Revolut ist nun so wertvoll wie Deutsche Bank und Commerzbank zusammen

Europas am schnellsten wachsende Bank Revolut hat einen Aktienverkauf ihrer Mitarbeiter gestartet, bei dem das Unternehmen mit 115 Milliarden Dollar (gut 100 Milliarden Euro) bewertet wird. Das entspricht einem Anstieg um mehr als 50 Prozent gegenüber der Bewertung von 75 Milliarden Dollar, die Revolut im vergangenen Jahr erreicht hatte. Das erst 2015 gegründete Fintech-Unternehmen mit Hauptsitz in London ist damit eine der zehn wertvollsten Banken Europas geworden. Sie ist fast so viel wert wie Deutsche Bank und Commerzbank zusammen.

Revolut bescheinigt eine Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg gegenüber der F.A.Z. „Wir können bestätigen, dass derzeit ein Secondary Share Sale zum Verkauf von Anteilen läuft“, sagte ein Sprecher. Wie in solchen Fällen üblich, kommentiere das Unternehmen die Details nicht, solange der Prozess noch andauere. Laut dem Bloomberg-Bericht können die Mitarbeiter ihre Anteile an Investoren zum Kurs von 2017 Dollar je Aktie verkaufen. Viele der Mitarbeiter, die schon länger im Unternehmen beschäftigt sind und frühzeitig Aktien erhielten, dürften damit Millionäre geworden sein. Vorstandschef Nik Storonsky ist der größte Aktionär, sein persönliches Vermögen dürfte durch die jüngste Höherbewertung auf deutlich über 20 Milliarden Dollar gestiegen sein.

Revolut wurde vor gut einem Jahrzehnt vom russischstämmigen Storonsky und dem ukrainischen Programmierer Vlad Yatsenko gegründet. Die Onlinebank hat in zehn Jahren mehr als 75 Millionen Kunden weltweit gewonnen, davon mehr als drei Millionen in Deutschland. Gegenwärtig kommen etwa alle 20 Tage eine Million Kunden hinzu. Ziel von Revolut-Vorstandschef Storonsky ist es, bis Mitte 2027 die Marke von 100 Millionen zu überschreiten.

Börsengang bis Ende 2028 geplant

In einer internen Mitteilung zum Aktienverkauf schrieb Storonsky, die Dynamik von Revolut in den vergangenen zwölf Monaten, die Fundamentaldaten und die Expansion in neue Märkte hätten eine starke Nachfrage von Investoren ausgelöst. Storonsky sagte im April, dass ein Börsengang in den nächsten zwei Jahren geplant sei. Laut internen Überlegungen wird dabei eine Bewertung von bis zu 200 Milliarden Dollar angepeilt.

Mit einer Bewertung von 100 Milliarden Euro stünde Revolut derzeit auf dem achten Platz der zehn wertvollsten Banken Europas. Wertvollstes Finanzinstitut mit umgerechnet gut 310 Milliarden Euro Börsenwert ist die britische HSBC, die einen starken Asien-Schwerpunkt besitzt. Sie hat deutlichen Abstand gegenüber der spanischen Santander (173 Milliarden Euro) und der Schweizer UBS Group (151 Milliarden Euro). Auf den Plätzen vier bis sieben liegen BBVA (127 Milliarden Euro), Unicredit (124 Milliarden Euro), BNP Paribas (117 Milliarden Euro) und Intesa Sanpaolo (113 Milliarden Euro).

Die Deutsche Bank kommt aktuell auf knapp 60 Milliarden Euro Börsenwert, die Commerzbank auf gut 43 Milliarden Euro. Beide beschäftigen deutlich mehr Mitarbeiter als Revolut. Die Commerzbank zählt 40.000 Beschäftigte, die Deutsche Bank fast 90.000. Die Digitalbank beschäftigt gerade einmal 20.000 Mitarbeiter.