Anonymer zahlt freien Freibad-Eintritt für Kinder – jetzt äußert er sich selbst
Stand: 12.07.2026, 20:00 Uhr
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Ein Schwalmstädter übernimmt den Eintritt für alle Kinder bis 15 Jahre im Freibad Ziegenhain. Nun erzählt er, warum ihm das Freibad so wichtig ist.
Schwalmstadt – Es kommt nicht oft vor, dass eine Meldung aus Nordhessen, genauer aus dem Schwalm-Eder-Kreis, ganz genau aus Schwalmstadt eine bundesweite Reichweite erlangt. Und es ist extrem unwahrscheinlich, wenn es eine gute Nachricht ist, die zudem auf ein vieltausendfaches, zu fast 100 Prozent freundliches und anerkennendes Echo stößt.
Der anonyme Spender, der diese Sommerferien für freien Eintritt von Kindern im Bad in Ziegenhain sorgt und dies ohne Limit aus eigener Tasche zahlt, hat das geschafft. Plus zusätzlich eine starke Werbung für das Schwimmen und das Bad als schönen Sommertreffpunkt platziert.
Nun hat er sich bei der HNA-Redaktion gemeldet und zeigt sich selbst hochgradig verwundert, aber auch emotional bewegt davon, wie seine Initiative die Menschen erreicht hat. Vorweg: Der Mann möchte weiterhin unbedingt anonym bleiben, was die Redaktion natürlich ernstnimmt und detaillierte Informationen über ihn ausspart.
Schwalmstädter Spender ist großer Freibad-Fan
Was schon über ihn bekannt war, ist zutreffend: Es handelt sich um einen Schwalmstädter, der das Bad und das Schwimmen schätzt und für den das Freibad einen unverzichtbaren Ort darstellt, gleichgültig in welchem Alter. „Ich will mich nicht interessant machen“, damit eröffnet der Schwalmstädter das Gespräch, das ist ihm nach wie vor sehr wichtig, bevor er unaufgeregt, aber ein bisschen verschmitzt auf unsere Fragen antwortet.
Die Idee sei ihm vor wenigen Wochen gekommen, als er nahezu allein seine Bahnen im Wasser zog und über die Sommer seiner eigenen Kindheit und Jugend nachdachte. Das Geld sei in seiner Familie so knapp gewesen, dass der Freibadbesuch keineswegs jeden Tag möglich war, leider. „Das Freibad war für uns als Schüler doch so etwas wie die große Freiheit*, erzählt er. Im Sommer der Treffpunkt für alle schlechthin.
Freibad-Besuch sollte nicht von finanzieller Situation abhängen
Dass manchen Jungen und Mädchen vielleicht auch heute das Geld fehlt, sei ihm durch den Kopf gegangen. Und wie schade es doch sei, wenn eine solche, vorhandene Anlage nicht intensiver genutzt werde. Zumal, im Gegensatz zu einst, sogar Fußball und Volleyball gespielt werden darf. „Hier können junge Menschen mit anderen zusammen sinnvolle, gesundheitsfördernde Freizeit erleben und das Handy mal beiseitelegen“, fasst er zusammen. Die Frage, was er selbst dazu tun könnte, war mit einem Mal beantwortet.
Dann sei alles recht schnell gegangen: Über Schwimmmeister Frank Schulz gelangte er an den Freibad-Förderverein und von da an die Stadt. Es gab ein Telefonat zwischen Tobias Kreuter und ihm, dann ging es rasch. Drei Tage vor dem letzten Schultag gab Kreuter die Meldung heraus, seit dem 26. Juni ist der Zutritt im Bad am Fünftenweg für alle bis 15 frei.
Spender rechnete nicht mit großer Resonanz
Dass das nun so gut ankommt, mache ihn „richtig glücklich“, erzählt der Schwalmstädter. Aber wie rasant und letztlich in ganz Deutschland es sich verbreitete, damit habe er überhaupt nicht gerechnet. Als er von Nachbarn erfuhr, dass sich die Freibadspende auch in überregionalen Medien und in den Sozialen Medien rasend herumspricht, sei ihm mal kurz angst und bange geworden. Er selbst nutze Facebook und Co. bewusst überhaupt nicht.
Was also dürfen wir über den Mann, der mit seinem Handeln Staunen macht, erzählen? Dass er für sich selbst nicht viel benötigt und gern und regelmäßig spendet, bisher an glaubwürdige große Hilfsorganisationen. Und dass er das Sprichwort, wonach das letzte Hemd keine Taschen hat, beherzigt. Er persönlich sei versorgt, habe kaum Verpflichtungen und möchte von dem, was er nicht benötigt, etwas abgeben.
5000 Euro zahlte er als Sicherheit vorab an
Ursprünglich habe er an eine runde Summe gedacht, doch dass es so unkompliziert nicht ablaufen könne, habe er dann gelernt. An der Kasse müsse die Personenzahl genau erfasst werden. 5000 Euro habe er vorab als Sicherheit bereits gezahlt, „damit niemand denkt, ich ziehe am Ende zurück“. Welche Summe X es am Ende wird, und ob diese gar fünfstellig ausfällt, wenn das Wetter sommerlich bleibt, das werde er dann so oder so später erfahren.
Wird diese Spende einmalig sein? Darüber denke er bereits nach, erzählt der Schwalmstädter. Für die nächste Saison schwebt ihm vor, Kindern und Jugendlichen ein Saisonkartenangebot zu machen – besonders für Schüler, die aus materiellen Gründen nicht so oft ins Freibad gehen können, wie sie gern würden.
Neue Ideen sollen gemeinsam besprochen werden
Darüber wolle er mit der Stadt und dem Freibadverein im Gespräch bleiben und auch anstoßen, wie Kassieren und Eintrittsregelungen vereinfacht werden könnten. „Nichts, was Umstände und Aufwand bedeutet.“ Gern wolle er weiterhin unterstützen und vielleicht Lösungen ankurbeln – „ohne mich jedoch in den Vordergrund zu schieben“. Wenn seine Aktion ein Nachdenken über die Sinnhaftigkeit des Eintritts in eine solche Anlage zumindest für die Jüngeren anstupst, dann wäre auch das ihm recht.
Wird er es schaffen, unerkannt von der Öffentlichkeit zu bleiben? Da ist der Schwalmstädter auch ganz gelassen, Freunde von ihm wüssten Bescheid, es sei bereits vorgekommen, dass man ihm die Urheberschaft auf den Kopf zugesagt habe. Aber es gehe nicht um ihn. Es geht um ein Stück große Freiheit in den großen Ferien, ein Stück unbeschwerte Freizeit.