Angst vor Wertverlust: St. Paul in Wittlich: Sind Sorgen vor sozialem Wohnungsbau berechtigt?
Angst vor Wertverlust St. Paul in Wittlich: Sind Sorgen vor sozialem Wohnungsbau berechtigt?
Wittlich · Im Wittlicher Neubaugebiet St. Paul gibt es Diskussionen. 60 von 250 weiteren Wohnungen sollen im sozialen Wohnungsbau entstehen – doch manche Eigentümer lehnen das ab. Was steckt hinter den Ängsten?
20.07.2026 , 08:41 Uhr
Neben Mietwohnungen sind im Neubaugebiet St. Paul in den letzten Jahren vor allem hochwertige Eigentumswohnungen entstanden.
Foto: TV/Christian Moeris
Im Wittlicher Neubaugebiet St. Paul wird derzeit über sozialen Wohnungsbau diskutiert. Bewohner des großen Neubaugebiets nahe der A1 sorgen sich, dass der vom Wittlicher Stadtrat bei der Errichtung weiterer Gebäude geforderte soziale Wohnungsbau den Charakter von St. Paul negativ beeinflussen könnte. Das Thema wurde kürzlich kurz in städtischen Gremien angesprochen. Doch wie verbreitet sind diese Sorgen in St. Paul tatsächlich – und würde sozialer Wohnungsbau dort ernsthaft zu Problemen führen?
Sozialer Wohnungsbau in St. Paul in Wittlich: Fluch oder Segen?
Über das Thema haben wir zunächst mit Susanne Briese gesprochen. Sie ist Mieterin in St. Paul und außerdem Vorsitzende des Vereins „Miteinander in St. Paul“. Briese bestätigt im Pressegespräch, dass solche Diskussionen in St. Paul geführt würden. „Es gibt Leute, die sich darüber Sorgen machen. Die Diskussionen bekomme ich als Mieterin aber nur am Rande mit, weil sie hauptsächlich im Bereich der Eigentümer geführt werden.“
Manche Menschen, meint Briese, würden sozialen Wohnungsbau ausschließlich mit Personen verbinden, die kein Geld hätten. „Da gibt es Menschen, die das überdramatisieren. Es wird schnell gehetzt.“ Wie kommt es dazu? „Hier sind viele Wohnungen im teuren und hochpreisigen Segment entstanden. Die Diskussion wird von Leuten geführt, die einen Wertverlust ihrer Immobilie fürchten.“
Könnte der soziale Wohnungsbau den Charakter der Siedlung negativ beeinflussen? Zumindest einige Eigentümer scheinen darüber zu diskutieren.
Foto: TV/Christian Moeris
Vereinsvorsitzende Briese hat in der Debatte eine klare Position: „St. Paul ist als Mehrgenerationendorf gedacht worden. Das heißt aber nicht, dass hier nur ein gut betuchtes Klientel wohnen darf.“ Sie finde den geplanten sozialen Wohnungsbau sehr begrüßenswert, sagt Briese: „Ich mag eine gute Durchmischung von Quartieren. Dagegen spricht nichts.“
Der von den städtischen Gremien beschlossene Bebauungsplan sieht in dem Bereich, in dem Erweiterungsbereich des ehemaligen Hofguts, in dem rund 250 Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern sowie 13 Reihenhäuser entstehen sollen, einen Anteil von 25 Prozent sozial gefördertem Wohnungsbau vor.
Demnach geht es konkret um etwa 60 Wohnungen, die als geförderter Wohnraum zur Vermietung angeboten werden sollen. Der Mietpreis soll bei etwa sechs Euro pro Quadratmeter liegen. Voraussetzung für die Anmietung ist ein Wohnberechtigungsschein.
Potenzielle Mieter seien jedoch nicht nur sozial Schwache, erklärt der Wengerohrer Ortsvorsteher Matthias Linden. Dazu zählten auch Rentner, Alleinerziehende und Familien mit eigenem Einkommen. Linden sieht im sozialen Wohnungsbau für St. Paul keine Probleme und kann die Diskussion darüber nicht nachvollziehen.
Sozialer Wohnungsbau in St. Paul: Die Stadtverwaltung räumt mit Gerüchten auf
Unsere Redaktion hat auch die Stadtverwaltung um eine Stellungnahme zu der Diskussion in St. Paul gebeten. Was sagt die Verwaltung den Bürgern, die sich da offenbar Sorgen machen? „Der soziale Wohnungsbau ist ein wichtiger Bestandteil der kommunalen Wohnraumversorgung. Er dient dazu, Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu ermöglichen. Dazu zählen beispielsweise Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Rentnerinnen und Rentner, Auszubildende, Berufseinsteiger sowie weitere Haushalte, deren Einkommen die gesetzlich festgelegten Grenzen nicht überschreitet.“
Es bestehe kein sachlicher Zusammenhang zwischen sozialem Wohnungsbau und der negativen Entwicklung eines Stadtteils, stellt die Stadtverwaltung klar. „Die Wohnform allein lässt keine Rückschlüsse auf das soziale Miteinander, das Sicherheitsgefühl oder die Lebensqualität in einem Stadtteil zu.“ Entscheidend für die Entwicklung eines Stadtteils seien zahlreiche Faktoren, etwa eine gute Infrastruktur, Bildungs- und Betreuungsangebote sowie das Engagement der Bewohnerinnen und Bewohner.
Mieten in Wittlich sind massiv gestiegen
Welche Personen letztlich eine Wohnung anmieteten, liege im Verantwortungsbereich der jeweiligen Eigentümer oder Vermieter. „Aus unserer Sicht trägt sozial geförderter Wohnraum jedoch dazu bei, dass Menschen mit unterschiedlichen Einkommen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und bezahlbarer Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zur Verfügung steht.“
Ein häufiger Irrtum bestehe in der Annahme, dass Sozialwohnungen nur von Sozialhilfeempfängern bewohnt würden. „Dies trifft nicht zu. Voraussetzung für die Anmietung einer geförderten Wohnung ist in der Regel ein gültiger Wohnberechtigungsschein. Dieser wird nach den Vorgaben des Landeswohnraumförderungsrechts erteilt und knüpft an die Einhaltung bestimmter Einkommensgrenzen an“, erklärt die Stadtverwaltung.
Auch in Wittlich seien die Mieten in den vergangenen Jahren infolge verschiedener Krisen, darunter die Corona-Pandemie, massiv gestiegen, sagt Briese vom Verein „Miteinander in St. Paul“. Wittlich brauche bezahlbaren Wohnraum – und das gelte auch für St. Paul.