Kritik von Fans: Amazon-Gründer Bezos steigt beim FC Liverpool ein
Stand: 15.08.2026 • 13:28 Uhr
Der FC Liverpool verkauft Anteile an ein Konsortium von Superreichen, in das unter anderem Jeff Bezos investiert, der Gründer von Amazon. Von den Fans gibt es Kritik.
Im englischen Fußball geht mal wieder viel Geld über den Tisch, und da dieses Mal ein sehr prominenter Superreicher bei einem sehr prominenten und sehr erfolgreichen Klub einsteigt, sorgt das für Aufsehen. Jeff Bezos, der mit dem von ihm gegründeten Versandhandel Amazon superreich wurde, gehört zu einem Konsortium, das - vorbehaltlich noch ausstehender Genehmigungen - Anteile am Liverpool Football Club kaufen wird.
Viele Namen von Beteiligten, darunter den von Bezos, und eine grundsätzliche Einigung bestätigte der Klub in einer Mitteilung auf seiner Homepage. Die Eckdaten des Deals werden nicht genannt, aber nach übereinstimmenden Medienberichten zahlt das Konsortium umgerechnet annähernd zwei Milliarden Euro für 30 Prozent der Anteile.
Jeff Bezos steigt über ein Konsortium beim FC Liverpool ein.
Extreme Wertsteigerung
Somit ergibt sich eine extreme Wertsteigerung für ein anderes Konsortium, das 2010 den LFC übernahm und auch weiterhin der Mehrheitseigner sein wird. Die US-amerikanische Fenway Sports Group (FSG) zahlte damals etwa 350 Millionen Euro für 100 Prozent.
Die FSG führt John W. Henry an, der auf einen Bruchteil des Vermögens von Bezos geschätzt wird, aber auch das sollen noch deutlich mehr als drei Milliarden Euro sein. Der Fenway Sports Group gehören auch die Boston Red Sox, eine der wertvollsten Franchises in der nordamerikanischen Major League Baseball.
Ausstieg bei den Queens Park Rangers, Einstieg beim FC Liverpool
Das Konsortium, das der FSG Anteile abkaufen will, heißt "1892 Holdings", in Anlehnung an das Gründungsjahr des LFC. Die Holding wird angeführt von Amit Bhatia, dem Schwiegersohn von Lakshmi Mittal, einem Inder, der durch den Handel mit Stahl zum Milliardär wurde.
Amit Bhatia wird im Gegensatz zu Bezos einen Posten bei Liverpool besetzen. Er soll Vizepräsident werden. Mit der Führung eines Fußballklubs kennt sich Bhatia aus, denn er war bis vor wenigen Wochen Direktor der Queens Park Rangers. Der Klub von der Loftus Road spielte zu Zeiten des Mitbesitzers Bhatia drei Jahre in der Premier League, dümpelte aber meistens in der zweitklassigen Championship herum und spielte oft gegen den Abstieg.
John W. Henry von der Fenway Sports Group und seine Frau Linda Pizzuti
Nun versucht Bhatia es zusammen mit dem großen Namen Bezos, beim großen Namen Liverpool auch Erfolge zu feiern, und da will auch Eduardo Saverin dabei sein. Er ist bei weitem nicht so bekannt wie Mark Zuckerberg, aber auch er ist einer der Gründer von Facebook, und er ist mit einem geschätzten Vermögen von 40 Milliarden Euro superreich.
Warum investieren Superreiche zunehmend in große Sportmarken?
Eine der Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Deal um den FC Liverpool stellen, ist die nach dem Interesse der Superreichen an großen Sportmarken. Bezos etwa soll auch den Einstieg bei den Seattle Seahawks und Washington Commanders aus der National Football League (NFL) geprüft, die Pläne dann aber verworfen haben.
Eine interessante These bringt die britische Zeitung "Independent" ins Spiel. Sie schreibt, dass unter den Superreichen die Sorge umgeht, es könnte an den Börsen zu einem Crash kommen, weil übermäßig in Künstliche Intelligenz investiert wurde.
Angeblich kein Cent für Transfers
Die Fans von Fußballklubs interessiert vor allem auch die Frage, was viel frisches Geld für die Mannschaft bedeutet. Nach einem Bericht der BBC soll von den Milliarden der "1892 Holdings" kein Cent in Transfers gesteckt werden.
Das würde bei einigen Fans sicher nicht gut ankommen, die Sorge der Vereinigung "Spirit of Shankly" geht aber über den Transfermarkt hinaus. "Wir haben bei ähnlichen Verkäufen in anderen Vereinen erlebt, dass es zu erheblichen Veränderungen in der Führung des Klubs und im operativen Fußballbereich kam - mit Entscheidungen und Verhaltensweisen, die viele bei Liverpool nicht sehen möchten", schrieb das offizielle Fanbündnis des Klubs schon ein paar Tage bevor der Deal mit den neuen Investoren von der Fenway Sports Group abgesegnet worden war.
Mit Shanklys Gedankengut haben die Investoren nichts am Hut
"Spirit of Shankly" ist inspiriert von Bill Shankly, der den LFC als Trainer in den 60ern und Anfang der 70er Jahre zu Größe und Titeln führte. Shankly sagte mal: "Im Sozialismus, an den ich glaube, arbeitet jeder für den anderen und alle bekommen einen Teil des Gewinns. So sehe ich Fußball, so sehe ich das Leben."
Bill Shankly wird von den Fans des FC Liverpool verehrt.
Diesen Spirit verfolgen die neuen Investoren ganz gewiss nicht. "Spirit of Shankly" kündigte an, das Gespräch mit dem Klub suchen und sich die Pläne der Konsortien genau ansehen zu wollen.