Sommerkarneval auf der Weser? 800 Menschen verkleiden sich, um in der Weser zu schwimmen
Wer an einem Sommertag in Minden an die Weser kommt, rechnet vielleicht mit Kanuten oder Menschen, die irgendwo am Ufer ein Eis essen. Aber mit einem Flamingo? Oder einem Wikinger?
Mehr als 800 Teilnehmer
An diesem Tag allerdings war das alles völlig normal. Mehr als 800 Schwimmerinnen und Schwimmer haben sich am Samstagnachmittag in die Weser gestürzt und sind rund zwei Kilometer mit der Strömung flussabwärts getrieben.
Statt Badehauben und Schwimmanzügen gab es Donuts, Flamingos und Wikinger. Sommerkarneval auf Ostwestfälisch. Mascha, Eva und Barbara, sie selbst nennen sich "Die Drillinge", waren auch schon im vergangenen Jahr dabei und freuten sich besonders, sich "einfach treiben lassen zu können".
Niedrigwasser in der Weser
Der Start liegt traditionell an der Theodor-Heuss-Brücke bei Weserkilometer 201,5. Ziel ist rund zwei Kilometer weiter der Kanu-Klub Minden. Die offizielle Ausschreibung sieht für die Strecke etwa 35 Minuten vor - vorausgesetzt, die Weser macht mit. An diesem Tag waren die Bedingungen jedenfalls ziemlich einladend, durch das Niedrigwasser ist die Strömung aber deutlich geringer. Bei einigen Schwimmern werden es am Ende bis zu 60 Minuten.
Wolken, eine leichte Brise und rund 23 Grad Wassertemperatur: Für Weser-Verhältnisse also fast schon "Badewannen-Feeling". Voraussetzung für die Teilnahme: ein guter und sichere Schwimmer zu sein, mindestens zwölf Jahre alt. Während der Veranstaltung passt die DLRG Minden auf. Für die Schwimmstrecke wird außerdem die Weser für die Schifffahrt gesperrt.
Zuschauer am Ufer
Hunderte Zuschauer verfolgen das Spektakel und bekamen eine ziemlich ungewöhnliche Perspektive auf ihre Weser. Freundinnen aus Bad Salzuflen - verkleidet als Flamingo - ziehen vorbei, davor ein Mann mit einer Seifenblasen-Maschine. "Das ist so idyllisch", ruft eine der Frauen.
Andere lassen sich ganz schlicht im Badeanzug oder in der Badehose treiben. Und wie anstrengend ist es? "Super angenehm, man muss nichts machen", sagt ein Schwimmer - und schiebt hinterher: "Ich schwimme aber auch regelmäßig."
Kein Wettkampf-Gedanke
Es ist kein ambitionierten Schwimmwettkampf, sonder es geht um Gemeinschaft, Natur genießen und vor allem um Spaß. Die Veranstaltung ist nach dem Vorbild des Stromschwimmens in Basel konzipiert.
Volker Zoerb von der DLRG Minden beschreibt die Veranstaltung ausdrücklich nicht als Sport-Event, sondern als gemeinsames Stromschwimmen: "Wir wollen den Menschen die Schönheit der Weser und ihre Bedeutung für unsere Region deutlich machen." Die beste Möglichkeit, das zu tun, sei einfach mal darin zu schwimmen.
Von 600 auf mehr als 800 Teilnehmer
Dass die Veranstaltung inzwischen so viele Menschen anzieht, ist durchaus bemerkenswert. Bei der Premiere im Jahr 2022 gingen bereits mehr als 600 Schwimmer in die Weser. 2026 fand das Weserschwimmen zum fünften Mal statt. Die Bilanz: Jeder ist im Ziel angekommen - nass, aber glücklich. Und es wird auch im nächsten Jahr wieder eine Auflage geben.