66 Tonnen Stahl: Das kurze Leben des Superpanzers Conqueror
Stand: 28.07.2026, 20:00 Uhr
Der britische Conqueror sollte stärker sein als seine Gegner, doch ausgerechnet seine größte Stärke wurde ihm zum Problem.
London – Ein Panzer, der deutlich mehr wog als ein voll beladener Lastwagenzug und dennoch auf große Entfernung präzise feuern sollte: Der britische Conqueror war ein Spezialist für den schweren Schlag.
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Seine 120-Millimeter-Kanone sollte sowjetische IS-3-Panzer treffen, bevor diese wirksam zurückschießen konnten. Der Kommandant suchte währenddessen schon das nächste Ziel. Der letzte schwere Panzer der britischen Armee beeindruckte mit Feuerkraft – und scheiterte an seinen Ausmaßen.

Großbritannien entwickelte den schweren Panzer Conqueror nach dem Zweiten Weltkrieg. Beim Militär trug er die Bezeichnung FV214. Anlass war der sowjetische IS-3, dessen starke Panzerung westliche Militärplaner alarmierte.
Antwort auf einen sowjetischen Schwergewichtspanzer
Der Conqueror sollte die beweglicheren britischen Centurion-Panzer unterstützen und Gegner aus größerer Entfernung bekämpfen. 1955 übernahm die britische Armee die ersten Fahrzeuge. Sie stationierte den Conqueror vor allem bei ihrer Rheinarmee in Westdeutschland.
Vier Soldaten saßen im Panzer: Fahrer, Kommandant, Richtschütze und Ladeschütze. Mit vorgestreckter Kanone war der Conqueror rund zwölf Meter lang, fast vier Meter breit und gut drei Meter hoch. Das Tank Museum nennt 66 Tonnen Gewicht. Der Rolls-Royce-Meteor-Benzinmotor leistete rund 850 PS. Mehr als etwa 34 Kilometer pro Stunde waren trotzdem nicht möglich.
Der Kommandant fand schon das nächste Ziel
Die wichtigste Besonderheit saß oben auf dem Turm. Der Kommandant verfügte über eine unabhängig drehbare Kuppel mit Entfernungsmesser. Er konnte ein neues Ziel suchen und dessen Entfernung bestimmen, während der Richtschütze noch ein anderes bekämpfte. Danach schwenkte der Turm auf die Blickrichtung des Kommandanten. Dieses Verfahren verkürzte den Wechsel zwischen zwei Zielen.
Die Hauptwaffe war die gezogene 120-Millimeter-Kanone L1A1. Sie verschoss zweiteilige Munition. Geschoss und Treibladung mussten getrennt geladen werden. An Bord passten 35 Schuss. Zwei Browning-Maschinengewehre dienten als Nebenbewaffnung.
Kurios war der automatische Hülsenauswurf: Er sollte die großen Messinghülsen nach dem Schuss aus dem Turm befördern. Das System arbeitete laut Tank Museum jedoch unzuverlässig. Klemmte eine Hülse, konnte ihre Entfernung von Hand bis zu fünf Minuten dauern. Dann war die starke Kanone vorerst nutzlos.
Zu schwer für seine eigene Rolle
Das Gewicht begrenzte den Conqueror stärker als seine Feuerkraft. Nicht jede Brücke trug ihn. Auch Transport, Wartung und Treibstoffverbrauch bereiteten Probleme. Seine Reichweite lag bei nur rund 150 Kilometern.
Gebaut wurde der Panzer in der Royal Ordnance Factory Dalmuir nahe Glasgow. Das Tank Museum nennt 159 produzierte Exemplare, darunter 20 Fahrzeuge der ersten Ausführung. Einen verlässlich belegten damaligen Stückpreis weisen die öffentlich zugänglichen Museumsquellen nicht aus.
Schon verbesserte Centurion-Panzer konnten später vergleichbare Aufgaben übernehmen. Der Chieftain verband schließlich starke Bewaffnung mit einem moderneren Gesamtkonzept. 1966 zog die britische Armee den Conqueror aus dem Dienst. Einen Kriegseinsatz erlebte er nicht. Quellen: The Tank Museum, Queen’s Royal Hussars Museum, RM Sotheby’s, nif/red.