Angriffe auf Saudi-Arabien: Huthis drohen mit weiterer Eskalation

Autos fahren an einer Anzeigentafel vorbei, die Huthi-Anführer Abdul-Malik al-Huthi zeigt.

Stand: 11.10.2026 • 19:50 Uhr

Nach dem schweren Angriff auf den Flughafen von Riad drohen die Huthi mit einer weiteren Eskalation. Saudi-Arabien fühlt sich vom Partner USA im Stich gelassen und sucht neue Verbündete.

Anna Osius

Im Huthi-Fernsehsender Al-Masirah werden weitere Drohungen verbreitet: Sollte der saudi-arabische Feind seine Einmischung im Jemen nicht einstellen, stehe "Schlimmeres" bevor, heißt es in einer verlesenen Erklärung des von der Huthi-Miliz besetzten Außenministeriums.

Die Miliz warnte zudem auf der Plattform X alle Fluggesellschaften, Experten, Arbeiter und Reisende, saudische Flughäfen zu meiden. Diese Gebiete seien - mit Ausnahme der heiligen Stätten Mekka und Medina - zu einem Gefechtsfeld der Huthi geworden.

Bisher schwerster Angriff auf Riads Flughafen

Wacklige Handyvideos in Sozialen Netzwerken zeigen den Alptraum, den Reisende am Flughafen der saudischen Hauptstadt Riad am Wochenende offenbar erleben mussten: Menschen eilen durch eine zerstörte Abflughalle voller Rauch, Blutflecken auf dem Boden. Viel ist es nicht, was nach außen dringt - Saudi-Arabien versucht anscheinend, den Vorfall medial klein zu halten.

Dabei ist der Raketenangriff der bislang schwerste auf das Königreich seit Beginn des US-Iran-Kriegs: Viele Tote, mehr als 300 Verletzte, immer noch schweben Zivilisten in Lebensgefahr. Auch heute gab es wieder einen Angriff auf den Flughafen.

Droht Verschärfung des Konflikts?

Das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis macht die Huthi-Miliz aus dem Jemen für die jüngsten Attacken verantwortlich. Es handele sich um ein Kriegsverbrechen, hieß es. Und jetzt drohe sich der Konflikt zu verschärfen, sagt Ahmed Sayyed Ahmed vom Al-Ahram Forschungsinstitut in Kairo:

"Meiner Ansicht nach wird dies zu einer weiteren Eskalation führen, da Saudi-Arabien - gemeinsam mit anderen Staaten - massiv auf die Huthi reagieren wird." Das bedeute, dass sich der Konflikt in der kommenden Zeit weiterentwickeln werde, so Ahmed.

"Unmöglich, jedes Geschoss abzufangen"

Die Huthi sind mit Iran verbündet, sie kontrollieren Teile des Jemen. Saudi-Arabien unterstützt eine Gegenoffensive, um die Huthi im Nachbarland zurückzudrängen. Die Miliz antwortet mit Raketen und Drohnen - das ganze Wochenende über gab es immer wieder Beschuss Richtung Saudi-Arabien. Aber warum schafft es das eigentlich so reiche Königreich nicht, seine Flughäfen besser zu schützen?

"Saudi-Arabien verfügt über eine reguläre staatliche Armee, die einen Krieg gegen Milizen führt", sagt der jordanische Sicherheitsexperte Omar Al Raddad bei France24. Daher sei es normal, dass es einigen Raketen und Drohnen gelinge, die Verteidigungssysteme zu durchbrechen. "Es ist für die Luftverteidigung unmöglich, jedes einzelne anfliegende Geschoss - sei es eine Rakete oder eine Drohne - vollständig abzufangen, zumal diese auf zivile Ziele gerichtet sind. Und: Saudi-Arabien hat eine Fläche von mehr als zwei Millionen Quadratkilometern."

USA prüfen mögliche Schritte

Weil sie es allein nicht schaffen können, ihr riesiges Land zu schützen, sind die Saudis auf der Suche nach Verbündeten. Doch der eigentlich engste Partner von Riad, die USA, zeigten sich bislang zurückhaltend. Könnte sich das durch den jüngsten verheerenden Angriff ändern? Unter den Toten soll auch ein US-Bürger sein.

US-Präsident Donald Trump sagte, weitere Schritte würden geprüft. Doch an einer richtig großen Intervention hätten die USA wenig Interesse, sagen Beobachter - auch, weil die Huthi dann ihren Einfluss an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab geltend machen könnten.

Neue Partner eher zurückhaltend

"Sollte sich Amerika durch Luftangriffe direkt einschalten, könnten die Huthi amerikanische Handelsschiffe direkt ins Visier nehmen", sagt Wissenschaftler Ahmed. "So, wie sie es bereits in den Jahren 2024 und 2025 getan haben." Dies würde die Energiekrise weiter verschärfen, zumal Bab al-Mandab und die Straße von Hormus für 30 Prozent des weltweiten Handels mit Öl, Gas und anderen Gütern von Bedeutung seien. "Dies hätte gefährliche Auswirkungen für die globale Energiesicherheit."

Die Saudis fühlen sich von den USA allein gelassen und suchen sich neue Verbündete. Doch auch die Militärallianz mit Pakistan und der Türkei scheint ihr Versprechen bislang nicht zu halten - die neuen Partner wirken zurückhaltend. Man hoffe, dass die Angelegenheit friedlich beigelegt werden könne, heißt es vorerst beschwichtigend aus Islamabad.