Trump bringt Falkland-Konflikt zum Brodeln – Milei nutzt die Gunst der Stunde für Wahlkampf: „Grönland des Südens“
„Abkehr von historischen Alliierten“: Wie Trump Großbritannien mit argentinischen Inseln ärgert
Stand: 15.09.2026, 18:41 Uhr
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Der Konflikt um Inseln vor Argentinien flammt auf. Während Trump seinen Frust gegen London ausspielt, macht Kettensägen-Präsident Milei bereits Wahlkampf.
Buenos Aires, Argentinien – Als argentinische Nationalspieler nach dem Sieg gegen England im Halbfinale der Fußball-WM ein Banner mit der Aufschrift „Las Malvinas son Argentinas“ (deutsch: die Malwinen sind argentinisch) ausrollten, wusste in Deutschland kaum jemand, worum es geht. Die beiden Inseln, um die es geht, sind, wenn überhaupt, unter dem Namen Falklands bekannt – ein Name, den die Briten den Inseln gegeben haben, nachdem sie sie 1833 besetzt hatten. Geopolitisch sind sie vordergründig wegen ihrer Funktion als Tor zur Antarktis und der nahgelegenen Ölfelder interessant, die bisher von britischen und israelischen Firmen erschlossen werden. Die Frage nach der rechtmäßigen Hoheit über die Inseln ist alt. Während etwa Russland und China die argentinische Hoheit unterstützen, waren die USA bisher immer neutral. Ändert sich das?
Am 31. August wurde Donald Trump von einer britischen Journalistin gefragt, ob er seine neutrale Position gegenüber der britischen Präsenz auf der Insel hinterfrage. Trump antwortete, dass er immer seine Positionen hinterfrage und die Malwinen „wirklich sehr weit weg“ vom britischen Festland seien. Trump nutzte das Thema, um die Briten zu mehr NATO‑Ausgaben zu drängen, und warf ihnen vor, die USA im Konflikt mit Iran um die Straße von Hormus alleine gelassen zu haben. Offiziell ist die Position der USA gegenüber den Briten auf den Malwinen nach wie vor neutral, aber das Wort von Trump bringt eine neue Dynamik in die Debatte. Auch weil er selbst strategisches Interesse in der Region hat, die als „Grönland des Südens“ bezeichnet wird. Bereits Anfang des Jahres landete eine unregistrierte Boing C-40 Clipper des US-Pentagons in Ushuaia, von dessen Hafen der Zugang zur Antarktis kontrolliert wird.
Falklands oder Malvinas? „Der Krieg war ein Ablenkungsmanöver der Diktatur“
In der argentinischen Debatte ist das Thema vielschichtig. Vor allem linke Gruppen fordern von den Briten, die Inseln zurückzugeben. Der rechtslibertäre Präsident Javier Milei, der als Bewunderer von Margaret Thatcher und der britischen Macht bekannt ist, vertrat bisher eher die Idee, dass die Briten auf der Insel selbst entscheiden sollen. Eine umstrittene Position, weil gerade die britischen Bewohner von vielen Argentiniern als Teil der Besetzer wahrgenommen werden, die die argentinische Bevölkerung dort vertrieben hatten. In den vergangenen Wochen pochte Milei dann aber überraschenderweise immer wieder auf die nationale Souveränität Argentiniens und äußerte sich kritisch gegenüber der britischen Besetzung. Viele sehen diese 180-Grad-Wendung als Ablenkungsmanöver von der instabilen politischen und wirtschaftlichen Situation des Landes – das weckt in Argentinien Erinnerungen.
Zum politischen Streitthema wurden die Inseln in Argentinien vor allem nachdem die letzte argentinische Militärdiktatur einen Krieg gegen Großbritannien anzettelte, den sie verlor und der rund 750 Argentiniern das Leben kostete. Die meisten davon junge Männer, die mit marginaler militärischer Ausbildung und Ausrüstung im Rahmen des Pflichtdienstes an die Front dieses ungleichen Krieges geschickt wurden. Einer der jungen Männer, der den Horrortrip überlebte, ist Luis Aparicio. „Der Krieg war ein Ablenkungsmanöver der Diktatur“, sagt er. Und: „Das Gleiche macht Milei heute.“
Argentiniens Präsident Javier Milei nutzt emotionalen Insel-Konflikt
Für ihn ist Mileis Meinungsänderung primär ein Wahlkampfmanöver, rund ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl 2027. Denn mit der Frage der Malwinen und der argentinischen Souveränität erreicht man einen emotionalen Nerv in Argentinien. „Die Malwinen sind von außen gesehen ein komisches Phänomen“, sagt er. Als der heute 62-Jährige von der argentinischen Diktatur 1982 in den Krieg auf die Inseln geschickt wird, hatte er gerade begonnen, Maschinenbau zu studieren. Wie die meisten seiner Kompanen war er kein Soldat. Seine einzige Vorbereitung sei ein Grundkurs von 1981 gewesen. Niemand hatte sie auf den brutalen Krieg vorbereitet. Er erzählt heute davon, dass die englischen gegnerischen Soldaten fassungslos gewesen seien, als sie hörten, dass er eigentlich an der Uni studierte. Sie hätten ihn gefragt: „Was zur Hölle machst du hier?“

Mileis aktuelle Politik sei genauso überraschend wie der Krieg der Diktatur damals. Es sei eine Abkehr von den Alliierten der vergangenen Jahre wie Russland oder China und eine weitere Zuwendung Richtung USA. „Plötzlich sind wir mit der brutalsten imperialistischen Macht aliiert“, sagt er. Aparicio ist heute Sekretär des CECIM, eines Zentrums ehemaliger Soldaten und Kriegsveteranen des Falklandkriegs in der argentinischen Stadt La Plata, das sich für die Aufarbeitung der Verbrechen der Diktatur und gemeinsam mit Umweltorganisationen gegen illegale Ölbohrungen bei den Falklandinseln einsetzt.
Ölfelder im Meer und Tor zur Antarktis – die Inseln sind mehr als nur ein Identitätskonflikt
Das CECIM hat gemeinsam mit Umweltjuristen eine Klage vor dem argentinischen Bundesgericht eingereicht. Das Ziel ist, das von ausländischen Firmen (wie Rockhopper Exploration und Navitas Petroleum) betriebene Ölprojekt „Sea Lion“ im argentinischen Festlandsockel zu stoppen. CECIM argumentiert, dass diese Bohrungen ohne die nach argentinischem Recht erforderlichen Umweltverträglichkeitsprüfungen und ohne Genehmigung stattfinden, was die Souveränität des Landes verletzt.
Donald Trump redet eigentlich nicht mit uns, sondern mit den Engländern.
Außerdem fordert CECIM einen offiziellen Protest gegen Chile. Hintergrund ist eine neue Seeroute zwischen Punta Arenas (Chile) und den Falklandinseln. Dass Javier Milei nun kurzfristig ähnliche Dinge fordert, sei mit Vorsicht zu betrachten. Der argentinische Präsident schmücke sich mit Errungenschaften, die er zuvor selbst abschaffen wollte, wie dem Gesetz zum Umweltschutz rund um die Ölförderung oder dem Bau einer argentinischen Militärbasis. „Uns beunruhigt das, Milei hält die Menschen für blöd“, sagt Aparicio. Milei selbst habe etwa das Landgesetz abgeschafft, wodurch private Investoren weniger an Umweltschutz und soziale Standards gebunden seien.
Ist die aktuelle Unruhe dennoch eine Möglichkeit, die in Argentinien so sehr herbeigesehnten Malwinen zurückzubekommen? Aparicio bleibt skeptisch. Er wisse trotz der rhetorischen Unterstützung des US-Präsidenten nicht, ob diese Kehrtwende tatsächlich etwas ändere. „Donald Trump redet eigentlich nicht mit uns, sondern mit den Engländern“, sagt er. Und Präsident Milei versuche mit dem Thema, neben seinem Fokus auf Makroökonomie und privates Kapital, ein populäres Thema aufzugreifen. Die UN-Generalversammlung stellte bereits 1965 fest, dass die Inseln Teil einer kolonialen Situation sind, und mahnte zu einer friedlichen Lösung. Das war vor dem letzten bewaffneten Konflikt um die Inseln. (lm)