Als Zivilpolizist getarnt: 21-Jähriger gesteht Missbrauch von Kindern in Bad Sooden-Allendorf

Stand: 23.09.2026, 06:30 Uhr

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Gerichtsprozess gestartet: Dem Angeklagten wird unter anderem schwerer sexueller Missbrauch und vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen.

Gerichtsprozess gestartet: Dem Angeklagten wird unter anderem schwerer sexueller Missbrauch und vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen. © Stefan Puchner

Der 21-Jährige fesselte laut Anklage seine Opfer mit Handschellen und filmte die Taten. Ein Zwölfjähriger war fast drei Stunden in seiner Gewalt.

Bad Sooden-Allendorf/ Kassel – Fast eine Stunde benötigte gestern Staatsanwalt Ruhnau, um alle Anklagepunkte aufzulisten, die einem 21-Jährigen unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs und vorsätzlicher Körperverletzung vorgeworfen werden. Die Taten ereigneten sich alle zwischen August 2025 und Februar 2026 in Bad Sooden-Allendorf. Opfer waren Kinder und ein Jugendlicher zwischen 10 und 17 Jahren.

Die Hände vor das Gesicht geschlagen, betrat der Angeklagte den Sitzungssaal im Landgericht Kassel. Überhaupt lag sein Kopf während der gesamten Verlesung der Anklage auf seinen verschränkten Armen. Die Opfer kontaktierte der 21-Jährige nach Angaben des Staatsanwaltes immer im Bereich eines Sport- und Bolzplatzes nahe der Werra.

Mehrere hundert Bilder und Videos gefunden

Mehrere hundert Bild- und Videodateien fanden die Beamten nach der Festnahme auf dem Rechner des 21-jährigen Angeklagten. Hierbei handelte es sich um kinder- und jugendpornografische Aufnahmen. Dazu gehörten auch etliche Bilder, die der Beschuldigte bei seinen sexuellen Übergriffen in Bad Sooden-Allendorf aufgenommen hatte. Aber auch um Videos, die Gewaltexzesse zeigen. Eine klare Antwort, warum er diese Dateien besaß, konnte er nicht geben.

Auch drei Jungen, zwei 12 und einer 13 Jahre alt, sprach er dort an und forderte sie auf, mit ihm in ein nahes Waldstück zu gehen, so die Anklage. Unter dem Vorwand, ein Polizist in Zivil zu sein, habe er einem der Zwölfjährigen Handschellen auf dem Rücken angelegt, sagte der Staatsanwalt.

Obwohl die beiden anderen Jungen ihn aufforderten, ihren Freund freizulassen, sei dies nicht geschehen. Stattdessen habe der Angeklagte den Pulli des Opfers hochgeschoben und sexuelle Handlungen an ihm vorgenommen. Zusätzlich seien auch noch Handyaufnahmen gemacht worden.

Ein ehemaliger Freund, 17 Jahre alt, war laut Anklage das zweite Opfer. Mit ihm, so Ruhnau, habe sich der Angeklagte am frühen Abend nahe der Bad Sooden-Allendorfer Grundschule verabredet. Auch dort seien Handschellen zum Einsatz gekommen. Nahe dem ersten Tatort sei der 17-Jährige den schweren sexuellen Übergriffen nahezu zwei Stunden ausgesetzt gewesen. Mehrfach habe das Opfer seinen Peiniger angefleht, ihn freizulassen. Und auch in diesem Fall seien Handyaufnahmen gemacht worden, so die Anklage der Staatsanwaltschaft. Zum Schluss soll sich der Beschuldigte bei dem 17-Jährigen entschuldigt und ihm geraten haben, einfach einzuschlafen.

Sogar drei Stunden befand sich ein zwölfjähriger Junge bei der dritten Tat in der Gewalt des Angeklagten. Seinem zehnjährigen Freund sei die Flucht gelungen. Auch hier, so die Anklageschrift, habe sich der 21-Jährige als Zivilpolizist ausgegeben und fesselte sein Opfer mit Handschellen. Während der gesamten Zeit soll sich der Zwölfjährige schweren sexuellen Übergriffen des Beschuldigten ausgesetzt gesehen haben. Und auch hier nahm der Angeklagte etliche Fotos von der Tat auf.

Nachdem die Staatsanwaltschaft alle Anklagen vorgetragen hatte, erklärte sich der 21-jährige Angeklagte bereit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Dabei räumte er alle Taten ein.

Der Prozess wird fortgesetzt.