AfD-Spitze fordert Ende von NRW-Landesparteitag
Verhärtete Fronten AfD-Spitze fordert Ende von NRW-Landesparteitag
Stand: 16.07.2026 • 21:35 Uhr
Der Streit um den AfD-Listenparteitag vom vergangenen Wochenende eskaliert. Der Bundesvorstand hat eine Krisensitzung abgehalten und fordert den Abbruch. Am Freitag soll die Wahl zur Landtagsliste in Marl fortgesetzt werden.
Von Christoph Ullrich
Am Sonntag hatten Gegner des AfD-Landeschefs den Parteitag blockiert. Zuvor waren auf die Liste zur Landtagswahl 2027 fast ausschließlich Kandidierende aus dem Lager des Landeschefs aufgestellt worden.
Deshalb hatten vor allem rechtsextreme Kräfte aus dem selbsterklärten "patriotischen Lager" beschlossen, Sand ins Getriebe des Parteitags zu schütten. 21 Listenplätze waren zu dem Zeitpunkt gewählt - sie garantieren bei den aktuellen Umfragewerten ein sicheres Landtagsmandat nach der Wahl 2027.
Als am Sonntag Platz 22 aufgerufen wurde, nominierte das patriotische Lager fast 100 Kandidaten. Die Folge: Am Sonntag konnte wegen der daraus folgenden, stundenlangen Vorstellung der Platz nicht abschließend gewählt werden.
Hinter der Aktion wurde vor allem der stellvertretende Bundeschef der AfD, Sven Tritschler, vermutet. Dieser hatte eine Chatgruppe gegründet, in der die massenhafte Kandidatur koordiniert wurde.
Vincentz spricht von "Antifa-Auswüchsen" in der AfD
Ein Vemittlungsverfahren zwischen den Lagern scheiterte am Mittwoch nach wenigen Minuten. Landeschef Martin Vincentz setzte daraufhin ein Schreiben an den Bundesvorstand auf und griff darin Parteichefin Alice Weidel an.
Martin Vincentz bei der Listenaufstellung der AfD am 10.07.2026 in Marl
"Wir sind darüber hinaus fassungslos, dass eine Bundessprecherin sich nicht klar von derartigen undemokratischen, Antifa-ähnlichen Auswüchsen distanziert", schrieb er im Namen seines NRW-Vorstandes.
Am Donnerstagabend hat es deshalb eine Krisensitzung des AfD-Bundesvorstandes gegeben. Dort haben die Anhänger Weidels eine deutliche Mehrheit gegenüber ihrem Co-Chefs Tino Chrupalla - er wird von Vincentz unterstützt.
Abbruch wegen vermeintlicher Drohungen gefordert
Nach der Sitzung einigte man sich auf einen Brief mit einer deutlichen Bitte an den größten Landesverband. Darin heißt es: "Der Bundesvorstand fordert den Landesvorstand auf, unmittelbar nach der Fortsetzung der Versammlung darauf hinzuwirken, dass diese wegen der existierenden Risiken abgebrochen wird."
Begründet wird dies mit vermeintlichen Drohungen gegen Delegierte, wenn sie die falschen Kandidaten wählen würden. Davon wurden mehrere von den Betroffenen am Sonntag zu Protokoll der Sitzung gebracht, aber nicht belegt. Der Vorstand um Weidel und Chrupalla sieht darin aber eine Gefahr für die Rechtmäßigkeit der bisherigen Wahlen.
Eigentlich sollte es am Freitag in Marl weiter gehen. Vincentz-Gegner hatten dazu weitere Blockaden angekündigt, der Landeschef Vincentz dagegen zeigte sich davon bisher unbeeindruckt.
Lösung trotzem nicht in Sicht
Auch jetzt ist nicht mit einer Lösung zu rechnen. Landeschef Vincentz wollte sich unmittelbar nach der Forderung nicht äußern. Aus dem Bundesvorstand ist von einem Alleingang die Rede, allerdings heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass es nicht zu einem Abbruch kommen wird.
Es sei damit zu rechnen, dass man über den Abbruch abstimmen lasse, aber es dafür keine Mehrheit gibt und die Wahlen fortgesetzt würden. In diesem Fall wären dem Bundesvorstand die Hände gebunden - selber den Stopp der Versammlung anordnen kann er rechtlich nicht.
Quellen:
- Informationen des WDR-Reporters
- Brief Martin Vincentz
- Mitteilung des AfD-Bundesvorstands
- Bisherige WDR-Berichterstattung über den AFD-Listenparteitag
Sendung: WDR.de, "AfD-Spitze fordert: NRW-Landesparteitag abbrechen", 16.7.2026, 20.54 Uhr