Alle Wege führen nach Rom? Forscher entschlüsseln Mythos um Italiens Hauptstadt
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„Alle Wege führen nach Rom“ ist ein Sprichwort, das bis heute weithin bekannt ist. Historisch betrachtet entspricht diese Vorstellung jedoch nicht der Realität, wie zwei Historiker in einer Studie zum römischen Straßennetz zeigen. Ihre Analyse verdeutlicht, dass mehrere Metropolen des Römischen Reiches deutlich besser miteinander verbunden waren als Rom. Das tatsächliche Zentrum des weit verzweigten Verkehrsnetzes liegt daher an einem anderen, überraschenden Ort.
Das römische Straßennetz: Rom ist eher eine Randerscheinung
Das Römische Reich gilt als eines der bedeutendsten Imperien der Antike. Seine weitreichende Infrastruktur und die militärischen Erfolge in dieser Größenordnung gelten bis heute als herausragende historische Leistungen. Eine wichtige Grundlage dafür bildete das römische Straßennetz, das nach heutigem Forschungsstand 299.171,31 dokumentierte Kilometer umfasste. Die Historiker Adam Pažout und Tom Brughmans von der Universität Aarhus haben dieses Verkehrsnetz in einer Studie untersucht, die im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht und unter anderem von GEO aufgegriffen wurde.
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Im Zentrum der Untersuchung stand zunächst die Frage, wie gut 45 römische Provinzhauptstädte miteinander verbunden waren. Dafür verglichen die Forscher die Dichte und Struktur der jeweiligen Verkehrsnetze. Ihre Ergebnisse widersprechen dabei dem bekannten Sprichwort „Alle Wege führen nach Rom“. Mehrere bedeutende Metropolen wie Korinth, Ankyra, das heutige Ankara, und Antiochia waren deutlich besser an das römische Wegenetz angebunden als Rom.

Eine besondere Stellung nahm Byzantion ein. Unter Kaiser Konstantin I. wurde die Stadt ab 326 n. Chr. zur neuen Hauptstadt des Römischen Reiches ausgebaut und in Konstantinopel umbenannt. Sie entwickelte sich zu einem wichtigen Knotenpunkt, der insbesondere die europäischen und asiatischen Teile des römischen Straßennetzes miteinander verband. Rom war dagegen vergleichsweise weniger gut in das überregionale Fernstraßennetz integriert. Bedeutende Verkehrsachsen und Knotenpunkte konzentrierten sich vor allem an Küsten, entlang großer Flüsse wie Donau und Rhein sowie im Umfeld bedeutender Städte.
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Das Sprichwort stammt aus dem Mittelalter
Die verbreitete Vorstellung hinter dem Sprichwort könnte auf eine zeitliche Fehlzuordnung zurückgehen. Denn die Redewendung stammt nicht aus der Antike, sondern aus dem Mittelalter. Der französische Gelehrte und Dichter Alanus de Insulis formulierte um 1175 auf Latein den Satz „Mille viae ducunt hominem per saecula Romam“, was sich sinngemäß mit „Tausend Wege führen den Menschen immerzu nach Rom“ übersetzen lässt. Seine damalige Bedeutung stand vermutlich in engem Zusammenhang mit der besonderen Stellung Roms als Sitz des Papstes und damit als bedeutendem geistlichen Zentrum des mittelalterlichen Europas.
Heute wird die Redewendung „Alle Wege führen nach Rom“ meist in einem übertragenen Sinn verwendet. Sie beschreibt die Vorstellung, dass unterschiedliche Wege oder Vorgehensweisen zum gleichen Ziel führen können.
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Landschaft nimmt Einfluss auf den Straßenbau
Wie die Forscher in ihrer Studie feststellten, legten die Römer großen Wert darauf, ihre Straßen möglichst geradlinig zu führen. Topografische Hindernisse wurden durch Einschnitte, Terrassierungen, Stützkonstruktionen und vereinzelt auch durch Tunnel überwunden. Nur in bergigen Regionen wurden stärkere Kurvenverläufe in Kauf genommen. Rund 90 Prozent der errichteten Straßen wiesen eine Steigung von weniger als 16 Prozent auf und konnten damit auch von beladenen Karren genutzt werden. Dies galt auch für die anspruchsvollen Verkehrswege über die Alpen.