Alkohol und Krebs: Warum die Todesfälle in den USA steigen

Stand: 21.09.2026, 19:14 Uhr

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Alkohol wird in den USA für immer mehr Krebstodesfälle verantwortlich gemacht, obwohl die Krebssterblichkeit insgesamt sinkt. Eine Gruppe fällt auf.

Miami – Die Zahl der Krebstodesfälle in den Vereinigten Staaten, die vermutlich auf Alkoholkonsum zurückgehen, hat sich von 1990 bis 2023 verdoppelt – besonders bei Männern und Menschen ab 55 Jahren. Das geht aus einer in diesem Monat veröffentlichten Studie der University of Miami hervor und ergänzt zahlreiche jüngere Untersuchungen, die auf die gesundheitlichen Risiken von Alkoholkonsum hinweisen.

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Im Jahr 2023 starben der Studie zufolge etwa 23.126 Menschen an alkoholbedingtem Krebs, gegenüber 11.361 im Jahr 1990. Die Forscher nutzten dafür eine globale Datenbank zur Krankheitssterblichkeit und Schätzungen des Alkoholkonsums in der Bevölkerung. Alkohol spielte in den vergangenen Jahrzehnten eine größere Rolle als Krebsursache, während die Krebssterblichkeit insgesamt zurückging, heißt es in der Studie.

Frauen trinken Rotwein (Symbolbild).

Frauen trinken Rotwein (Symbolbild). © Westend61/Imago

„Obwohl die Krebssterblichkeit insgesamt bei einigen dieser Krebsarten zurückging, stieg die alkoholbedingte Sterblichkeit“, sagte Chinmay Jani, Assistenzarzt in der Hämatologie und Onkologie am Sylvester Comprehensive Cancer Center der University of Miami und einer der Autoren der Studie. „Das bedeutet, dass Alkohol als Risikofaktor im Jahr 2023 für mehr Krebstodesfälle verantwortlich war als 1990.“

Welche Krebsarten werden mit Alkoholkonsum in Verbindung gebracht?

Beim Abbau von Alkohol im Körper entstehen Chemikalien, die die DNA schädigen und Krebs verursachen können. Alkohol kann außerdem den Hormonspiegel beeinflussen, etwa den Östrogenspiegel, und dadurch Brustkrebs begünstigen. Die meisten alkoholbedingten Krebstodesfälle entfielen der Studie zufolge 2023 auf Leber-, Speiseröhren- und Darmkrebs. Besonders bei jüngeren Menschen trat Darmkrebs in den vergangenen Jahren häufiger auf, wie andere Untersuchungen zeigen.

Bei vielen Krebsarten führten Forscher im Laufe der Zeit einen größeren Anteil der Todesfälle auf Alkohol zurück, obwohl die Krebssterblichkeit insgesamt zurückging. Besonders deutlich war der Anstieg bei Menschen ab 55 Jahren. Alkohol steht in engem Zusammenhang mit mehreren Krebsarten, darunter Mund-, Rachen-, Leber- und Brustkrebs. Die Zusammenhänge mit anderen Krebsarten wie Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sind jedoch noch unklar, erklärten die Forscher. Die Studie zeigte zudem einen Zusammenhang zwischen Todesfällen durch diese Krebsarten und Alkoholkonsum. Das könne weitere Untersuchungen rechtfertigen, sagte Jani.

Zudem unterschieden sich die Bundesstaaten stark bei den alkoholbedingten Krebstodesfällen. Washington, D.C., wies der Studie zufolge 2023 die höchste Sterberate durch alkoholbedingten Krebs auf, Utah die niedrigste. Frühere Untersuchungen brachten weniger restriktive Alkoholregelungen in Bundesstaaten mit einem höheren Anteil alkoholbedingter Krebstodesfälle in Verbindung, schrieben die Autoren.

Gibt es eine „sichere“ Menge Alkohol?

Jani sagte, die Studie habe weder den individuellen Alkoholkonsum erfasst noch geklärt, warum die Zahl der alkoholbedingten Krebstodesfälle gestiegen ist. Gilberto Lopes, Leiter der Abteilung für medizinische Onkologie am Sylvester Comprehensive Cancer Center und Mitautor der Studie, fügte hinzu, dass die Daten keinen sicheren Grenzwert für Alkoholkonsum festlegten. „Es ist schwierig, genau festzustellen, welches Maß an Alkoholkonsum sicher ist“, sagte Lopes. Doch „es ist ziemlich eindeutig, dass wir die Mechanismen kennen, durch die Alkohol Krebs verursacht. Daran besteht kein Zweifel.“

Andere Forscher haben eine Verschärfung der US-amerikanischen Trinkempfehlungen gefordert – ein Vorstoß, der politische Kontroversen ausgelöst hat. Eine im Juni veröffentlichte, ursprünglich von der US-Regierung in Auftrag gegebene Studie kam zu dem Ergebnis, dass mehr als ein alkoholisches Getränk pro Tag das Risiko für Krebs und andere Krankheiten erhöhen kann. Das Landwirtschaftsministerium lockerte seine Trinkempfehlungen jedoch im Januar.

Priscilla Martinez-Matyszczyk, Forscherin am Public Health Institute und Mitautorin der Juni-Studie, sagte, die Untersuchung der University of Miami habe die Risiken des durchschnittlichen täglichen Alkoholkonsums nicht untersucht. Ihre Ergebnisse zu alkoholbedingten Todesfällen stützten jedoch frühere Forschungsergebnisse. „Diese Ergebnisse untermauern die zunehmende Zahl wissenschaftlicher Arbeiten, die zeigen, dass Alkohol in der Krebslandschaft eine wichtige Rolle spielt“, sagte sie.

Weniger Alkohol senkt das Krebsrisiko

Lopes sagte, die Menschen sollten selbst über ihren Alkoholkonsum entscheiden. Jeder sollte sich jedoch der gesundheitlichen Risiken bewusst sein. „Unsere Aufgabe als Krebsärzte besteht nicht darin, Erwachsenen vorzuschreiben, wie sie leben sollen. Wir müssen sicherstellen, dass sie diese Entscheidung auf der Grundlage korrekter Informationen treffen“, sagte er. „Wer sein durch Alkohol bedingtes Krebsrisiko minimieren möchte, sollte weniger trinken – und am besten gar keinen Alkohol.“

Zum Autor:

Daniel Wu ist Reporter im Ressort General Assignment von The Washington Post. Er kam 2022 als Praktikant im Metro-Ressort zu The Post und arbeitete zuvor für die Seattle Times und die San Jose Mercury News.

Dieser Artikel war zuerst am 11. September 2026 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.