Aachener Tierpark hat die jüngste Zoodirektorin Deutschlands: Was Janine Dötzer ändern will
Das Zwei-Finger-Faultier hängt am Ast und streckt den Kopf ganz weit nach vorn, um Janina Dötzer das Futter aus der Hand zu nehmen. "Die haben ganz schön spitze Eckzähne", weiß die neue Zoo-Direktorin, "da muss man aufpassen."
Mit 31 Jahren ist die gebürtige Forcheimerin derzeit die jüngste Zoo-Direktorin Deutschlands und will auch den Tierpark in Aachen etwas verjüngen mit einem neuen Konzept. Und das geht schon beim Füttern los. Denn die Fütterungs-Aktion erfüllt gleich zwei Zwecke in der neuen Ausrichtung des Aachener Tierparks, der sich auch Euregiozoo nennt. Zum einen lässt sich Janina Dötzer dabei für ein Social-Media-Video von einer Tierpflegerin filmen, zum anderen erklärt sie in dem Video das neue Tier-Training.
Aachener Tierpark: Tiere sollen ohne Narkose untersucht werden
Nein, mit Training wie beim Zirkus hat das Ganze nichts zu tun. "Früher musste man nahezu alle Tiere, vor allem die Wildtiere, erst betäuben, bevor man sie medizinisch untersuchen oder ihnen auch mal eine Spritze geben konnte", erklärt die Zoo-Direktorin, die auch studierte Tierärztin ist.
"Aber Narkose bedeutet Stress, und die Medikamente können auch die Nieren schädigen. Wir wollen darum jetzt auf eine neue Methode setzen, die darauf baut, dass die Tiere Berührungen und auch eine Spritze dulden." Janina Dötzer, Direktorin Aachener Tierpark
Darum war vor kurzem eine Tier-Trainerin aus dem Frankfurter Zoo zu Besuch, die den Pflegerinnen gezeigt hat, wie man nach und nach das Vertrauen der Tiere gewinnen kann. Mit Hilfe von Futter als Belohnung für Nähe. Den Eseln eine Wurmkur zu verpassen, ist schon jetzt kein Problem. Das geht auch ohne große Belohnung.
Bei anderen Arten wie den Weißschwanz-Stachelschweinen wird das aber noch eine ganze Weile dauern. Auch sie kommen zwar auf die 31-Jährige zu, um sich die Salatblätter zu schnappen. Ihre Stacheln haben sie dabei aber vorsichtshalber noch ausgefahren.
Euregiozoo: Erste festangestellte Tierärztin in Aachen
Seit fünf Jahren ist Janina Dötzer in Aachen. Die gebürtige Fränkin wollte schon als Kind Tierärztin werden: "Mit 10, 11 Jahren habe ich nach der Schule und in den Ferien bei unserem heimischen Tierarzt in der Praxis mitgeholfen." In Wien studierte sie Tiermedizin. 2021 kam sie in die Kaiserstadt, um zunächst die Zoo-Inspektorin zu vertreten, als die in Elternzeit war.
Dem damaligen Leiter Wolfram Graf-Rudolf gefiel ihre Arbeit aber so gut, dass er ihr anbot, als erste festangestellte Tierärztin in der Geschichte des Tierparks in Aachen zu bleiben. Als Graf-Rudolf im Winter in den Ruhestand ging, übernahm die damals 30-Jährige den Posten.
Social-Media-Videos, wenn Tier eingeschläfert werden muss
Ein anderes Ziel von Janina Dötzer ist es, die Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken, mit vielen Social-Media-Videos. "Wir arbeiten gerade an einer neuen, modernen Website und haben jetzt auch einen Tik-Tok-Kanal", erzählt sie, "wir wollen den Menschen alles zeigen, was in einem modernen Zoo passiert, auch hinter den Kulissen, außerhalb der Öffnungszeiten."
Transparenz nennt sie das. "Und das betrifft auch die nicht so schönen Dinge, wenn mal ein Tier krank ist oder stirbt oder sogar eingeschläfert werden muss", sagt sie, "auch darüber sollte man offen sprechen, um Missverständnissen vorzubeugen und vor allem aufzuklären. Denn ein Teil unserer Pflichten als Zoo ist die Bildung und Aufklärungsarbeit."
Aachener Tierpark: Zuchtprogramme für bedrohte Tierarten
Besonders am Herzen liegt ihr der Artenschutz. Derzeit beteiligt sich der Aachener Tierpark an 21 europäischen Zuchtprogrammen zur Erhaltung bedrohter Tierarten. Eine davon ist der Waldrapp. Eine Vogelart, die zu den Ibissen gehört, und bis vor wenigen Jahrhunderten im Alpenraum zu Hause war. Inzwischen werden die Tiere dort wieder angesiedelt. Dank der Nachzüchtungen in Zoos.