63 Prozent Linke da: In diesen Berliner Kiezen waren die Parteien am stärksten

Zwölf Bezirke, 78 Wahlkreise, 2.487.318 Wahlberechtigte, von denen 1.846.170 tatsächlich abgestimmt haben. Wo welche Hochburgen liegen und wo die Diaspora für einzelne Parteien, lässt sich mehr als nur kiezgenau feststellen. Die Einteilung in 1572 Stimmbezirke macht’s möglich. Rechnerisch haben im Durchschnitt 1174 Menschen pro Stimmbezirk gewählt – in der Regel die Anwohner aus dem direkten Umkreis. Beim Heranzoomen eröffnet sich ein Blick auf die Orte, an denen besonders viele Leute für eine Partei gestimmt haben.

Blaue Bastion

Im Norden von Hellersdorf sind zwar die Plattenbauten nicht besonders hoch, dafür die Balken für die AfD-Ergebnisse umso höher. Den Rekord hält mit 51,2 Prozent der Zweitstimmen das Gebiet um die Zossener Straße, direkt an der Berliner Stadtgrenze gelegen, in Sichtweite des Kaufparks Eiche. Der Anteil der Erststimmen für die Rechtsnationalen ist ähnlich hoch. Auch auf der anderen Seite der Wuhle, im Norden von Marzahn, liegt die AfD durchweg über 40 Prozent bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus.

Rote Inseln

Die SPD ist stadtweit abgestürzt, aber in zwei Kiezen konnte sie noch die meisten Zweitstimmen holen. Zum einen um Alt-Britz, einem idyllischen Stück Neukölln zwischen Blaschkoallee und Schlosspark. Bescheidene 21,3 Prozent der Zweitstimmen reichten der SPD hier zum Sieg, gefolgt von der AfD mit 20,2 und der CDU mit 19,1 Prozent.
Die andere rote Insel liegt weit im Norden Berlins und umgibt den S-Bahnhof Tegel. Hier reichten der SPD sogar 20,3 Prozent der Zweitstimmen zum relativen Sieg. CDU, AfD und Linke folgen dicht dahinter.

Pinke Linke

Das einst tiefgrüne Kreuzberg ist zu den Linken übergelaufen. Vor allem entlang der U1 ist alles kräftig pink auf der Stimmbezirkskarte. Das Gebiet, in dem die Linke um die 50 Prozent der Zweitstimmen holte, reicht südwärts nach Neukölln bis etwa zur Ringbahn und im Osten auch nach Friedrichshain. Im Stimmbezirk 316, direkt nordöstlich des Görlitzer Parks um die Wrangelstraße gelegen, reichte es für konkurrenzlose 63,1 Prozent. Die Grünen folgen mit 17 Prozent. Als dritte Partei schafft es hier nur die SPD über die Fünfprozenthürde.

Schwarzes Loch

Der dunkelste Fleck auf der Berliner Wahlkarte befindet sich zwischen Clayallee und Grunewald. In der grünen Dahlemer Villengegend holte die CDU 56,9 Prozent der Zweitstimmen; das Erststimmenergebnis lag sogar noch etwas darüber. Abgeschlagen auf Platz 2 folgt die AfD mit etwa zehn Prozent. Und die FDP liegt hier mit 7,8 Prozent vor den Linken, die 5,6 Prozent holten.

Grüne Oase

Es sind weniger geworden, aber in der Innenstadt sowie im Südwesten bis hinein in den Grunewald gibt es noch einige grüne Flecken in der Berliner Wahlergebniskarte. Am sattesten leuchtet das Grün am Gleisdreieckpark: 40,1 Prozent grasten die einstigen Kreuzberger Platzhirsche im Gebiet um die Neubauten an Yorck- und Möckernstraße ab – bei einer Wahlbeteiligung von fast 90 Prozent. In keinem anderen Kiez gelang ihnen ein vergleichbarer Erfolg.