81 Punkte Rückstand: George Russell glaubt kaum noch an den WM-Titel
(Motorsport-Total.com) - George Russell sieht seine Chancen auf den Formel-1-Weltmeistertitel 2026 nach dem Großen Preis von Spanien auf ein Minimum gesunken. Der Mercedes-Pilot wurde in Madrid zum fünften Mal in Folge von seinem Teamkollegen Kimi Antonelli geschlagen und liegt inzwischen deutlich hinter dem Italiener.

© LAT Images
Nach dem Spanien-Grand-Prix sieht George Russell seine WM-Chance schwinden Zoom
Download
Im Qualifying auf dem neuen Madring kam Russell nicht über Platz sechs hinaus. Als Grund für seine fehlende Pace nannte der Brite vor allem die Reifen. "Ich habe versucht, in Kurve 11 hart zu pushen, aber die Reifen konnten es nicht mitmachen", erklärt Russell.
Auch im Rennen lief es nicht nach Wunsch. Russell hatte am Start einen Kontakt mit Oscar Piastri im McLaren, konnte seinen Mercedes jedoch offenbar ohne größere Schäden weiterfahren. Wenig später sorgte das virtuelle Safety-Car allerdings für einen ungünstigen Zeitpunkt seines ersten Boxenstopps.
Safety-Car bringt Russell um bessere Strategie
Russell war auf harten Reifen gestartet und wollte eigentlich möglichst lange auf diesem Satz bleiben. Während der frühen VSC-Phase wechselte er jedoch auf die Medium-Reifen, während die meisten Konkurrenten ihre weichen oder mittleren Pneus zum optimalen Zeitpunkt gegen harte Reifen tauschen konnten.
"Das Timing mit dem Safety-Car war einfach sehr frustrierend. Wir hatten gehofft, bis Runde 40 zu kommen. Wir wussten, dass Kimi und die Fahrer auf Medium und Soft ungefähr in Runde 15 an die Box kommen würden, und das Safety-Car kam in Runde 14", sagt Russell.
Auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff räumt ein, dass das Rennwochenende bei Russell nicht ganz rund lief. "Das Wochenende war unrund. Q1 oder Q2 war wirklich gut, da hat er das Auto gespürt und dann heute, wir müssen schauen, warum es diese Schwankungen gegeben hat", erklärt Wolff.
Russell habe sich zwischenzeitlich "extrem schwer getan" und sei dann plötzlich "meilenweit der Schnellste gewesen". Mercedes müsse deshalb noch analysieren, ob Russell den Reifen zu einem bestimmten Zeitpunkt besonders gut managen könne, so Wolff weiter.
Russell kämpft sich noch an Leclerc heran
Charles Leclerc, der zu diesem Zeitpunkt unmittelbar vor Russell lag, blieb dagegen auf der Strecke und absolvierte seinen Boxenstopp erst in Runde 48. Trotz der zusätzlichen Boxendurchfahrt und der frischen weichen Reifen am Ferrari geriet Leclerc gegen Ende des Rennens noch unter Druck des Mercedes. Der Monegasse rettete Platz vier knapp ins Ziel, Russell wurde Fünfter.
Wolff erklärt die unterschiedliche Strategie mit dem Risiko, das Ferrari eingehen musste. "Die mussten ihn draußen lassen und haben auf eine rote Flagge gehofft oder auf einen Rennabbruch. Wir waren so knapp dran, haben richtig gewechselt und das haben sie nicht gemacht, weil sie auch gamblen wollten auf einen Sieg."
"Der harte Reifen war mit Abstand mein überlegener Reifen. Mit dem Medium draußen zu bleiben, wäre ein großes Risiko gewesen. Ich dachte, ich hätte nichts zu verlieren. Am Ende wäre ich wahrscheinlich ohnehin dort gelandet, wo ich gelandet bin. Das ist natürlich etwas schade", erklärt Russell nach dem Grand Prix.
"Die Performance war deutlich besser als das Ergebnis"
Russell machte allerdings nicht die reine Rennpace für sein Ergebnis verantwortlich. "Die Performance war viel besser als das Ergebnis", betont der Mercedes-Pilot. Gleichzeitig erinnerte ihn das Rennen in Madrid an Monaco, wo Überholmanöver ebenfalls schwierig sind und die Startposition eine besonders große Rolle spielt.
"Das war in gewisser Weise Monaco-ähnlich, was die Qualifying-Position angeht, die alles entscheidet", sagt Russell. Während Russell in Madrid mit Platz fünf zufrieden sein musste, feierte Antonelli bereits seinen achten Saisonsieg. Der 20-jährige Italiener beeindruckt mit zwölf Podestplätzen aus 14 Grand Prix.
Russells WM-Rückstand wächst auf 81 Punkte
Innerhalb der vergangenen fünf Rennen hat Antonelli seinen Vorsprung auf Russell von 25 auf 81 Punkte ausgebaut. Russell ist sich bewusst, dass ihm angesichts der Konstanz seines Teamkollegen nur noch wenig Spielraum bleibt, um den Rückstand in der Weltmeisterschaft entscheidend zu verkürzen. Theoretisch stehen noch neun Rennen aus.
"Ich werde nicht sagen, dass es vorbei ist, aber es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ich in diesem Kampf bin", räumt der 28-Jährige ein. Er wolle deshalb nicht mehr zu sehr auf die Gesamtwertung schauen, sondern sich auf die einzelnen Rennen konzentrieren und dort möglichst viele Siege holen.
Meistgelesen in unserem Netzwerk
- GP Spanien
Madrid in der Analyse: Antonelli-Sieg, Norris-Pech und Hamilton-Aus - Formel 1
Coca-Cola sorgt für Ärger: Lando Norris gibt F1-Offiziellem Kontra - Motorrad
Armpump bremst Jorge Martin in Misano aus: Ist eine Operation notwendig? - DTM
DTM-Rennen Sachsenring 2: Dörr gewinnt im Chaos vor Preining, Strafe für Engel
Damit droht der WM-Kampf für Russell bereits deutlich früher als erhofft außer Reichweite zu geraten. Antonelli hat sich mit seiner beeindruckenden Konstanz inzwischen einen komfortablen Vorsprung erarbeitet, während Russell vor allem darauf angewiesen ist, die verbleibenden Rennwochenenden optimal zu nutzen.