54 Filialen, 400 Mitarbeiter – nächste Traditionsbäckerei meldet Insolvenz an
Stand: 01.08.2026, 14:17 Uhr
Kommentare

Eine große deutsche Bäckerei hat Insolvenz angemeldet. Mehr als 400 Mitarbeiter sind betroffen, mehrere Filialen schließen bereits. Die ganze Branche steht unter massivem Druck.
Bestensee – 54 Filialen, 400 Mitarbeiter, 54 Jahre Tradition – und jetzt die Pleite. Die Bäckerei Konditorei Wahl GmbH aus Bestensee hat Insolvenz angemeldet. Das bestätigte Geschäftsführerin Anett Wahl der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“.
Mehr als 400 Mitarbeiter bangen um ihre Stellen. Das Unternehmen mit 54 Filialen in Berlin und Brandenburg befindet sich in Eigenverwaltung. Die Insolvenz ist kein Einzelfall: Im ersten Halbjahr 2026 haben bundesweit 63 Bäckereibetriebe Insolvenz angemeldet.
Bäckerei Wahl meldet Insolvenz an
Als Gründe für die Insolvenz nannte Anett Wahl gestiegene Kosten und die Kaufzurückhaltung der Kunden. Das Unternehmen betonte jedoch: „Das Kerngeschäft der Bäckerei Wahl ist gesund und wettbewerbsfähig.“
Der Betrieb soll uneingeschränkt fortgeführt werden, während sich das Unternehmen verkleinert. Am Produktionsstandort in der Bestenseer Waldstraße wird weitergearbeitet. Wie viele der 54 Filialen dauerhaft schließen werden, ist noch nicht bekannt.
Mehrere Filialen schließen bereits
Bereits zum 1. August schlossen mehrere Standorte. Betroffen sind laut MAZ die Filialen in der Mittenwalder Yorckstraße, im Zossener Netto und im Schmöckwitzer Rewe. Auch Standorte in Potsdam sind von Schließungen betroffen .Der Verkaufsstandort im Teupitzer Netto hatte bereits zuvor dauerhaft geschlossen.
Eine Verkäuferin der Filiale am Bahnhof Königs Wusterhausen sagte gegenüber „Bild“: „Wir haben vor zwei Wochen von der Insolvenz erfahren. Die Geschäftsführung sagte uns: Wer gehen will, kann gehen.“ Ihre eigene Filiale sei vorerst nicht von einer Schließung betroffen.
Der Berliner Rechtsanwalt Jörg Franzke begleitet das Unternehmen im Sanierungsverfahren. Er sieht laut einer Unternehmensmitteilung „beste Voraussetzungen“ für eine erfolgreiche Sanierung. Das Unternehmen verfüge über ein gesundes Kerngeschäft, treue Kunden und ein starkes Team.
Die Bäckerei Wahl blickt auf eine 54-jährige Geschichte zurück. Im Jahr 1972 übernahmen Inge und Karl-Heinz Wahl eine kleine Pachtbäckerei im brandenburgischen Volkstedt. Sechs Jahre später zogen sie mit einer eigenen Bäckerei nach Bestensee um.
Zunächst arbeiteten sechs Mitarbeiter nach altdeutscher Tradition im Backsteinofen. Nach der Wende wuchs der Betrieb kontinuierlich. Im Jahr 2005 entstand ein neuer Produktionsstandort im Bestenseer Kleingewerbegebiet.
Unternehmen wuchs nach der Wende stark
2016 eröffnete das Unternehmen ein Café am Bestenseer Bahnhof. Ein Jahr später übernahm Anett Wahl die Firma von ihren Eltern.
Noch vor gut zwei Jahren hatte das Unternehmen seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Im April 2024 übernahm die Traditionsbäckerei mehrere Filialen der insolventen Bäckerei-Kette Lila Bäcker in Potsdam und Potsdam-Mittelmark. Zuletzt betrieb Wahl 54 Filialen in Berlin und Brandenburg. Die meisten Standorte lagen in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming. Hinzu kamen Filialen in Berlin, Potsdam, Oder-Spree, Potsdam-Mittelmark und Havelland.
Für viele Kunden in der Region war Wahl damit über Jahrzehnte ein fester Teil des Alltags.
Insolvenzwelle trifft die gesamte Bäckerbranche
Die Bäckerei Wahl steht nicht allein. Im ersten Halbjahr 2026 haben bundesweit 63 Bäckereibetriebe Insolvenz angemeldet. Das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Creditreform-Sprecher Patrik-Ludwig Hantzsch nannte als Hauptgrund veränderte Konsumgewohnheiten: „Viele Kunden kaufen Backwaren inzwischen beim Wocheneinkauf im Supermarkt oder Discounter statt beim traditionellen Bäcker.“ Hinzu kommen gestiegene Energiekosten, die energieintensive Betriebe mit Backöfen und Knetmaschinen besonders treffen. Auch hohe Lohnkosten, steigende Rohstoffpreise und Fachkräftemangel setzen die Branche unter Druck.
Diese Kostensteigerungen könnten laut Hantzsch nur begrenzt an die Kunden weitergegeben werden.
Mehrere bekannte Bäckereien geraten in Not
In den vergangenen Monaten traf es bereits mehrere bekannte Ketten. Der Thüringer Bäcker Lampe meldete Mitte Juni für 44 Filialen mit rund 280 Mitarbeitern Insolvenz an.
Bei der bayerischen Kette Rackls Backstubn fand sich keine Fortführungslösung: Zehn Filialen sowie die zentrale Backstube stellten die Produktion ein.
Auch die mehr als hundert Jahre alte Bäckerei Hansen Mürwik aus Schleswig-Holstein wurde verkauft. Die Produktion in Wees bei Flensburg endet Ende Juli, sechs von elf Filialen übernimmt der Konkurrent Andresen. (Quellen: Märkische Allgemeine Zeitung, Bild, Creditreform) (mare)