Abenteuer nach dem Abitur: Jakobsweg statt Fernreise – Saarbrücker pilgert 780 Kilometer nach dem Abi

Abenteuer nach dem Abitur Jakobsweg statt Fernreise – Saarbrücker pilgert 780 Kilometer nach dem Abi

Saarbrücken · 780 Kilometer zu Fuß durch Spanien: Paul Kohler (19) aus Saarbrücken pilgert auf dem Jakobsweg. Er erzählt, was unbedingt in den Rucksack gehört – und warum er an einem bestimmten Tag gar keine Lust mehr hatte.

08.10.2026 , 21:40 Uhr

Paul Kohler (19) aus Saarbrücken ist zurzeit auf dem Jakobsweg unterwegs.

Foto: Paul Kohler

Abi in der Tasche und ab nach Südostasien oder Australien: So gestalten immer mehr Abiturienten die ersten Monate nach der Schule. Ganz anders verbringt der 19-jährige Paul Kohler aus Saarbrücken diese Zeit. Seit Anfang September pilgert er auf dem Jakobsweg. 780 Kilometer zwischen Saint-Jean-Pied-de-Port (Frankreich) und Santiago de Compostela (Spanien) legt der Saarbrücker zu Fuß zurück.

„Die Idee hatte ich vor ungefähr einem Jahr, als ich überlegte, was ich direkt nach der Schule machen wollte“, sagt er. Für diese Idee konnte er auch zwei Mitschüler begeistern, die die ersten 170 Kilometer mit ihm gelaufen sind, bevor sie zum Studium wieder nach Deutschland zurückkehrten. Auch von seinen Eltern kam uneingeschränkte Unterstützung für sein Vorhaben. „Sie kennen mich, sie wissen, dass ich erfahren im Wandern bin und meine Grenzen kenne“, meint er.

Gewandert ist Paul Kohler immer schon gerne. Zum Beispiel bei einer Alpenüberquerung. Doch die 780 Kilometer lange Strecke ist schon eine besondere Herausforderung. Den Jakobsweg hat er nicht aus religiösen Gründen ausgewählt. „Für mich ist dieses Abenteuer aber synonym für Freiheit. Einfach loslaufen, etwas Neues erleben, ohne Termindruck, ohne irgendwas mit irgendjemandem absprechen oder eine Unterkunft im Voraus buchen zu müssen“, sagt er. Und noch ein handfester Vorteil spricht für den Pilgerpfad: „Gegenüber teuren Fernreisen ist das deutlich günstiger“, merkt Paul Kohler an.

Günstiger als eine Weltreise ist das Pilgern auf jeden Fall. Geschlafen wird in Gemeinschaftsunterkünften, aufgewacht wird gegen 5.30 Uhr – „eigentlich, wenn die ersten aufstehen, sind dann alle wach“. Kurz nach Sonnenaufgang marschiert Kohler los, meistens bis 14 oder 15 Uhr. Dann macht er sich auf der Suche nach der nächsten Pilgerherberge und ruht sich nachmittags aus. „Ich treffe auch immer wieder Menschen, mit denen ich ein Stück mitgewandert bin. Sie kommen aus den USA, aus Afrika, aus Norwegen. Natürlich sind auch viele Spanier dabei“, sagt er.

Über die Hälfte des Weges hat er schon zurückgelegt. Und er ist selbst überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Tage und die Kilometer so schnell rumgehen.“ Der Weg sei abwechslungsreich, durch Berge, Wälder und Felder und die umfangreiche Vorbereitung in den Monaten davor habe sich bei ihm ausgezahlt. Hänger habe es aber natürlich auch gegeben. „An einem Tag bin ich 20 Kilometer in der prallen Hitze hinter der Leitplanke der Autobahn gewandert. Da war ich ziemlich fertig und hatte abends gar keine Lust mehr“, berichtet er. „Doch das ist das Gute, wenn man allein unterwegs ist. Wird es einem an einem Tag zu viel, macht man an einem Ort einfach länger Pause, bevor es weitergeht.“

Ob an guten oder schlechten Tagen, unverzichtbar sei die richtige Ausrüstung. Für Kohler dürfen ein warmer Schlafsack und ein Regenponcho im Rucksack nicht fehlen. „Und natürlich das Wichtigste: Wanderschuhe, die gut eingelaufen sind“, sagt er.

Ein festes Datum, wann er am Ziel ankommen will, hat er nicht. Als Einziges steht fest: Spätestens Anfang November wird er wieder in der Heimat sein. Bis Ende Februar wird er an einer Saarbrücker Grundschule Erstklässler unterstützen. Danach geht es Richtung Nordsee, um dort als Rettungsschwimmer zu arbeiten. Die Kondition dürfte nach dem Jakobsweg kein Problem sein. (oli)