Hagelschäden in Steinmaur: Bauer Samuel Müller verliert 90 % seiner Ernte

Publiziert29. August 2026, 16:20

Hagelschäden«90 Prozent der Ernte futsch»: Bauer Samuel bangt um Existenz

Von Tomaten über Federkohl bis Kürbis ist praktisch nichts mehr übrig. Die Gewitterzelle vom Freitag hat die Ernte von Bauer Samuel Müller in Steinmaur ZH verhagelt – und das nach einem besonders arbeitsintensiven Sommer.

Lisa Arnold

Josephine Schertenleib

Nach dem Hagelzug vom Freitag steht Bauer Samuel vor einem Scherbenhaufen – bildlich und tatsächlich.20 Minuten

Darum gehts

  • Ein Hagelunwetter hat am Freitag 90 Prozent der Ernte von Bauer Samuel Müller in Steinmaur ZH vernichtet.
  • Golfballgrosse Hagelkörner zerstörten Gemüse wie Tomaten und Kürbisse sowie die Überbauungen aus Glas und Folie – der Bauer spricht von «Totalschaden».
  • Der Zeitpunkt trifft Müller besonders hart: Ende August hatte sich ein arbeitsintensiver Sommer gerade erst auszuzahlen begonnen.

Gemüsebauer Samuel Müller steht am Samstag betroffen in seinem Wirz-Feld in Neerach im Kanton Zürich. Wo in Kürze die Ernte hätte eingefahren werden sollen, ist nach dem Extremhagel vom Freitag kaum mehr etwas zu retten. Ähnlich trist sieht es aus, wo Kürbisse, Kohl oder Rüebli gediehen. Müllers Fazit fällt kurz und knapp aus: «Totalschaden.»

Der Bio-Bauer schätzt, dass die golfballgrossen Eiskugeln rund 30 Hektar oder 90 Prozent seiner Felder zerstört haben. Er rechnet grob geschätzt mit einem Einnahmenverlust von 1,5 Millionen Franken: «Dabei ist der ganze Schaden, den der Sturm angerichtet hat, noch nicht einberechnet. Klar ist, dass es einfach eine sehr grosse Summe ist.»

«Brutal» sei der Anblick der Felder nun, sagt Müller. Auf diesem Feld wäre eigentlich Wirz gewachsen – nur noch wenige Wochen wären es bis zur Ernte gewesen.

«Brutal» sei der Anblick der Felder nun, sagt Müller. Auf diesem Feld wäre eigentlich Wirz gewachsen – nur noch wenige Wochen wären es bis zur Ernte gewesen.20min/Lisa Arnold

Drei Generationen – doch so etwas zum ersten Mal

Müller befand sich gerade im Gewächshaus, wo er Tomaten angepflanzt hat, als es gegen 10 Uhr am Freitagmorgen losging: «Überall begannen die Scheiben zu brechen und das Glas kam von oben herunter», sagt Müller zu 20 Minuten. Daraufhin sei er unter einen Tisch geflüchtet – «aus Angst, dass mich das Glas noch erschlägt».

Im Glashaus wusste er bereits, dass die Lage schlecht aussah. Gewitter und Hagel kämen zwar immer wieder vor, doch dass es derart heftig herunterkomme und innerhalb weniger Minuten einen solchen Schaden anrichte, «haben weder ich noch mein Vater oder mein Grossvater je erlebt».

Auch auf Instagram zeigt Samuel Müller, der den Familienhof in Steinmaur führt, das Ausmass der Zerstörung. Was einen Tag zuvor noch wie ein grüner Blätterwald ausgesehen habe, besteht am Samstagnachmittag aus niedergedrücktem Laub. Sowohl die unreifen Kürbisse als auch jene, die bereits Form und Farbe angenommen hatten, sind kaputt. «Viele, die bereits gereift waren, sind nun vom Hagel eingeschlagen», sagt der Bauer im Video.

«Brutal» – gerade nach diesem Sommer

Der Zeitpunkt der Verwüstung sei denkbar schlecht. «Wäre das im Mai passiert, hätten wir nochmals neu ansäen können – nun ist es aber zu spät.» Das Gemüse sei zu diesem Zeitpunkt bereits weit entwickelt gewesen und damit dem Hagel direkt ausgesetzt. «Anders als beispielsweise Zuckerrüben wächst das Gemüse, das wir anpflanzen, nicht unter dem Boden», erklärt Samuel.

Das Feld jetzt so zu sehen, sei «brutal» – gerade nach diesem Sommer. «Wir haben so viel in die Kulturen investiert, es war ein äusserst strenger Sommer», sagt Müller. «Wir mussten so viel Wasser geben.» Ende August habe sich die Arbeit endlich auszuzahlen begonnen – «doch davon ist jetzt nicht mehr viel übrig».

Müller und sein Betrieb stehen nach dem Unwetter vor einem «Scherbenhaufen». Versichert sei höchstens ein kleiner Teil des Schadens. Wie es weitergeht, wüssten sie selber noch nicht genau. Klar sei aber: Alle Bauern in der Region seien betroffen.

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Josephine Schertenleib (jos), Jahrgang 2001, arbeitet seit September 2024 für 20 Minuten und ist Teil des Regionen-Teams.