Anwohner wundert sich: Passable Straße im Ort wird erneuert, Rumpelpiste nicht — Warum?
Anwohner wundert sich Passable Straße im Ort wird erneuert, Rumpelpiste nicht — Warum?
Farschweiler · In Farschweiler wird die Ortsdurchfahrt erneuert, obwohl sie noch passabel aussieht. Dahinter ist die Kreisstraße total kaputt – und bleibt vorerst so. Wie ist das zu erklären?
16.10.2026 , 07:03 Uhr
Löcher, Risse, Unebenheiten: Die Kreisstraße 84 im Hochwald zwischen Farschweiler und Herl ist eine echte Rumpelpiste. Repariert wird jedoch die Ortsdurchfahrt Farschweiler nebenan, die es nach Ansicht eines Dorfbewohners viel weniger nötig hätte. Wie kann das sein?
Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber
Es ist ein sonniger Vormittag Anfang Oktober. Josef Backes geht durch die Ortsmitte von Farschweiler, wo der zweite Bauabschnitt an der Ortsdurchfahrt (K 84) kurz bevorsteht. Voraussichtlich bis zum 22. Oktober soll die Strecke gesperrt bleiben.
Warum die Straße in Farschweiler eine neue Deckschicht erhält, verstehe er nicht, sagt Backes. „Ja, es gibt ein paar Risse in der Fahrbahn“, räumt er ein. Und in der Kurve beim Friedhof, da sei ein etwas schlechteres Stück. Aber das hätte man alles mit weniger Aufwand nachbessern können, meint das ehemalige Mitglied des Gemeinderats. „Dann hätte die Straße sicher noch einige Jahre gehalten.“
Anwohner aus Farschweiler moniert schlechten Zustand von Kreisstraßen im Umfeld
Was Josef Backes jedoch noch mehr verwundert: Die aktuellen Arbeiten enden am Ortsausgang in Richtung Herl. Direkt dahinter sieht die Kreisstraße deutlich schlechter aus als im Dorf. „Da gibt es richtige Löcher“, sagt der Hochwälder und deutet auf zahlreiche Stellen, wo der Asphalt zerbröckelt und sich Risse wie ein Spinnennetz über die Fahrbahn ziehen. Autofahrer werden per Verkehrsschild vor den Straßenschäden gewarnt.
Die Markierungen zeigen den nächsten Abschnitt der Bauarbeiten in Farschweiler an. Die Ortsdurchfahrt bekommt eine neue Fahrbahndecke – mehrere Kreisstraßen rund um den Hochwaldort sehen allerdings deutlich löchriger aus.
Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber
Und das sei nicht das einzige Beispiel in der Umgebung, sagt Josef Backes. Die Kreisstraße 82 von Osburg-Neuhaus nach Thomm sei in noch schlimmerem Zustand: „Aber da wird nichts gemacht.“ Stattdessen würden „keine Kosten gescheut“, um Strecken zu reparieren, die noch „relativ in Ordnung“ erschienen. Wie die Ortsdurchfahrt in Farschweiler. Für den Bürger sei das nicht mehr nachvollziehbar, findet Backes. Das schade dem Vertrauen in die verantwortlichen Behörden. Er wünsche sich ein „Umdenken, dass genauer überlegt wird, was nötig und sinnvoll ist“.
Stimmt dieser Eindruck, dass Straßen saniert werden, die es gar nicht so dringend nötig hätten, und dass die richtig kaputten Strecken warten müssen? Wie wird entschieden, wo die Bagger anrücken? Wir haben bei der für die Kreisstraßen verantwortlichen Kreisverwaltung Trier-Saarburg nachgefragt.
Warum der Kreis die Ortsdurchfahrt nachbessern lässt – und die K 84 nach Herl warten muss
Die Behörde verweist darauf, dass bei Farschweiler schon seit Mitte August gearbeitet wird. Und zwar im ersten Schritt an der Straße zwischen der L 151 und dem Ortseingang. Diese werde „im Hochausbau erneuert“ – was dringend notwendig sei. Bei einer Untersuchung 2022 sei der Zustand dieses Teilstücks „schlechter als 4,5“ bewertet worden, habe sich nach dem vergangenen Winter weiter verschlechtert.
Die Ortsdurchfahrt dagegen erhalte nur eine neue Deckschicht – was laut Kreisverwaltung zunächst nicht geplant war. Die finanziellen Mittel dafür habe der Kreis eigentlich genau für die von Josef Backes als so schlecht empfundene K 84 nach Herl einsetzen wollen. Doch bei einer erneuten Begutachtung sei aufgefallen, dass „hier die Strecke in einem so desolaten Zustand ist, dass eine Deckschichterneuerung nicht mehr zielführend gewesen wäre“.
Und so sei das schon im Haushalt bereitgestellte Geld ersatzweise für die Ortsdurchfahrt vorgesehen, die laut Kreisverwaltung „teilweise auch Mängel aufwies“. Sie werde nun in einem Aufwasch mit dem Stück bis zur L 151 abgearbeitet (Kosten insgesamt: 630.000 Euro) und in einen „sehr guten Zustand gebracht“. Eine kostspielige Erneuerung stehe somit über viele Jahre nicht an.
Landesbetrieb macht Vorschläge, welche Straßen in Trier-Saarburg erneuert werden sollten
Wie wird grundsätzlich festgelegt, wann welche Kreisstraße ausgebaut, saniert oder nachgebessert wird? Das erklärt die Verwaltung so: Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Trier schlage vor – nach Überprüfung aller Strecken im Kreisgebiet –, welche ins Kreisbauprogramm aufgenommen werden sollten. Wegen der großen Zahl und des Zustands vieler Strecken könnten nicht alle in gutem Zustand erhalten werden.
Bei der K 84 von Farschweiler nach Herl sei jetzt klar, dass ein reines Nachbessern nicht reiche und ein Ausbau nötig sei. Wann der komme, dabei spiele noch ein anderer Faktor eine Rolle: Es werde geprüft, ob die Straße überhaupt noch die Aufgabe einer Kreisstraße erfülle oder zur Gemeindestraße abzustufen sei.
Wird abgestuft, wird eine Strecke in der Regel letztmals vom Kreis ausgebaut, bevor künftig die Ortsgemeinde für die Unterhaltung zu sorgen hat. Die Übernahme regelt ein Vertrag. Erst wenn der vorliege, könne die Strecke ins Bauprogramm aufgenommen werden. Dasselbe gelte für die Strecke von Osburg-Neuhaus nach Thomm.
Zustand der Kreisstraßen wird alle fünf Jahre neu untersucht
Der LBM Trier erläutert auf Nachfrage, er spreche seine Empfehlungen an den Kreis auf Basis von Zustandserfassungen aus, die es für alle Straßen gebe. Diese Daten würden alle fünf Jahre aktualisiert. Die aktuellsten stammen von 2021, in diesem Jahr stehe die nächste Erfassung an.
Der Eindruck täusche nicht, dass die K 84 in Richtung Herl und auch die K 82 bei Thomm in deutlich schlechterem Zustand seien als die Ortsdurchfahrt in Farschweiler. Dort handele es sich jedoch nur um eine Unterhaltungsmaßnahme. Für einen Ausbau sei der Aufwand höher. Ein solcher sei für die K 84 nach Herl in Vorbereitung, die Frage der künftigen Einstufung – als Kreis- oder Gemeindestraße – noch zu klären. Aktuell werde die Abstufung diskutiert, laut LBM auch für die Ortsdurchfahrt Farschweiler. Noch sei nichts abschließend entschieden.