Wehrmachtsfund in Budapest: Donau legt Töff und zwei Soldaten frei
Publiziert6. August 2026, 22:51
Budapest80 Jahre nach Kriegsende: Donau gibt Wehrmachtsfund frei
Am Donauufer in Budapest stiessen Experten auf ein Wehrmachtsmotorrad und zwei deutsche Soldaten. Selbst die Erkennungsmarken sind erhalten.

Darum gehts
- Der gesunkene Donau-Pegel in Budapest hat ein Wehrmachtsmotorrad und die Überreste zweier deutscher Soldaten freigelegt.
- Die Funde wurden am Batthyány-Platz gegenüber dem ungarischen Parlamentsgebäude entdeckt und geborgen.
- Dank Gasöl im Flussschlamm sind selbst die Erkennungsmarken der Soldaten nach über 80 Jahren noch klar lesbar.
Der wegen Hitze und anhaltender Trockenheit historisch tiefe Pegel der Donau hat in Budapest einen aussergewöhnlichen Fund aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt. Am Batthyány-Platz, direkt gegenüber dem ungarischen Parlamentsgebäude, entdeckte die Organisation Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ein Wehrmachtsmotorrad sowie die sterblichen Überreste von zwei deutschen Soldaten.
Wie die «Bild» berichtet, hatten Passanten zunächst lediglich die Gabel eines Motorrads bemerkt, die zwischen den Felsen am Donauufer hervorschaute. Daraufhin rückten Mitarbeitende des Instituts und Museums für Militärgeschichte, des ungarischen Partners des Volksbunds, an. Bei der Untersuchung stiessen die Experten auf ein aussergewöhnlich gut erhaltenes deutsches Militärmotorrad, vermutlich eine DKW NZ 350-1.
Die DKW-Modelle NZ 250 und NZ 350 galten damals als besonders robust und zuverlässig. Deshalb entwickelte die Wehrmacht ab 1944 mit der NZ 350-1 eine speziell für den Fronteinsatz konzipierte Version.
Erkennungsmarken gut lesbar
Bei der Bergung des Wracks förderten die Spezialisten auch menschliche Überreste zutage. Zwischen Montag und Dienstag exhumierte Gábor Kohlrusz die sterblichen Überreste von zwei Soldaten – mehr als 80 Jahre nach deren Tod.
Wie der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf seiner Website schreibt, war der Flussschlamm an der Fundstelle mit Gasöl vermischt. Dieses habe wie ein Konservierungsmittel gewirkt und dafür gesorgt, dass selbst die Erkennungsmarken aussergewöhnlich gut erhalten blieben. Buchstaben und Zahlen seien noch heute klar lesbar.

Familien erfuhren nie vom Tod der Soldaten
Nach Angaben der Historiker waren beide Erkennungsmarken vollständig erhalten. Das deute darauf hin, dass die Familien der Soldaten vermutlich nie offiziell über deren Tod informiert wurden. Im Regelfall wurde bei gefallenen Wehrmachtssoldaten eine Hälfte der Erkennungsmarke beim Toten belassen, während die andere an die Wehrmachtsauskunftstelle nach Berlin geschickt wurde, um den Todesfall zu registrieren und die Angehörigen zu benachrichtigen.
Neben dem Motorrad fanden die Experten zudem einen Benzinkanister. Bei einem der Soldaten entdeckten sie ausserdem einen sogenannten Ärmelschild «Kuban» – ein militärisches Ehrenabzeichen, das an Wehrmachtssoldaten verliehen wurde, die am Kuban-Brückenkopf im Kaukasus gekämpft hatten.

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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