Anzhuo Shen aus Neubiberg holt 2. Platz bei „Jugend musiziert"

Stand: 16.09.2026, 14:00 Uhr

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Saiten-Virtuose: Anzhuo Shen aus Neubiberg an der Gitarre. Er holte im Bundeswettbewerb von Jugend musiziert den zweiten Platz.

Saiten-Virtuose: Anzhuo Shen aus Neubiberg an der Gitarre. Er holte im Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ den zweiten Platz. © Musikschule

Der 18-jährige Gitarrist hat sich beim Bundeswettbewerb durchgesetzt. Sein Lehrer warnt aber vor den Realitäten des Musikmarkts.

Neubiberg/Unterhaching – Anzhuo Shen hat erst einmal noch die Kopfhörer auf, um der geliebten Musik zu lauschen. Der 18-jährige Schüler der Musikschule Unterhaching/Neubiberg hat seine Abläufe vor Proben und Auftritten längst verinnerlicht. Auf der Bühne angelangt, bringt er mit chromatischen Tonleitern die Gitarrensaiten zum Klingen. Shen selbst muss für sein fein getuntes Spiel seine Finger von „Pulgar“ (Fachjargon für Daumen) bis „Anular“ (Ringfinger) lockern. Es folgen Stretching-Übungen, konzentrierte wie langsame Grundanschläge für die Justierung der Fingernägel und weitere finale Fingerübungen. Die Kopfhörer sind längst ab. Jetzt spielt der junge Meister selbst. Und wie! Mit seinem Können an der Gitarre hat er sich heuer den 2. Preis beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ gesichert.

Musikschule: Anzhuo Shen mit Lehrer Johannes Bauer.

Der Schüler und sein Lehrer: Johannes Bauer arbeitet gerne mit Anzhuo Shen (r.) zusammen. © Musikschule

Shen hat Platz genommen und als Rechtshänder sein linkes Bein auf einem Bänkchen höher gestellt, um den Gitarrenhals in eine leicht gehobene Haltung zu bringen. Da weiß einer, was er macht. Egal, ob an der klassischen, nylonsaitigen Klassik- oder der stahlsaitigen Fingerstyle-Gitarre. „Anzhuo hat mit acht Jahren angefangen, Gitarre zu spielen – vor drei Jahren habe ich ihn von einem Kollegen bei der Musikschule übernommen“, erklärt sein Lehrer Johannes Bauer im Bühnenraum an der Musikschule Unterhaching. Bauer ist dort langjähriger Fachbereichsleiter für Zupf- und Schlaginstrumente und weiß als selbst ehemaliger Bundespreisträger um die Erfordernisse professionellen Gitarrenspiels. Als „intelligent, strebsam, ruhig und reflektiert“ beschreibt er seinen Eleven mit merklichem Stolz und großer Zuneigung. „Wir mussten anfangs aber einen geduldigen und disziplinierten Weg gehen, um seine Technik auszubauen und die bühnenreife Interpretation anspruchsvoller Stücke zu erreichen.“

Musikalische Talentschmiede

Anzhuo Shen ist nicht das einzige Toptalent der Musikschule Unterhaching und Neubiberg. Arsenij Basov und Korbinian Schäffler schafften es an der E-Gitarre bei „Jugend musiziert“ heuer ins Landesfinale Bayern. Sara Sükün gab im Regionalwettbewerb Gitarre eine deutliche Talentprobe ab. Beim Kauf eines neuen Instrumentes und der Finanzierung der zeitaufwändig intensiven Unterrichte werden hoffnungsvolle Künstler von der Musikschule unterstützt. Johannes Bauer unterstreicht die Bedeutung der Musikschule: „Ich habe die Musikschule schon immer als wichtigen persönlichen Lebens- und Lernraum gesehen, war in vielen Ensembles und habe dort viele Freundschaften geknüpft. Die vielen Proben erhöhten meine Spielsicherheit – auch vor meinen Freunden in und außerhalb der Musikschule.“

Eine Werkschau zeitgenössischer Stücke von Jinsan Kims „Crow“ bis „Playing God“ von Polyphia wandelte der junge Neubiberger Shen nicht nur bei den Wettbewerben in traumhafte Saiten-Klangfarben. Auch bei den zwei bis drei Proben in der Musikschule und an sechs Probetagen zu Hause oder im Kreis Gleichgesinnter arbeitet der junge Deutsch-Chinese behände am Ausbau seiner Fertigkeiten. „Ich bin neben meiner Fingerstyle-Gitarre auch für die klassische Gitarre offen“, erklärt Shen nach der Probe und schwärmt von seinen „Vorbildern“ wie Tárrega oder Chopin.

Viele Bezüge zur Heimat seiner Vorfahren in China

„Offen“ ist der reflektierte, junge Mann auf vielen Pfaden. Selbst in München geboren und mit Familie und Freunden tief in Bayern verwurzelt, hat Shen viele Bezüge zur Heimat seiner Vorfahren in China. In den Ferien wird er mit seinem Vater nach China reisen und neben der dortigen Musikszene auch die Lebenskultur aufsaugen. „Wir pflegen eine freundschaftliche Schüler-Lehrer-Beziehung, die über die rein musikalischen Dinge hinausgeht“, unterstreicht Bauer. „Es ist spannend, mit Anzhuo über viele Themen zu reden.“

Musikmarkt ist ein gnadenloser 360-Grad-Job

„Für den persönlichen Weg ist eine solche Auszeichnung wie der Bundespreis unvergesslich und bringt großes Selbstvertrauen“, sagt Bauer. Doch trotz aller Klasse zeichnet er einen eher steinigen Weg für junge Künstler wie Shen. „Der Musikmarkt ist ein gnadenloser 360-Grad-Job mit notwendiger Selbstvermarktung in den sozialen Netzwerken“, gibt sich Bauer branchenkritisch. „Management erfolgt zeitintensiv bei jungen Musikern in Eigenleistung, und schlecht bezahlte Konzertreisen zerren an Geldbeutel und Nerven.“ Der Musikmarkt lasse nur Platz für die Besten. „Wer nicht unterrichten will, hat keine Chance.“

Shen reagiert reflektiert und ruhig. „Musikalisch wird die Gitarre immer ein wichtiger Teil von mir sein, um mich vom Alltagsstress abzulenken – aber für die konkrete Zukunft habe ich noch nicht viel fest geplant“, sagt der 18-Jährige, der kommendes Jahr sein Abitur macht. „Ich habe bislang alles offen gehalten, damit ich künftig eine bessere Entscheidung treffen kann.“ Der in der kargen Freizeit begeisterte Tischtennisspieler Shen lacht. Dann setzt er seine Kopfhörer auf und geht. „Wo ein Wille, da ein Weg“, ruft Bauer ihm noch sein eigenes Lebensmotto nach. Ersterer ist reichlich vorhanden, der Weg wird sich weisen.