8.900 Jobs weg, fünf Milliarden weniger Umsatz: Der VW-Konzern im freien Fall
Stand: 28.07.2026, 07:27 Uhr
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Porsche baut 8.900 Stellen ab, kürzt Gehälter und Homeoffice. Audi senkt die Prognose um 5 Milliarden Euro. Der VW-Konzern kämpft mit China-Einbruch und E-Auto-Flops, die Rechnung zahlen die Beschäftigten.
Wolfsburg – Der VW-Konzern steckt in der Krise und Porsche mittendrin. 8.900 Stellen fallen weg, Tariferhöhungen werden einbehalten, das Weihnachtsgeld schrumpft. Homeoffice gibt es künftig nur noch an acht statt zwölf Tagen im Monat.
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Das nennt der Stuttgarter Sportwagenbauer dann „Zukunftspaket“. Die Wahrheit: Deutschlands Premiumhersteller haben sich verkalkuliert – bei China, bei E-Autos, bei der Expansion. Jetzt zahlen die Mitarbeiter die Zeche für strategische Fehlentscheidungen.

Porsche hat seit 2015 die Belegschaft um 75 Prozent aufgebläht auf 42.000 Beschäftigte. Das Problem: Der Absatz bricht ein. Vor drei Jahren verkaufte der Konzern noch 320.000 Fahrzeuge, 2026 werden es nur noch 250.000 sein. Die Werke laufen auf Sparflamme, die Gewinnmarge ist von 15 auf 7,8 Prozent abgestürzt. China, einst Goldesel, ist zum Problemmarkt geworden. US-Zölle belasten zusätzlich.
Wenn Wachstum zur Falle wird
Und die milliardenschweren E‑Auto‑Investitionen? Zahlen sich nicht aus. Der Deal, den Porsche jetzt mit dem Betriebsrat ausgehandelt hat, klingt nach Kompromiss: Standortsicherung bis 2035, keine betriebsbedingten Kündigungen, 2,1 Milliarden Euro Investitionen in Zuffenhausen und Weissach.
Der Preis dafür ist brutal. Tariferhöhungen werden bis 2035 teilweise kassiert, Boni stärker an den Unternehmenserfolg gekoppelt – der gerade miserabel ist. Manager verzichten 2027 und 2028 auf Gehaltserhöhungen. Ob das reicht, um die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen?
Audi senkt Prognose um 5 Milliarden Euro
Parallel dazu kämpft Audi mit denselben Problemen. Finanzchef Jürgen Rittersberger gibt zu, dass die bisherigen Sparmaßnahmen nicht ausreichen. Die Prognose für 2026 wurde um satte 5 Milliarden Euro gesenkt – auf 58 bis 63 Milliarden Euro Umsatz. Die Rendite liegt bei mageren 3,8 Prozent, Ziel sind 5 bis 7 Prozent.
Das schwächste erste Halbjahr seit 2021 offenbart die Dimension der Krise: Der Quartalsgewinn sank um 21 Prozent auf 563 Millionen Euro. „Wir haben Möglichkeiten, an beiden Standorten die Effizienz zu steigern“, sagte Rittersberger laut Tagesschau. „Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren.“
Besonders bitter: Das China-Geschäft, früher Cashcow, brachte im ersten Halbjahr nur noch 73 Millionen Euro – ein Viertel des Vorjahreswerts. VW-Chef Oliver Blume will Werksschließungen vermeiden und spricht von „intelligenteren Lösungen“. Doch was heißt das konkret?
In Europa müssen laut Bild 500.000 Fahrzeuge Überkapazität abgebaut werden. Audi streicht bereits die Nachtschicht in Neckarsulm, wo nur noch Verbrenner vom Band laufen. Die Kapazität wurde bereits um 75.000 Einheiten reduziert.
Was Blume verschweigt
Blume redet von Effizienz, Rittersberger von Kostenstrukturen. Doch keiner spricht die unbequeme Wahrheit aus: Der VW-Konzern hat den Wandel verschlafen. Während chinesische Hersteller den E-Auto-Markt dominieren, kämpfen Porsche und Audi mit unrentablen Elektromodellen.
Die Expansion der letzten Jahre war Größenwahn – jetzt folgt der Kater. Audi baut bereits 7.500 Stellen bis 2029 ab, Beschäftigungssicherung gibt es bis 2033.
Bei Porsche sind es 8.900 Jobs, Sicherung bis 2035. Die Strategie ist klar: sozialverträglicher Abbau durch Fluktuation, Altersteilzeit, Aufhebungsverträge. Klingt human, ist aber Realität: Tausende Beschäftigte müssen gehen, weil das Management falsch geplant hat. Die Frage ist nicht, ob der VW-Konzern die Kurve kriegt. Die Frage ist, wie viele Jobs es noch kostet.
Business Punk Check
Porsche und Audi verkaufen ihre Sparprogramme als Zukunftssicherung. Die Wahrheit: Es ist die Quittung für strategische Fehlentscheidungen. Jahrelang haben beide Konzerne auf Expansion gesetzt, die Belegschaft aufgebläht und auf China als Wachstumsmarkt gewettet.
Jetzt bricht dieser Markt ein, E-Autos laufen nicht wie erhofft, und die Überkapazitäten sind massiv. Die Rechnung zahlen die Beschäftigten, mit 8.900 gestrichenen Jobs bei Porsche, Gehaltsverzicht und weniger Homeoffice. Was Blume und Rittersberger als „Effizienzsteigerung“ verkaufen, ist Schadensbegrenzung.
Die deutsche Premiumautoindustrie hat den Anschluss verloren. Chinesische Hersteller dominieren den E-Auto-Markt, während VW, Audi und Porsche mit unrentablen Modellen kämpfen. Die Standortgarantien bis 2033 und 2035 sind ein teuer erkaufter Kompromiss – und keine Lösung für die strukturellen Probleme.
Für Mitarbeiter heißt das: Weiterbildung ist Pflicht, Flexibilität überlebenswichtig. Wer nur auf Verbrenner-Expertise setzt, wird zum Auslaufmodell. Für Investoren gilt: Die deutschen Premiumhersteller sind verwundbar wie nie. Wer auf die Branche setzt, sollte genau hinschauen – die Krise ist noch lange nicht vorbei.