Alina Maksymenko, Pharmazeutin – „Wir werden alle Hindernisse überwinden“
KI-Stimme. Info
An diesem sonnigen Sommertag sitzt Alina Maksymenko, 38, vor einem Café im Solmiansky-Bezirk. Es hat auch heute wieder Luftalarm gegeben, aber anscheinend sind keine russischen Raketen oder Drohnen im Anflug. Zeit, über das Geschäft zu sprechen, das sich Alina aufgebaut hat.
Sie ist Gründerin und Mitinhaberin der Kosmetikmarke M2O, einem jungen Unternehmen, das Produkte für die Gesichts-, Haar- und Körperpflege herstellt. Was sie von anderen Kosmetikunternehmen unterscheidet? Alina antwortet lächelnd und im besten Marketing-Slang: „Wir wollen nicht das Aussehen von Frauen verändern, sondern ihren Charakter unterstützen.“
Als die russische Invasion im Februar 2022 über die Ukraine hereinbricht, fliehen viele Frauen mit ihren Kindern ins Ausland. Andere bleiben. Der Krieg prägt ihren Alltag und hat ihre Lebenswirklichkeit dramatisch verändert. Nichts ist mehr wie vorher. Sieben Frauen erzählen in unserer Serie, was der Krieg mit ihnen gemacht hat – und wie sie die Rolle von Frauen sehen.
Der Mut, etwas Eigenes zu schaffen
Alina stammt aus dem Saporischschja im Süden der Ukraine. Sie absolviert an der medizinischen Universität in der Regionalhauptstadt ein Pharmazie-Studium, arbeitet danach beim „Smart City Project“, das Ideen für die Städte der Zukunft entwickelt. „Ich habe aber immer gemerkt, dass ich etwas anderes machen möchte.“ Sie interessiert sich seit jeher für Kosmetik, sagt sie. Weil sie kein Hautpflege-Produkt findet, das ihr gefällt, entwickelt sie selbst eines.
Sie sagt, das sei typisch für ihr Land. „Die Ukrainer sind sehr innovativ. Das sieht man auf den Dörfern. Dort machen die Menschen alles für sich selbst.“ Ihr Großvater lebt im seit 2022 besetzten Teil der Region Saporischschja. „Er kommt gut zurecht, er hat einen Generator und eine kleine Bäckerei. Er ist autonom.“ Ihre Kolleginnen sind begeistert. Die Idee eines eigenen Unternehmens beginnt zu reifen. Sie macht sich an die Arbeit.
Auch interessant

Wachstum trotz des Krieges
„Meine Eltern haben mir das erste Geld gegeben. 2017 habe ich meine Firma gegründet.“ Sie zieht in die Hauptstadt. Das Unternehmen wächst schnell, auch, weil die Regulierung in der Ukraine zu diesem Zeitpunkt locker ist. Alina arbeitet mit lokalen Labors, lässt einfache Produkte mit Inhaltsstoffen auf natürlicher Basis herstellen. „Tierversuche lehne ich ab.“
Die Produktpalette wächst, auch die Zahl der Mitarbeitenden. Als die russische Invasion im Februar 2022 beginnt, ist es Schock: „Ich war sehr besorgt. Es war schwer, das zu begreifen.“ Sie flieht mit ihrem Sohn und ihrem damaligen Mann ins westlicher gelegene Winnyzja. Nach einem Monat ist sie wieder in der Hauptstadt. „Ich wollte unbedingt zurück nach Kiew, und wir haben die erste Gelegenheit genutzt.“ Es geschieht etwas, das erstaunlich ist: „Wir konnten unser Wachstum deutlich beschleunigten, da unsere Kunden den in der Ukraine hergestellten Produkten sehr treu waren.“
„Ich glaube, dass wir in einem friedlichen Land leben werden“
Ein Jahr später beschließt sie aber, die Kosmetikproduktion nicht weiter auszubauen, sondern auszulagern. Das Risiko ist zu hoch, dass Raketen oder Drohnen in die Produktionsstätten einschlagen. „Diese Entscheidung war eine direkte Folge des Krieges.“ Heute beschäftigt sie neben den allgegenwärtigen Gefahren des Krieges vor allem die zunehmende Regulierung in der Ukraine: „Am 3. August tritt ein neues Gesetz in Kraft, laut dem alle Produkte zertifiziert werden müssen.“ Das könnte ein Hemmschuh für weiteres Wachstum sein, befürchtet sie.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Alina glaubt, dass Frauen in diesem Krieg eine große Verantwortung tragen. „Es ist schwierig und gleichzeitig motivierend, denn jede von uns hat ihre Aufgabe, alles zu tun, um die gute Atmosphäre im Land zu erhalten, die auch nach Kriegsende weiterbestehen, gedeihen und sich entwickeln wird.“ Trotz aller Schrecken bleibt sie eine Optimistin: „Ich glaube, dass wir alle Hindernisse überwinden und in einem friedlichen Land leben werden.“