Operation „Matrjoschka“: Russland flutet X mit Fake-Videos kurz vor Landtagswahlen – AfD und BSW ausgespart

Alle außer AfD und BSW: Putins Trolle haben es auf Ost-Wahlen abgesehen

Stand: 05.08.2026, 19:29 Uhr

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Gefälschte ARD-Videos, erfundene Skandale, KI-Propaganda: Russland hat deutsche Politiker im Visier – ausgerechnet vor den Ost-Wahlen im September.

Berlin – Wenige Wochen vor den Landtagswahlen im September haben deutsche Sicherheitsbehörden eine erhebliche Zunahme russischer Desinformationskampagnen festgestellt. Wie aus Sicherheitskreisen am Dienstag verlautete, zielen die Kampagnen darauf ab, CDU, SPD, Grüne und FDP zu diskreditieren – alle relevanten Parteien also, mit Ausnahme der AfD und des BSW.

Botschaft von Russland in Berlin

Die russische Flagge weht über Russlands Botschaft in Berlin. © Markus Lenhardt/dpa

Die Aktionen seien Teil der Operation „Matrjoschka“, die bereits bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr beobachtet habe, berichtet die dpa. Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt, am 20. September folgen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Kurz vor Ost-Wahlen: Russische Trolle verbreiten Videos samt gefälschter Medienlogos

Im Zentrum der Kampagne stehen demnach Videos in einer niedrigen dreistelligen Zahl, die mit den Logos bekannter Medienhäuser wie ARD oder BBC versehen sind, um ihnen den Anschein von Glaubwürdigkeit zu verleihen. Verbreitet würden sie vor allem über die Plattform X, wo viele der Beiträge inzwischen aber bereits wieder gelöscht worden seien. Die Inhalte richten sich laut dpa gezielt gegen lokale Politiker, denen fälschlicherweise Veruntreuung von Geldern sowie sexuelle Belästigung und Missbrauch vorgeworfen werden.

Nach Recherchen der Zeit sind allein in Berlin mindestens acht Politiker betroffen, darunter die Spitzenkandidaten von CDU, SPD, Grünen und Linken. Auffällig ist dabei, dass die Videos überwiegend auf Englisch verbreitet werden – warum dies so ist, erschließt sich den Behörden bislang nicht.

Spaltung und politische Einflussnahme: Russlands hybride Angriffe auf Deutschland

Für die Sicherheitsbehörden steht fest, dass die Kampagnen gezielt und zentral aus Russland gesteuert werden, wobei sich das Land einer ganzen Reihe von Firmen bedient, die die Desinformationen umsetzen. Den Angaben nach reihen sich solche Aktionen in die hybride Bedrohung durch Russland ein, hinter der ein ganzes Ökosystem der Desinformation mit staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren stehe.

Die Methoden beschränken sich dabei längst nicht mehr auf das Internet: Im Zentrum von Berlin wurden Betonelemente mit Inschriften wie „Ich warte immer noch auf meine Rente“ gefunden, die ebenfalls Russland oder Helfern zugeordnet werden, wie der Spiegel berichtet. Außerdem treibe Russland offenbar ein Projekt voran, um das Internet-Lexikon Wikipedia zu klonen. Konkrete Fehlinformationen haben die Sicherheitsbehörden in den Texten bislang zwar nicht entdeckt, allerdings enthielten manche Einträge Links zu Webseiten, auf denen der Westen und Deutschland diskreditiert werden.

Die Strategie folge den Behörden zufolge einem erkennbaren Muster: Zunächst versuchen die russischen Akteure, Ost und West gegeneinander aufzubringen – etwa mit der Behauptung, Kinder aus Ostdeutschland würden im Westen an Schulen gemobbt –, bevor im nächsten Schritt lokale Politiker ins Visier genommen werden. Es handele sich um eine langfristige Strategie, hieß es aus Regierungskreisen, bei der kurzfristig alle Anlässe genutzt würden, um die Gesellschaft in Deutschland zu spalten und zu polarisieren. Die eingesetzten Methoden entwickelten sich dabei ständig weiter, etwa durch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz. (Quellen: dpa, Spiegel, Zeit) (nak)