Angelika Niedetzky und ihr teuerster Gurkensalat
Es ist kein angenehmes Gefühl, wenn die Polizei hinter einem herfährt. Jedes Mal, wenn ich so einen Wagen mit dem typischen blau-roten Streifen sehe, spüre ich, wie mein Herz anfängt, zu pulsieren. Ich fühle mich in der Sekunde ertappt. Auch wenn ich mir gerade nichts zu Schulden kommen lasse, habe ich sofort eine kleine Angst, also ein Ängstchen, dass sie mich gleich mit Blaulicht anhalten und irgendetwas finden werden. Gut, oft genug haben sie mich auch in flagranti erwischt. Beim Zu-schnell-Fahren zum Beispiel. Nicht blinken beim Abbiegen, 70 Euro. Bei orange – oder wie ich gerne korrigiere, dunkelgrün – über die Ampel fahren, 120 Euro. Ich könnte längst ein paar Hunderter ins Fenster klemmen, da sollen sie sich jedes Mal gleich einen rauszupfen, wenn sie mich beim Telefonieren am Steuer erwischen.
Schock, lass nach
Letzte Woche läutete mein Handy, und am anderen Ende meldete sich ein Herr eines Wiener Bezirkskommissariats. In Zeiten der Fake-Anrufe war ich gleich mal pampig, während ich in das linke Hosenbein meines Kostümes der Kommissarin Biggi Obergschwendter bei Soko Linz stieg. Das drübere Ende der Leitung blieb jedoch hartnäckig und fragte mich eine Frage nach der anderen: „Gehört Ihnen der schwarze Wagen mit dem Kennzeichen so und so? Waren Sie am so und so vielten bei der Shell Tankstelle dort und da? Hatten Sie türkise Schuhe an? Die Haare zu einem Dutt? Trugen sie ein weißes T-Shirt? Haben Sie ein Getränk gekauft?“
Als würde sich eine Schlinge immer fester um meinen Hals ziehen, konnte ich mir auf seine letzte Frage: „Haben Sie auch eine Gurke gekauft?“ gerade noch die Gegenfrage verkneifen: „Wollen Sie wissen, was ich mit der Gurke gemacht habe?“, denn wir waren ja immer noch nicht am Kern der Sache angelangt und irgendetwas schien er noch unbedingt ans Tageslicht bringen zu wollen, sonst würde er mich doch nicht ausquetschen wie eine Zitrone.
„Haben Sie auch getankt?!“, „Herrgott, jaaaa!“, schrie ich. „Ich gestehe ja eh alles!!“ Kurze, wirklich beklemmende Stille. „Sie haben das Benzin nicht bezahlt.“ Die ersten Takte von Beethovens Fünfter polterten durch mein Hirn. In der Zwischenzeit hatte ich die Hose bis zu den Knien. Ich wurde aufgeklärt, dass ich eine Aussage zu tätigen hätte, eine Anzeige wegen Betrugs bekäme und der Staatsanwalt sich das dann ansehen würde. Die Hose gab auf und rutschte unentwegt zu Boden. Ein Wort, das man nicht gerne hört. Wie wenn der Arzt sagt, das kann vielleicht krebsartig werden. Das will man nicht hören!
Genauso wenig wie das Wort Betrug. Als die Hose wieder saß und wir eine weitere Szene für die Soko im Kasten hatten, konnte ich schon wieder schmunzeln über die Geschichte und fuhr heim, um mir einen Gurkensalat zu hobeln, während ich die Nummer der Shell Tankstelle wählte, um meine Schulden zu begleichen.
kurier.at, krb | 01.08.2026, 17:30