9000 Hitzetote in einer Woche: Hausärzte rügen Untätigkeit der Regierung beim Hitzeschutz
Hitzetote in Deutschland häufen sich. Angesichts der hohen Todeszahlen in diesem Jahr werfen Ärztinnen und Ärzte der Bundesregierung Versagen vor. »Bis heute ist de facto nichts passiert«, sagte die Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Nicola Buhlinger-Göpfarth, der »Rheinischen Post« (Freitagsausgabe).
Sie äußerte sich anlässlich der Bekanntgabe neuer Daten des Robert Koch-Instituts (RKI), wonach in diesem Jahr in Deutschland bereits fast 12.000 Hitzetote zu verzeichnen sind. Davon starben laut RKI allein 9600 Menschen in der Hitzewoche ab dem 22. Juni.
Hitzetote »schockierend, aber leider nicht wirklich überraschend«
»Fast 10.000 Hitzetote infolge einer einzelnen Woche im Juni sind kein Warnschuss mehr. Der Ernstfall ist bereits eingetreten«, sagte Buhlinger-Göpfarth. Sie kritisierte das regelmäßige Verschwinden des Themas von der politischen Tagesordnung, sobald im Herbst die Temperaturen wieder sinken. Daher sei die hohe Zahl an Hitzetoten »schockierend, aber leider nicht wirklich überraschend«.
Dafür tadelte die Verbandsvorsitzende auch die Politik: »Wir sind in Deutschland sehr gut darin, Pläne und Absichtserklärungen zu diskutieren. Wenn es dann allerdings um die konkrete Umsetzung geht, wird es schnell still.«
Dies liege auch an den Kosten für Hitzeschutz, doch »mit gutem Willen allein wird sich nichts ändern«, polterte Buhlinger-Göpfarth. Die Bundesregierung müsse jetzt reagieren und dafür auch Geld in die Hand nehmen, forderte der Hausärztinnen- und Hausärzteverband.
»Neben den hausärztlichen Praxen müssen insbesondere auch die Pflegeheime in die Lage versetzt werden, ihre Bewohner vernünftig gegen Hitze zu schützen«, verlangte Buhlinger-Göpfarth. Vielerorts sei das nicht der Fall, wie Ärztinnen und Ärzte bei Heimbesuchen immer wieder erlebten.
Hitze führt in Krankenhäusern zu hohen Temperaturen in Patientenzimmern, schweißtreibender Schutzkleidung und ermatteten Pflegern. Deutschlands Kliniken sind für Hitzewellen kaum gerüstet. Eine Berliner Klinik zeigt, wie es anders geht. Mehr dazu lesen Sie hier .