Strange New Worlds Staffel 4: Bei Nutzern nun so unbeliebt wie Star Trek: Discovery

Michael Burnham stieß durch ihre wankelmütige Art nicht bei jedem auf Gegenliebe. Auch als schwach empfundene Drehbücher und grobe Kanonbrüche erregten die Gemüter. Dann kam Star Trek: Strange New Worlds. Die Serie hielt sich plötzlich wesentlich stärker an die Vorlagen als noch Star Trek: Discovery. So erklärt es sich vielleicht auch, warum Captain Pike mit hervorragenden Nutzerbewertungen im Bewertungsportal Rotten Tomatoes einstieg.

Doch das ist längst Geschichte. Die vierte Staffel von Strange New Worlds kommt nur noch auf 34 Prozent Zustimmung. Damit liegt sie auf dem Niveau der Gesamtwertung von Discovery, das bei Rotten Tomatoes von Nutzern so schlecht bewertet wird wie keine andere Star-Trek-Serie.

Von 81 auf 34 Prozent

Strange New Worlds steht im Bewertungsportal mit Staffel 1 bei 81 Prozent. Staffel 2 kam schon nicht ganz heran, war mit 76 Prozent aber noch mehr als solide beleumundet. Steil abwärts ging es mit der Nutzerwertung in Staffel 3, die ein Popcornmeter von 52 Prozent erzielt. Zum 20. September 2026 steht Staffel 4 bei nur noch 34 Prozent.

Gimmick-Folgen dominieren die vierte Staffel.
Bildquelle: Paramount+

Gimmick-Folgen dominieren die vierte Staffel.

Seit dem Staffelstart geht es offenbar stetig abwärts. Mitte August hatten wir noch 52 Prozent Zustimmung erfasst, vor einer Woche dann nur noch 39 Prozent. Damals war die achte Folge gerade erschienen, die zu den am besten bewerteten Episoden der Staffel gehört. Nach „Verhältnismäßigkeiten/Orders of Magnitude“ folgte vergangenen Donnerstag jedoch eine weitere der umstrittenen Gimmick-Folgen, dieses Mal auf einem Fantasy-Planeten spielend. Damit gehen nun schon sieben der bisher neun ausgestrahlten Folgen diesen Weg.

Alles in allem hat Strange New Worlds gegenüber Staffel 1 ganze 46 Prozentpunkte eingebüßt. Zugleich nähert sich die Serie ausgerechnet jenem Star-Trek-Ableger an, der bei Rotten Tomatoes von den Nutzern insgesamt am schlechtesten bewertet wird.

Noch steht Discovery schlechter da.

Strange New Worlds nähert sich Discovery langsam an.
Bildquelle: KI-generiert

Strange New Worlds nähert sich Discovery langsam an.

Star Trek: Discovery erreicht über alle fünf Staffeln hinweg lediglich 34 Prozent bei mehr als 10.000 Nutzerbewertungen. Strange New Worlds erreicht zumindest mit der vierten Staffel den gleichen Wert.

Ganz so schlecht wie die unbeliebtesten Discovery-Staffeln steht Strange New Worlds im Verlauf allerdings nicht da. Discovery kam mit Staffel 1 auf 48 Prozent und mit Staffel 2 auf 35 Prozent Zustimmung. Staffel 3 erreichte 40 Prozent, bevor Staffel 4 auf 21 Prozent abstürzte. Die abschließende fünfte Staffel konnte sich nur auf 26 Prozent verbessern.

Im Mittel erreicht Discovery so zwar 34 Prozent. Durch den besseren Start steht Strange New Worlds aber über alle Seasons hinweg bei deutlich besseren 61 Prozent.

Auch in der IMDB polarisiert Staffel 4

Dass die schwache Nutzerwertung bei Rotten Tomatoes kein völlig isoliertes Phänomen ist, zeigt ein Blick auf IMDB. Dort steht Strange New Worlds als Gesamtserie zwar weiterhin bei starken 8,2 von 10 Punkten, einzelne Folgen der vierten Staffel schneiden jedoch erheblich schlechter ab.

„Human Best Friend“ erreicht beispielsweise nur 5,5 Punkte, „A Case of Chiaroscuro“ 5,2 und „Level-Five Transporter Accident“ 4,7. „Like Chronitons Through the Hourglass“ kommt sogar lediglich auf 4,4 Punkte, die Donnerstag veröffentlichte Folge „Once La'an a Time“ auf 4,3. Dass die Staffel nicht generell abgestraft wird, zeigen deutlich besser bewertete Episoden: „Off-Hour“ erreicht 8,0 Punkte und „Orders of Magnitude“ sogar 8,4.

Eine starke Polarisierung innerhalb der vierten Staffel offenbart somit auch die Internet Movie Database.

Alte Serien beliebter als Kurtzman-Trek

Zurück bei Rotten Tomatoes zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Generationen: Strange New Worlds kommt im Mittel immer noch auf 61 Prozent, Picard auf 57 Prozent und Starfleet Academy auf 52 Prozent. Immerhin: Die modernen Animationsserien stehen deutlich besser da. So erreicht Lower Decks 70 Prozent, Prodigy sogar 87 Prozent. Die Rede ist jeweils wieder von den Nutzerbewertungen.

Animationsserien wie Lower Decks erreichen höhere Bewertungen.
Bildquelle: Paramount+

Animationsserien wie Lower Decks erreichen höhere Bewertungen.

Kreativ verantwortlich waren bei den letztgenannten allerdings andere Köpfe. Lower Decks stammt von Star-Trek-Nerd Mike McMahan, der vor seiner Arbeit an der Serie unter anderem den Fan-Account „TNG Season 8“ betrieb. Prodigy wurde wiederum von Kevin und Dan Hageman entwickelt und als Showrunner betreut. Zuvor arbeiteten die Brüder unter anderem an Ninjago, Trolljäger und The Lego Movie. Alex Kurtzman blieb als Executive Producer beteiligt, Michael Chabon, Michelle Paradise und Akiva Goldsman spielten keine Rolle.

Die klassischen Live-Action-Serien schneiden bei den Nutzerbewertungen durchweg besser ab als die modernen. Enterprise erklimmt 80 Prozent, Voyager 81 Prozent, Deep Space Nine 89 Prozent, The Next Generation 90 Prozent und die Originalserie 88 Prozent. Selbst Star Trek: The Animated Series aus den 1970er-Jahren steht bei 78 Prozent Zustimmung.

Interessant ist das auch deshalb, weil The Animated Series lange eine Sonderstellung beim Kanon einnahm. Ende der 1980er-Jahre wurde die Serie durch Gene Roddenberrys Büro aus dem offiziellen Kanon ausgeklammert. Die Produzenten ab TNG berücksichtigen die Serie nicht. Erst in den letzten Jahren hat sich die Sichtweise geändert.

Letztlich liegt selbst die bei Rotten Tomatoes am schwächsten bewertete Star-Trek-Serie aus der Zeit vor dem modernen Streaming-Trek noch deutlich über Discovery, Picard und Starfleet Academy – und derzeit auch über der vierten Staffel von Strange New Worlds.

Kritiker sehen Strange New Worlds Staffel 4 völlig anders

Auffällig ist die enorme Diskrepanz zwischen Nutzern und professionellen Kritikern. Während nur 35 Prozent der Nutzer Staffel 4 von Strange New Worlds positiv bewerten, steht der Tomatometer nach 87 Kritiken bei 89 Prozent. Zwischen beiden Wertungen liegen damit 54 Prozentpunkte.

Ein ähnliches Phänomen gab es bereits bei Discovery. Dessen vierte Staffel erreichte bei Kritikern 88 Prozent, bei den Nutzern dagegen lediglich 21 Prozent.

Beide Werte sollten allerdings nicht mit einer repräsentativen Zuschauerumfrage verwechselt werden. Rotten Tomatoes bildet die Bewertungen jener Nutzer ab, die auf der Plattform tatsächlich abgestimmt haben. Gerade bei Staffel 4 ist die Zahl mit bislang mehr als 250 Bewertungen noch vergleichsweise klein – und das Staffelfinale erscheint erst am 24. September. Die Bewertung kann sich daher noch verändern.

Staffelfinale als Hoffnungsschimmer

Strange New Worlds auf den Spuren von The Next Generation?
Bildquelle: Paramount, Montage: PCGH

Strange New Worlds auf den Spuren von The Next Generation?

Die Hoffnung ruht nun auf dem Staffelfinale von Star Trek: Strange New Worlds. Es trägt den Namen „Tomorrow's Enterprise“ und spielt damit ganz offensichtlich auf „Yesterday's Enterprise“ an. Dahinter steckt eine der bekanntesten Folgen von Star Trek: The Next Generation.

Damals reiste die Enterprise-C rund zwei Jahrzehnte in die Zukunft. Ihre Anwesenheit veränderte die Zeitlinie und damit auch das Schicksal der Enterprise-D und der Föderation radikal. Ob auch im Staffelfinale von Strange New Worlds ein Treffen der Generationen stattfindet, muss sich erweisen.

Wie Produzent Akiva Goldsman kürzlich erklärte, sollte die Serie nach Staffel 4 enden. Die Verantwortlichen konnten Paramount jedoch davon überzeugen, wenigstens noch einen Abschluss zu ermöglichen. Eine zunächst vorgeschlagene Filmproduktion lehnte das Produktionsteam jedoch ab. Stattdessen erhielt Strange New Worlds eine fünfte und letzte Staffel mit sechs statt wie bisher zehn Episoden. Die abschließenden Folgen werden für 2027 erwartet.

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