AOK-Auswertung: Berlin bei Hüft- und Knie-OPs weit über Durchschnitt

Ein Arzt überprüft während einer Hüft-OP den Sitz des Hüftimplantats
Ein Arzt überprüft während einer Hüft-OP den Sitz des Hüftimplantats Foto: picture alliance/dpa Themendienst
Autorenfoto Birgit Bürkner, B.Z.-Chefreporterin / P-Tag: 2025-07-08 /

Berlin – Bei Hüft-OPs liegt Berlin weltweit über dem Durchschnitt. Auch Eingriffe am Knie werden in der deutschen Hauptstadt öfter durchgeführt als im internationalen Vergleich.

In Berlin wurden 2021 laut Krankenhausdaten 47 Prozent mehr Hüftprothesen je 100.000 Einwohner eingesetzt als im Durchschnitt aller Industrienationen weltweit. Bei Knieprothesen lag Berlin rund 15 Prozent über dem Schnitt. Das ergab eine Auswertung der Krankenkasse AOK auf Grundlage von OP-Zahlen aus den 38 Ländern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).

Konkret wurden in Berlin im Jahr 2021 rund 253 Hüftprothesen je 100.000 Einwohner implantiert. In den 38 OECD-Ländern waren es im Schnitt nur 172. Im Jahr 2023 wurden in Berlin sogar 291 Hüftprothesen je 100.000 Einwohner eingesetzt, neuere OECD-Daten zum Vergleich sind nicht verfügbar. Auch bei den Knie-Endoprothesen liegt die Hauptstadt über dem internationalen Durchschnitt: 2021 waren es 137 in Berlin, gegenüber 119 weltweit (2023: 194). Wichtig: Die Zahlen von 2021 sind wegen der Corona-Beschränkungen bei OPs nur eingeschränkt aussagekräftig.

Eingriff an der Hüfte in einer Klinik
Eingriff an der Hüfte in einer Klinik Foto: picture alliance/dpa

AOK-Chefin Daniela Teichert macht deutlich: Eine Prothesen-OP sollte „nur dann erfolgen, wenn sie medizinisch wirklich die beste Option ist.“ Nutzen, Risiken und Alternativen sollten besonders sorgfältig abgewogen werden. Ein verpflichtendes Zweitmeinungsverfahren, wie mit dem neuen GKV-Spargesetz angedacht, sei sinnvoll.

Warum werden in Berlin überdurchschnittlich viele Prothesen eingesetzt? „Der Anspruch auf Lebensqualität ist höher als in vielen anderen OECD-Staaten“, sagt Charité-Prof. Carsten Perka, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Er weist auch darauf hin: „50 Prozent der Patienten, die hier operiert werden, kommen nicht aus Berlin, werden überregional zugewiesen.“ Doch auch wirtschaftliche Not könne Kliniken dazu treiben, häufiger zur Implantation zu raten.

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