„Nicht fair behandelt“: Star-Trek-Star vermutet Trump-Umfeld hinter Aus von Starfleet Academy

Nach nur zwei Staffeln ist für Star Trek: Starfleet Academy Schluss. Eine zweite Staffel erscheint überhaupt nur, weil Paramount+ die Serie bereits vor ihrem Start verlängert hatte. Das ist seit März bekannt. Damals wurden die schwachen Streaming-Zahlen als Absetzungsgrund angeführt. Dass der Vertrag zwischen Alex Kurtzman beziehungsweise seiner Produktionsfirma Secret Hideout und Paramount im laufenden Jahr endet, dürfte einer Verlängerung ebenfalls nicht zuträglich gewesen sein.

Voyager-Veteran Robert Picardo, der in Starfleet Academy als über 800 Jahre altes MHN zurückgekehrt war, beklagte bereits im Juli, Paramount habe die Serie nicht anständig beworben. Nun bringt der Darsteller gegenüber dem Guardian das Aus mit dem politischen Klima in den USA und den neuen Eigentumsverhältnissen bei Paramount in Verbindung.

Abgesetzt: Picardo vermutet politische Entscheidung

Robert Picardo bezieht sich dabei auf öffentliche Angriffe auf Starfleet Academy. So hatte Stephen Miller, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus und enger Vertrauter Donald Trumps, einen Ausschnitt aus der Serie als „tragisch“ bezeichnet. Es sei noch nicht zu spät für Paramount+, das Franchise zu retten. „Schritt 1: Versöhnt euch mit William Shatner und gebt ihm die vollständige kreative Kontrolle.“ Shatner hatte darauf seinerzeit sogar geantwortet – und sich über Miller lustig gemacht. Miller erhielt für seine Kritik an der angeblichen Wokeness der Serie jedoch auch Unterstützung: unter anderem vom Tech-Milliardär Elon Musk.

Bewiesen ist damit nichts. Picardo hält es jedoch für auffällig. „Seien wir ehrlich: Wenn sich jemand aus den höchsten Kreisen der Regierung und auch noch Elon Musk am selben Tag gegen uns stellen – glaube ich dann, dass es ein Zufall ist, dass die neuen Eigentümer von Paramount unsere Sendung sofort gestrichen haben, sobald sie die Gelegenheit dazu hatten? Wir sind nicht fair behandelt worden. Wir wurden in der Wiege getötet“, sagte Picardo gegenüber dem Guardian. Oder etwas verständlicher: Die Serie sei beseitigt worden, bevor sie überhaupt die Chance hatte, sich richtig zu entwickeln.

Die von Picardo hergestellte Verbindung ist zumindest auf dem Papier nicht ganz aus der Luft gegriffen. Paramount steht seit der Fusion mit Skydance unter der Führung von David Ellison. Dessen Vater, Oracle-Mitgründer Larry Ellison, gilt als Verbündeter Donald Trumps. Bei David Ellison gestaltet sich die Situation differenzierter: 2024 spendete er noch fast eine Million Dollar für die Wiederwahl Joe Bidens. Inzwischen pflegt jedoch auch der Paramount-Chef persönlichen Kontakt zu Trump. Im April 2026 veranstaltete er laut New York Times ein Dinner zu dessen Ehren.

Der klingonische Kadett Jay-Den Kraag und das MHN.
Bildquelle: Paramount, Montage

Der klingonische Kadett Jay-Den Kraag und das MHN.

Picardo kritisiert zudem, dass Starfleet Academy unter anderem wegen eines schwulen Klingonen angegriffen wurde. „Haben sich viele Leute deswegen zu sehr aufgeregt? Ich finde: Nehmt euch mal nicht so ernst! Es scheint eine Bewegung zu geben, die uns zurück in die 1950er-Jahre treiben will. Bei Star Trek dreht sich alles um die Zukunft, nicht um eine Rückkehr in die Vergangenheit.“

„Vielfalt als Stärke ist etwas, das sich wie ein roter Faden durch alle Star-Trek-Serien zieht und dort gefeiert wird", so Picardo. Die Serien könnten zwar selbst sehr unterschiedlich sein, die Bedeutung der Vielfalt habe sich seit dem Jahr 1966 jedoch nie geändert. „Wären sie alle homogen zusammengesetzt, könnten sie den Herausforderungen, denen sie im Kosmos begegnen, nicht ebenso wirkungsvoll begegnen.“

Es gibt allerdings eine einfachere Erklärung

Belege für eine politisch motivierte Absetzung nennt Picardo nicht. Eines lässt sich aus den verfügbaren Daten aber ableiten: Starfleet Academy war beim Publikum kein großer Erfolg. So verfehlte die Serie bereits mit ihrer Doppelfolge zum Start die Nielsen-Top-10 der Streaming-Originals. Dabei handelt es sich um ausdifferenzierte Charts nur für Streaming-Originals und nicht etwa um die Streaming-Top-10 insgesamt. Strange New Worlds hatte es mit Staffel 3 noch auf Platz 7 und 471 Millionen gestreamte Minuten geschafft. Doch inzwischen schwächelt auch diese Serie: Der Auftakt der vierten Staffel verfehlte die Nielsen-Top-10 ebenfalls.

Bei IMDb liegt Starfleet Academy derzeit bei nur 4,6 von 10 Punkten. Auf Rotten Tomatoes stehen guten Kritikerbewertungen von 84 Prozent lediglich 52 Prozent beim Publikum gegenüber. Es mag durchaus sein, dass Nutzerwertungen durch politisch motiviertes Review-Bombing verzerrt wurden. Die schwachen Streaming-Zahlen lassen sich damit allerdings nicht erklären.

Zudem können politisch aufgeladene Debatten Bewertungen auch in die andere Richtung verzerren. Nach der Absetzung verbreitete sich in sozialen Medien etwa die nun erneut von Picardo genannte Vermutung, Starfleet Academy sei aus politischen Gründen eingestellt worden, weil die Serie Paramount zu divers gewesen sei. Das wiederum weckte Sympathien im entgegengesetzten Lager.

Hinzu kommt, dass inzwischen selbst Strange New Worlds schwächelt. Die Serie war beim Publikum lange deutlich beliebter, wird seit Staffel 3 aber ebenfalls schlechter bewertet und ist in den Nielsen-Charts zuletzt zurückgefallen beziehungsweise aus den Top 10 verschwunden. Staffel 4 erntet zunehmend Kritik – und das nicht wegen ihrer Diversität, sondern wegen des Überhangs an Gimmickfolgen. Es deutet einiges darauf hin, dass das Problem der Ära Kurtzman inzwischen größer ist als Starfleet Academy allein.

Robert Picardos Doktor existiert gewissermaßen doppelt. In der Voyager-Folge „Living Witness/Der Zeitzeuge“ wird eine Sicherungskopie seines Programms rund 700 Jahre später wieder aktiviert. Er hilft dabei, die Geschichte der Kyrianer und Vaskaner ins rechte Licht zu rücken, und dient ihnen noch Jahre als chirurgischer Kanzler, bevor er sich wieder auf den Weg in Richtung Heimat macht. Es gab sogar die Idee, beide Doktoren in Starfleet Academy aufeinandertreffen zu lassen. Doch dazu kommt es nun nicht mehr.

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Quelle: The Guardian