60 Jahre Städtepartnerschaft: Großrosseln feiert Jumelage-Geburtstag mit Petite-Rosselle
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60 Jahre Städtepartnerschaft Großrosseln feiert Jumelage-Geburtstag mit Petite-Rosselle
Großrosseln/Petite-Rosselle · Aus Feinden wurden Freunde, aus Fremden manchmal Ehepaare: Seit 1966 verbindet Großrosseln und Petite-Rosselle eine Städtepartnerschaft. Der 60. Geburtstag wurde jetzt gefeiert.
14.09.2026 , 18:54 Uhr
Feierlicher Auftakt: Deutsche und französische Feuerwehrleute hissen die deutsche, die europäische und die französische Fahne – und die Harmonie Municipale aus Petite-Rosselle spielt die drei Hymnen.
Foto: Thomas Annen
Aus Feinden wurden Partner, aus Fremden wurden Freunde: Seit 60 Jahren pflegen Großrosseln und Petite-Rosselle eine deutsch-französische Partnerschaft. Am 11. September 1966 leisteten Großrosselns Bürgermeister Albert Zimmer und sein französischer Kollege Jean-Joseph Delange den Städtepartnerschaftseid. Durch freundschaftliche Kontakte zwischen den Gemeinden und den Bürgern sollte die Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland gefördert werden.
„In der Gewissheit, dadurch zu einem vereinten Europa beizutragen“, heißt es in der entsprechenden Urkunde. Delange und Zimmer waren sich wohl sicher: Nachbarn, die miteinander sprechen, führen keine Kriege. In den folgenden Jahrzehnten fielen mit den Zollschranken auch die Barrieren in den Köpfen. Die Grenzkommunen sind nicht nur politisch zusammengewachsen.
Im Alltag der Bürger gab und gibt es ebenfalls viele Kontakte: Klein- und Großrossler treffen sich im Verein, beim Spaziergang, am Arbeitsplatz, in der Gaststätte, bei Feiern oder im Einkaufsmarkt. Durch die guten Kontakte haben sich zahlreiche Bürger kennen, schätzen, und manchmal sogar lieben gelernt. Viele deutsch-französische Brautpaare gaben sich das Ja-Wort. Ob alle Ehen gehalten haben, ist nicht bekannt.
Die Jumelage zwischen den Kommunen jedenfalls funktioniert bis heute prima. Das zeigte sich kürzlich wieder beim grenzüberschreitenden Dorffest rund um die Rosselbrücke. Und es bestätigte sich am vergangenen Freitagabend beim Festkommers anlässlich des runden Geburtstags der Verschwisterung.
Mit Handschlag oder Küsschen begrüßten sich die Nachbarn vor der Rosseltalhalle in Großrosseln: „Wie geht’s? Ca va? Unn selbschd?“ Schnell zeigte sich: Auch nach sechs Jahrzehnten haben sich die Freunde noch viel zu sagen. Vor den Redebeiträgen hissten die Feuerwehrleute beider Kommunen auf dem Vorplatz die deutsche, die französische und die europäische Flagge.
Feierlich wurde es, als die Harmonie Municipale aus Petite-Rosselle die drei Hymnen spielte: das Deutschlandlied, die Marseillaise und die „Ode an die Freude“. Beim Festakt in der Halle sorgte dann das Jugendorchester Großrosseln für die musikalische Umrahmung. Unter der Leitung von Heinz Gassner präsentierte die Kapelle unter anderem Evergreens von Abba und Katja Ebstein.
Nachdem Großrosselns Erster Beigeordneter Michael Krewer die Gäste begrüßt hatte, griffen die Bürgermeister der Partnerkommunen zum Mikrofon – in verschiedenen Sprachen, aber mit einer Stimme. Ihre gemeinsame Rede hielten Großrosselns Verwaltungschef Dominik Jochum und sein Kollege Eric Federspiel aus Petite-Rosselle auf Deutsch und auf Französisch. Zu Beginn und am Ende wechselten sie sogar in die Sprache des Partners. „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“, rief Eric Federspiel den geladenen Gästen zu. „Vive l’amitié franco-allemande!“, bestätigte Dominik Jochum.
Mit Blick auf die Grenzkontrollen während der Coronapandemie erinnerten die Rathauschefs daran, dass offene Grenzen und ein freies Miteinander keine Selbstverständlichkeit sind. Grenzen dürften niemals wieder zu trennenden Mauern werden, betonten beide. Trotz Krisen sei die Freundschaft lebendig geblieben und habe sich weiterentwickelt.
„Wir leben nicht nebeneinander, sondern miteinander“, sagte Lukas Kursatz, der stellvertretende Ortsvorsteher von Großrosseln. Kursatz vertrat Ortsvorsteher Fred Schuler, der aufgrund seiner krankheitsbedingt angegriffenen Stimme nicht selbst ans Mikrofon treten konnte. Alle Redner betonten, wie wichtig es ist, dass die Freundschaft von der jüngeren Generation weitergepflegt wird.
Am Ende des offiziellen Teils präsentierten die beiden Bürgermeister die Urkunde zum 60. Geburtstag der Jumelage, die sie am Vortag während einer gemeinsamen Ratssitzung in Petite-Rosselle unterschrieben hatten. Die vor sechs Jahrzehnten von Albert Zimmer und Jean-Joseph Delange unterzeichneten Urkunden waren in der Halle ausgestellt. Zu Beginn des gemütlichen Teils des Abends stießen die befreundeten Nachbarn dann mit einem Glas Sekt oder einer Flasche Bier an: „Prost! Santé!“ (cla/sm)