Armee verteilt Material auf alte Bunker – Logistik kostet bis zu 10 Milliarden
Publiziert5. August 2026, 23:00
FinanzkontrolleAlte Mini-Bunker statt Lagerhäuser: Armee baut ihre Logistik um
Die Armee baut ihre Logistik um. Statt in wenigen zentralen Lagern soll das Material im Angriffsfall über das ganze Land verteilt werden. Die Finanzkontrolle hat nun überprüft, ob bei den bis zu 10 Milliarden Franken teuren Investitionen alles mit rechten Dingen zu- und hergeht.

Darum gehts
- Die Schweizer Armee lagert ihr Material künftig dezentral in Bunkern über das ganze Land verteilt statt in wenigen zentralen Lagern.
- Die Finanzkontrolle hat die milliardenschweren Pläne geprüft und wenig zu bemängeln gefunden.
- Die Gesamtkosten für die neue Armeelogistik belaufen sich auf bis zu 10 Milliarden Franken in den nächsten 14 Jahren.
Die Logistik ist wohl eine der meistunterschätzten Fähigkeiten einer Armee. Dabei heisst es doch: Ohne «Mampf kein Kampf» – aber dieser Mampf muss natürlich vorrätig sein und zu den Soldaten kommen.
Derzeit verteilt die Armee Verpflegung, aber auch Munition, Waffen und Ersatzteile aus wenigen Zentrallagern.
Doch bei einem Angriff ist klar, dass das keine gute Idee ist. Die Lager sind primäre Angriffsziele. Darum will die Armee diverse alte Bunker als Lagerstätten wieder in Betrieb nehmen. Diese neue Doktrin ist Teil der «Gesamtkonzeption Armeelogistik», die nun umgesetzt wird – und die in einem heute erschienenen Bericht von der Finanzkontrolle unter die Lupe genommen wurde.
Bis zu 10 Milliarden für Lager in Bunkern
Man habe kürzlich getestet, was es dafür brauche, sagte Michael Nussli, stellvertretender Chef der Logistikbasis der Armee, am Mittwoch in Bern.
Rund 50’000 Franken habe es gekostet, einen älteren, stillgelegten Bunker wieder so weit fit zu machen, dass dort Material eingelagert werden konnte. Feuchtigkeit, Schimmel und andere Unannehmlichkeiten seien in den stillgelegten Kavernen oft anzutreffen, so Nussli.
Rechnet man diese Beträge auf die vielen derzeit inaktiven Bunker hoch, wird klar, warum die Armee mit Kosten von bis zu 10 Milliarden Franken in den nächsten 14 Jahren für die gesamte Logistik rechnet.

Vieles ist aber noch im Fluss, sagt auch das Militär. So sei eben geplant, die unterirdischen Lager erst dann in grossem Umfang zu nutzen und herzurichten, wenn sich ein Krieg abzeichne.
Neben den Lagern wird auch der Transport künftig anders ablaufen. Bisher werden militärische Güter oder Soldaten oft in Konvois von A nach B bewegt. Diese Zeiten seien vorbei – eine Lehre aus dem Ukrainekrieg. Künftig werden einzelne «nicht grüne» Fahrzeuge auf unterschiedlichen Routen unterwegs sein, erklärten die Fachleute.
Logistik-Software wird teiloffline
Ein grosses Fragezeichen ist die Software. Jedes Lager und jede Logistik, ob privat oder staatlich, benötigt Computerprogramme, um den Überblick über Bestände zu behalten und Transporte zu organisieren. Weitverbreitet ist dazu die deutsche SAP-Software. Auch die Armee nutzt diese. Jedoch gab es lange Sorgen, weil SAP auf eine Cloud-Verbindung bestand. Das wäre im Fall eines Krieges ein grosses Problem.

Doch der Konzern habe nun auf den Druck seiner staatlichen Kunden reagiert und biete auch wieder eine Software-Version an, deren kritische Komponenten unabhängig vom Internet in eigenen Rechenzentren der Armee laufen können.
Wenig Kritik der Finanzkontrolleure
Die «Gesamtkonzeption Armeelogistik» wurde soeben von der Eidgenössischen Finanzkontrolle durchleuchtet. Anders als bei vielen anderen Armeeprojekten haben die Prüfer hier für einmal wenig zu bemängeln.
Was denkst du über die Pläne der Armee, ihre Logistik zu dezentralisieren und alte Bunker zu nutzen?
Das ist eine gute und notwendige Massnahme für die Sicherheit der Schweiz.
Ich finde die Idee grundsätzlich gut, aber 10 Milliarden Franken sind eine Menge Geld.
Ich bin skeptisch, ob das wirklich die beste Lösung ist und sich auszahlt.
Ich mache mir keine grossen Gedanken darüber, die Armee wird das schon regeln.
Ich habe dazu keine Meinung oder zu wenig Informationen.
Gewisse Abhängigkeiten zur zivilen Logistik und zu Lieferketten seien noch verbesserungswürdig, und das Generalsekretariat des Verteidigungsdepartements müsse besser einbezogen werden, stellen die Kontrolleure unter anderem fest.
Die Armee gelobt, diese Punkte aufzunehmen, oder sagt, sie habe das unterdessen bereits getan.

Stefan Lanz arbeitet seit 2021 für 20 Minuten. Er ist Bundeshausjournalist mit langjähriger Erfahrung.
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